David Bock: Vom IT-Abiturienten zum Softwareentwickler an der Universität Stuttgart
Eigentlich hätte der Brief aus dem Kultusministerium direkt bei David Bock landen sollen. Stattdessen lag er zunächst bei Stefan Fehrenbach, dem Leiter der Hohentwiel-Gewerbeschule Singen. Ein Versehen mit erfreulicher Auflösung: Der Brief würdigte Bocks Abiturleistung von 2026 – 871 von 900 möglichen Punkten und damit einen Platz unter den zehn besten Absolventinnen und Absolventen der beruflichen Gymnasien in Baden-Württemberg.
Am 28. September 2026 kam der 19-Jährige gemeinsam mit seiner Mutter Heidrun an seine frühere Schule, um das Glückwunschschreiben von Kultusminister Andreas Jung entgegenzunehmen. Bock trug dabei, wie er selbst sagte, zum zweiten Mal in seinem Leben eine Krawatte. Im Juli hatte er bereits sein Abiturzeugnis erhalten, außerdem den Preis für die besten Leistungen im Fach Informationstechnik/IT.
Vom Friedrich-Hecker-Gymnasium in die Informationstechnik
Sein Weg an die Hohentwiel-Gewerbeschule begann 2020. Damals wechselte David Bock vom Friedrich-Hecker-Gymnasium, dem FHG, in Radolfzell in die 8. Klasse des Technischen Gymnasiums. Schon zu diesem Zeitpunkt kündigte er an, später das Profil „Informationstechnik“ zu wählen. Er wollte in diesem Fachbereich schneller vorankommen.
Sein Interesse an IT entwickelte sich laut Bock unter anderem über „Minecraft“ – eine Plattform, die digitale Bauwelten und erste Programmierung ermöglicht. Für das Lernen setzte er nach eigenen Angaben auf ein „Mini-Max-Prinzip“: Er versuchte herauszufinden, wann er spätestens mit der Prüfungsvorbereitung beginnen musste, um ein möglichst gutes Ergebnis zu erzielen. Nicht früher als nötig, aber auch nicht zu spät. Hat offenbar funktioniert.
Bereichsleiter Stefan Martin erinnert sich an kreative und praxisnahe Problemlösungen seines ehemaligen Schülers. Zu den Projekten, an denen Bock mitarbeitete, gehörte „CitBin“. Dabei ging es um smarte Mülleimer mit sensorgestützter Erfassung des Füllstands. Die gesammelten Daten sollten helfen, die Leerung besser zu planen.
Software für Singener Unterflur-Mülleimer
Im CitBin-Projekt der TG12, das gemeinsam mit dem Unternehmen Sybit und der Stadt Singen entstand, wirkte David Bock maßgeblich an der Softwareentwicklung mit. Außerdem arbeitete er an der Lösung zur Vernetzung der Unterflur-Mülleimer der Stadt. Aus vollen Behältern, Sensorwerten und Software wird so ein ziemlich konkretes Stück Stadttechnik.
Als ehemalige Profilfachlehrer werden Karl Laber und Stefan Martin genannt. Auf dem Foto zur Auszeichnung sind vorne S. Fehrenbach und David Bock zu sehen, hinten Karl Laber, Edgar Bura und Stefan Martin.
Im September 2026 begann Bock sein IT-Studium in Stuttgart, an der Universität Stuttgart im Bereich Softwareentwicklung. Dafür zog er in eine Wohngemeinschaft mit einem ehemaligen Mitschüler aus der Oberstufe. Zu seinen Kochkenntnissen gehört unter anderem die Zubereitung von Nudeln mit Tomatensoße. Für den Anfang reicht das ja durchaus.
Von der Schule bekam er zum Abschied einen Camping-Schwenkgrill. Bock ist außerdem passionierter Radfahrer – der Weg in die nächste Lebensphase dürfte also nicht ausschließlich zwischen Schreibtisch, Hörsaal und WG-Küche stattfinden.
Was ein Berufliches Gymnasium ermöglicht
Das Berufliche Gymnasium gehört zu den berufsbildenden Schulen und ist auf berufliche Fachrichtungen ausgerichtet. Neben allgemeinbildenden Fächern vermittelt es berufliche Bildungsinhalte, die auf den Arbeitsalltag vorbereiten und den Einstieg ins Berufsleben erleichtern sollen.
Ziel ist der Erwerb der Allgemeinen Hochschulreife, also des Abiturs. Damit ist ein Studium an Hochschulen und Universitäten möglich; unabhängig von der gewählten Fachrichtung berechtigt das Abitur zum Studium an allen Fakultäten. Zur Auswahl stehen unter anderem die Fachrichtungen „Wirtschaft“ sowie „Gesundheit und Soziales“. Beide Bildungsgänge dauern drei Jahre. David Bock hat seinen nächsten Schritt bereits gemacht: Heute, am 1.10.2026, sitzt er an der Uni Stuttgart – vermutlich nicht mehr mit Krawatte, dafür vielleicht mit einem Fahrradhelm neben dem Laptop.
