Im Industriegebiet von Bruchsal im Kreis Karlsruhe ist Anfang Oktober ein neues Kapitel der Wärmeversorgung angelaufen: Fernwärme aus Tiefengeothermie wird in das kommunale Netz eingespeist. Der Testbetrieb war bereits erfolgreich, erster angeschlossener Kunde ist das Unternehmen John Deere im Industriegebiet an der A5.

Damit ist Bruchsal die erste Kommune in Baden-Württemberg, die ihr Fernwärmenetz mit Wärme aus Tiefengeothermie versorgt. In vier Bruchsaler Stadtteilen gibt es zwar schon Fernwärmeprojekte – bislang allerdings ohne Wärme aus der Tiefe. Seit 2019 wird außerdem die Landespolizeischule in Bruchsal testweise teilweise mit Geothermie-Fernwärme beheizt.

Wärme für die Stadt, Lithium für Batterien

Bis 2033 sollen rund 30 Kilometer Fernwärmeleitungen verlegt werden. Große Teile der Innenstadt sollen angeschlossen werden. Das Geothermiekraftwerk könnte innerhalb von sieben Jahren etwa ein Drittel der Fernwärmeversorgung Bruchsals übernehmen.

Eine neue Pumpe soll ab 2027 die Förderleistung des Thermalwassers deutlich erhöhen: von derzeit etwa 28 auf 55 Liter pro Sekunde. Aufgrund der positiven Testergebnisse haben EnBW und die Bruchsaler Stadtwerke Anfang 2026 eine weitere Kooperation unterzeichnet.

Neben Wärme steckt im Thermalwasser noch ein weiterer Rohstoff. In Bruchsal wird seit 2020 zusätzlich Lithium gewonnen. Bei der aktuellen Fördermenge dauert es etwa 40 Minuten, um die Lithiummenge für eine Elektroauto-Batterie zu gewinnen. Die derzeit mögliche maximale Jahresproduktion würde für rund 20.000 Autobatterien reichen.

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Eine Brennstoffzelle auf dem Kraftwerksgelände

Seit Ende 2025 testet die EnBW auf dem Kraftwerksgelände außerdem eine Brennstoffzelle. Sie erzeugt Strom und Wärme und versorgt die Geothermieanlage mit Strom. Nach Angaben des Projekts gilt sie als erste Anlage dieser Art in Deutschland.

Der elektrische Wirkungsgrad liegt bei über 60 Prozent. Rechnerisch könnte die Brennstoffzelle etwa 850 Zwei- bis Drei-Personen-Haushalte mit Strom und 65 Einfamilienhäuser mit Wärme versorgen. Bei Umsetzung der Pläne könnte Bruchsal bis 2040 eine netto-treibhausgasneutrale Kommunalverwaltung erreichen. Tiefengeothermie gilt dabei als annähernd CO₂-neutral.

Vergleichbare Anlagen zur kombinierten Strom- und Wärmeerzeugung, die in kommunale Fernwärmenetze einspeisen, gibt es in Deutschland vor allem im Großraum München; weitere Anlagen sind im Bau. Für Bruchsal geht es also nicht um eine isolierte Sonderlösung, sondern um einen Ansatz, der andernorts bereits Fuß fasst – wenn auch noch längst nicht flächendeckend.

Planungshilfen für Stadtwerke

Wie Kommunen solche Vorhaben angehen können, beschreibt der Bundesverband Geothermie e. V. (BVG) in kostenlosen Broschüren für kommunale Energieversorger. Die Veröffentlichung „Wärmeversorgung mit Mitteltiefer und Tiefer Geothermie – Schritt für Schritt von der Idee bis zum Betrieb“ richtet sich an Stadtwerke und kommunale Energieversorgungsunternehmen.

Am Beispiel der fiktiven Kommune Warmhausen erläutert sie zentrale Planungsschritte für eine tiefengeothermische Anlage. Die beschriebenen Schritte lassen sich auch auf die Transformation industrieller Wärmeversorgung übertragen. Unterstützt wurde die inhaltliche Ausgestaltung von der Geothermie Neubrandenburg GmbH (GTN) und den Stadtwerken München (SWM).

Eine weitere Broschüre trägt den Titel „Wärmeversorgung mit Oberflächennaher Geothermie – Schritt für Schritt von der Idee bis zum Betrieb“. Sie behandelt die zentralen Planungsschritte einer Anlage für oberflächennahe Geothermie; an der Ausarbeitung waren Mitgliedsunternehmen des BVG beteiligt.

Beide Broschüren sollen als Orientierung für die Nutzung geothermischer Energie dienen. Sie können kostenlos im PDF-Format unter info(at)geothermie.de bestellt werden. Zum Thema kommunale Wärmewende mit Geothermie veranstaltet der BVG regelmäßig Workshops und stellt dazu eine Übersicht bereit.