CSI startet dritte Förderrunde für digitale Gesundheitsinnovationen in der Region Aachen
Die Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer (AGIT) hat die dritte Bewerbungsrunde für Innovationspartnerschaften im Projekt „Care for Sustainable Innovation“ (CSI) gestartet. Konsortien können sich vom 1. Oktober 2026 bis zum 31. Januar 2027 für das Förderprogramm bewerben. Gesucht werden umsetzungsorientierte Gesundheitsinnovationen mit erkennbarem Verwertungs- oder Förderpotenzial.
Im Mittelpunkt stehen praxisnahe, zukunftsfähige Lösungen für das regionale Gesundheitswesen. Mitmachen können Konsortien aus mindestens zwei Partnern, darunter mindestens eine etablierte Organisation oder ein etabliertes Unternehmen. Außerdem muss ein klarer Bezug zur Wirtschaftsregion Aachen bestehen. Dazu zählen die Stadt Aachen, die StädteRegion Aachen sowie die Kreise Düren, Euskirchen und Heinsberg.
Von der digitalen Selbsttherapie bis zur Pflegeplanung
Wie solche Kooperationen aussehen können, zeigte die zweite Jurysitzung am 8. Juli 2026 im digitalHUB Aachen. Eine sechsköpfige Fachjury bewertete die Präsentationen der Partnerschaften und wählte drei Verbünde aus.
- JawBuddy und die Uniklinik RWTH Aachen entwickeln eine digitale Selbsttherapie für craniomandibuläre Dysfunktionen (CMD).
- CLARAPLAN, die St. Gereon Seniorendienste und das Franziskusheim arbeiten an einer softwaregestützten, durch künstliche Intelligenz unterstützten Pflegeplanung.
- MediSync entwickelt gemeinsam mit einer Hausarztpraxis eine automatisierte, KI-gestützte Dokumentation für den ärztlichen Alltag.
Die ausgewählten Verbünde erhalten Unterstützung bei der Weiterentwicklung und Validierung ihrer Konzepte. Die fachliche Begleitung läuft spätestens bis Ende 2027 und soll den Transfer der Lösungen in die klinische oder pflegerische Praxis beschleunigen. Gerade bei digitalen Anwendungen entscheidet sich dort, ob aus einer guten Idee tatsächlich ein brauchbares Werkzeug wird – und nicht bloß ein weiterer Testzugang, der irgendwo liegen bleibt.
In der Jury saßen Iris Wilhelmi, Geschäftsführerin des digitalHUB Aachen e. V., Elke Breidenbach, Leiterin des Bereichs Gesundheitswirtschaft im Region Aachen Zweckverband, Marielle Scharfenberg, CSI-Projektmanagerin bei der Stadt Aachen, Dr. Frank Hees, Institutsleiter des Lehrstuhls für Informations-, Qualitäts- und Sensorsysteme in der Produktion, Dr. Klaus-Dieter Langner, Beiratsmitglied des MedLife e. V. und Healthcare-Experte, sowie Lukas Schülting, Projektmanager bei der AGIT.
Förderung für regionale Verbünde
Getragen wird CSI von der AGIT und ihren Partnern. Finanziert wird das Projekt durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und das Land Nordrhein-Westfalen. Anträge für die laufende Bewerbungsrunde können bis zum 31. Januar 2027 eingereicht werden.
Der Ansatz passt zu einem größeren Muster in der Gesundheitsforschung: Kleine und mittlere Unternehmen entwickeln neue, innovative, nachhaltige und marktfähige Produkte, Dienstleistungen und Verfahren häufig gemeinsam mit Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Die Innovationswettbewerbe des EFRE/JTF-Programms NRW 2021–2027 richten sich deshalb auf Verbundvorhaben von KMU, Großunternehmen und Forschungseinrichtungen.
Voraussetzung ist, dass die Vorhaben einem der sechs Innovationsfelder der Regionalen Innovationsstrategie Nordrhein-Westfalens zugeordnet werden können. Eines davon heißt „Innovative Medizin, Gesundheit und Life Science“. Dazu gehören insbesondere Spitzenmedizin, Medizintechnik, Lebenswissenschaften, Ernährungswissenschaften und Pharmazie. Innovative Medizin umfasst die Entwicklung neuer Verfahren, Techniken und Methoden und gilt als Innovationstreiber der wissenschaftsgetriebenen Biomedizinforschung.
Digitalisierung, Biotechnologie und nachhaltige Systeme
Nordrhein-Westfalen verfügt über eine leistungsfähige Wissenschafts- und Forschungslandschaft. Die Fördermaßnahme soll den Weg von Ideen und Konzepten aus Wissenschaft und Wirtschaft hin zu innovativen, marktreifen und nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen beschleunigen. Thematische Schwerpunkte sind Prävention, neuartige Behandlungsmöglichkeiten und neue Therapieformen.
Digitalisierung und Biotechnologie spielen dabei als Schlüssel- und Querschnittstechnologien eine wichtige Rolle. Nordrhein-Westfalen will seine Vorreiterrolle bei der Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft stärken und ausbauen. Nachhaltige Innovationen in der Biotechnologie sollen wertschöpfungsorientierte Lösungen ermöglichen – unter anderem angesichts des Klimawandels, der wachsenden Weltbevölkerung und zukünftiger Infektionsgefahren.
Denkbar sind etwa die frühzeitige Identifikation neuer Infektionskrankheiten, leistungsfähige Diagnostik zur Erkennung von Infektionsclustern und innovative Konzepte zur Eindämmung von Infektionen. Auch die Pharmazie in Nordrhein-Westfalen gewinnt bei Wirkstoffentwicklung und Wirkstoffproduktion an Bedeutung, um die Abhängigkeit von globalen Lieferketten zu reduzieren.
Umweltrelevante Rahmenbedingungen werden wichtiger und verlangen nach neuen Lösungsansätzen. Eine zukunftsorientierte Gesellschaft soll ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltig handeln. Vorgesehen sind resiliente, ressourcen- und klimaschonende Systeme und Prozesse sowie kreislauforientierte Produkte und Dienstleistungen.
Vorhaben, die der STEP-Verordnung über strategische Technologien für Europa entsprechen, werden nach der STEP-Verordnung gefördert. Andere Projekte können über das EFRE/JTF-Programm NRW 2021–2027 unterstützt werden. Der Innovationswettbewerb „Gesünder.IN.NRW“ wird im Rahmen der europäischen Regionalförderung umgesetzt. Federführend ist das Ministerium für Kultur und Wissenschaft Nordrhein-Westfalen (MKW); beteiligt sind außerdem das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie (MWIKE), das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr (MUNV) sowie das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS).
Für die dritte CSI-Runde in der Wirtschaftsregion Aachen bleibt damit bis Ende Januar Zeit, Partner zusammenzubringen, eine Idee scharfzustellen und den Antrag einzureichen. Der Stichtag: 31. Januar 2027.
