Am 23. Oktober 2026 wird um 19 Uhr im Martin von Wagner Museum der Universität Würzburg die Gedenkausstellung „Conditio Humana – Karl-Heinz Weis | Mediziner und Mäzen“ eröffnet. Die Schau findet in der Würzburger Residenz, Südflügel, 2. Stock, statt. Veranstalter ist das Martin von Wagner Museum der Universität Würzburg.

Zu sehen ist eine Auswahl von Werken aus den Schenkungen von Karl-Heinz Weis (1927–2025). Weis war Mediziner am Universitätsklinikum Würzburg, beschäftigte sich intensiv mit Kunstgeschichte und verfügte auf diesem Gebiet über umfassendes Fachwissen. Über Jahrzehnte schenkte er dem Museum Werke und unterstützte es als langjähriger, engagierter und großzügiger Mäzen.

Eröffnung mit Erinnerungen und Weinempfang

Die ausgestellten Arbeiten spiegeln Weis’ persönlichen Kunstgeschmack und sein vielseitiges Kunstverständnis wider. Im Zentrum standen für ihn die existenziellen Grundlagen des Menschseins – ein großer Gedanke, der in den Räumen der Residenz wohl nicht ganz leise daherkommt.

Den Abend eröffnet ein Grußwort von Dr. Uwe Klug, Kanzler der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Es folgen die Begrüßung durch Prof. Dr. Damian Dombrowski, Direktor der Neueren Abteilung des Martin von Wagner Museums, und eine Einführung von Dr. Markus Maier, Kurator des Museums und der Gedenkausstellung. Martin Spreng, Weis’ Schwiegersohn, spricht über Erinnerungen an Karl-Heinz Weis. Anschließend sind die Eröffnung und ein Weinempfang geplant.

Wegen der begrenzten Sitzplätze ist eine namentliche Anmeldung erforderlich. Möglich ist sie unter 0931 / 312283 oder per E-Mail an mvw-museum@uni-wuerzburg.de. Weitere Informationen zur Ausstellung gibt es unter www.martinvonwagner-museum.com.

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Ein Museum mit langer Würzburger Geschichte

Der Ausstellungsort liegt seit 1963 im Südflügel der Würzburger Residenz, einem UNESCO-Weltkulturerbe. Das Martin-von-Wagner-Museum beherbergt die Kunstsammlungen der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, wurde 1832 gegründet und gilt als ältestes Museum der Region. Seine Bestände reichen über rund 5.000 Jahre Kunst- und Kulturgeschichte: von der Antike über das Mittelalter bis in die Neuzeit.

Namensgeber ist Martin von Wagner (1777–1858), ein Würzburger Maler, Bildhauer, Zeichner, Archäologe, Antiquar und Kunstagent. Mehr als 50 Jahre wirkte er in Rom und hinterließ seiner Heimatstadt eine umfangreiche Kunstsammlung. Bereits 1857 hatte Johann Martin von Wagner der Universität seine Sammlung antiker und moderner Kunst gestiftet. Der gebürtige Würzburger war deutschrömischer Maler und Bildhauer sowie Kunstagent des bayerischen Königs Ludwig I.; seine Sammlung hatte er während seiner Tätigkeit in Rom aufgebaut.

Die Stiftung erfolgte als Dank für seine dauerhafte Freistellung von einer Professur für Zeichenkunst, die er nie antrat. Unter den übernommenen Werken waren unter anderem der Kentaurenkopf vom Parthenon und die „Madonna del Bambino Vispo“. Dazu kamen Tausende Handzeichnungen und Kupferstiche, vor allem italienischer Meister der Renaissance und des Barocks. Damit verschob sich der Schwerpunkt der Neueren Abteilung auf italienische Kunst.

Auch Fröhlichs Sammlung, die vorwiegend Werke holländischer Meister des 17. und 18. Jahrhunderts enthielt, erweiterte den Blick auf die europäische Kunstgeschichte. Später kamen deutsche Renaissance- und Romantikwerke sowie mittelalterliche Schnitzkunst hinzu.

Von Lessing bis zur eigenständigen Museumsleitung

Die Museumsgeschichte ist eng mit der archäologischen und kunsthistorischen Lehre der Universität verbunden. 1790 kündigte Bonaventura Andres eine Vorlesung über Lessings „Laokoon“ an; damit begann die wissenschaftliche Beschäftigung mit bildender Kunst an der Universität. Franz Joseph Fröhlich hielt ab 1815 kunsthistorische Vorlesungen und bezog spätestens ab 1816 die kritische Betrachtung vorhandener Kunstwerke ein. 1831 kündigte er eine Vorlesung über Ästhetik als Kunstwissenschaft mit der kritischen Beleuchtung bedeutender Kunstwerke an.

1832 richtete der Universitätsreferent Maximilian Joseph Freiherr von Zu Rhein gegen den Willen des Senats ein „Ästhetisches Attribut“ zur Unterstützung kunsthistorischer und archäologischer Forschung ein. Die Leitung übernahm zunächst Peter von Richarz, Professor für klassische Altertumskunde; 1834 folgte ihm Fröhlich. Die Sammlung des Konservatoriums bestand anfangs aus Antiken, Gemälden und Kupferstichen, die Fröhlich nach und nach zusammentrug. Das Bayerische Innenministerium stellte dafür vorübergehend ein Ankaufsetat bereit.

Diese Sammlung bildete den Kern des Universitätsmuseums, das zunächst im Obergeschoss der Alten Universität in der Domerschulgasse 16 untergebracht war. 1837 wurde es allgemein öffentlich zugänglich. Als der Berliner Gemäldegaleriedirektor Gustav Waagen das Museum 1843 besuchte, hob er dort „recht schätzbare Sachen“ hervor. 1862 gelangte Fröhlichs private Sammlung testamentarisch an die Universität.

Bis 2014 waren die jeweiligen Inhaber der Lehrstühle für Klassische Archäologie beziehungsweise Kunstgeschichte zugleich Museumsdirektoren. Seit 2014 ist das Museum organisatorisch selbstständig. Jochen Griesbach leitet die Ältere Abteilung beziehungsweise Antikensammlung, Damian Dombrowski die Neuere Abteilung mit Gemäldegalerie und Graphischer Sammlung.

Antike Vasen, Gemälde und eine verschlossene Grafiksammlung

Das Museum umfasst eine Antikensammlung, eine Gemäldegalerie und eine Graphische Sammlung. Die Antikensammlung – auch Ältere Abteilung genannt – enthält Kunstwerke und Altertümer des Mittelmeerraums vom 3. Jahrtausend v. Chr. bis in die Spätantike. Ihr Schwerpunkt liegt auf dem antiken Griechenland; vertreten sind außerdem Objekte aus dem Römischen Reich, der etruskischen Kultur, Ägypten sowie vorderasiatischen Kulturen, insbesondere aus der Ägäis, Vorderasien und Zypern.

Besonders bedeutend ist die Sammlung griechischer Vasen. Mit etwa 5.000 Objekten ist sie die drittgrößte Sammlung griechischer Vasen in Deutschland und dokumentiert die Entwicklung griechischer Keramik von der spätmykenischen Zeit bis zum Hellenismus. Zu den wichtigen Stücken zählen die Oinochoe des Mamarce, der Würzburger Vierjahreszeitenaltar und die Würzburger Brygosschale.

2019 wurde ein Münzkabinett neu eröffnet. Anlass war die Schenkung mehrerer hundert antiker Münzen durch den Mäzen Herbert Wellhöfer.

Die Gemäldegalerie ist der für die allgemeine Öffentlichkeit frei zugängliche Teil der Neueren Abteilung. Sie zeigt deutsche, niederländische und italienische Gemälde vom 13. bis zum 20. Jahrhundert, darunter Werke von Hans Leonhard Schäufelein, Bartholomäus Spranger, Pieter Claesz, Luca Giordano, Giovanni Battista Tiepolo, Friedrich Overbeck, Carl Rottmann, Franz von Lenbach, Max Liebermann, August von Brandis und Hans Purrmann. Zur Gemäldesammlung gehören außerdem Skulpturen, besonders genannt werden Arbeiten Tilman Riemenschneiders und aus seiner Schule.

Die Graphische Sammlung ist aus konservatorischen Gründen grundsätzlich nicht frei zugänglich, kann jedoch zu wissenschaftlichen und vergleichbaren Zwecken besichtigt werden. Sie umfasst rund 16.000 Handzeichnungen und 14.000 Druckgrafiken, darunter Kupferstiche und Holzschnitte von Albrecht Dürer. Hinzu kommen Handzeichnungen von Federico Barocci sowie Zeichnungen von Giovanni Battista Tiepolo und seinem Sohn Giovanni Domenico Tiepolo.

Finanziell unterstützt wird die Arbeit des Museums durch den Martin-von-Wagner’schen Stiftungsfonds. Der Standort liegt bei 49° 47′ 33,8″ N, 9° 56′ 21,3″ O. Wer am 23. Oktober zur Eröffnung kommt, landet also an einem Ort, an dem sich seit Jahrhunderten sammeln, forschen, streiten und staunen lässt – diesmal mit Karl-Heinz Weis im Mittelpunkt.