Eßfeld, ein Gemeindeteil des Marktes Giebelstadt im Landkreis Würzburg, hat den Wettbewerb „Summende Dörfer“ gewonnen. Ausgezeichnet wurde der Ort von der Universität Würzburg und dem Biodiversitätszentrum Rhön (BioZ) für seinen herausragenden ehrenamtlichen Einsatz für Wildbienen.

20 Dörfer waren dabei. In Eßfeld überzeugten das starke Engagement der Bevölkerung, die vielen beteiligten Privatgärten und eine ganze Reihe von Aktionen, die sich durch den Ort zogen. Ein selbstorganisierter Bürgerverein koordinierte die Maßnahmen und brachte die Dorfgemeinschaft zusammen – keine kleine Aufgabe, wenn aus einer Idee tatsächlich Nisthügel, Staudenbeete und Wildblumenflächen werden sollen.

Eßfeld setzt auf viele kleine Lebensräume

Entstanden ist unter anderem eine Abrisskante als Nistplatz für bodenbewohnende Wildbienen. Dazu kamen unterschiedliche Pflanzflächen und weitere Angebote für die Bestäuber. Matthias Raps und Daniel Hammer, die maßgeblich an den Aktionen beteiligt waren, sehen in der Auszeichnung einen Beleg dafür, was gemeinschaftliches Engagement erreichen kann.

Giebelstadts Bürgermeister Adrian Schmierer dankte der Bürgerschaft für ihre Eigeninitiative. Das gemeinsame Vorgehen, sagte er, könne als Vorbild für die Region dienen. Auch die Universität Würzburg und das Biodiversitätszentrum Rhön würdigten den Einsatz aller 20 teilnehmenden Dörfer für Wildbienen und biologische Vielfalt.

Der Preis bringt Eßfeld außerdem einen öffentlichen Termin: Am Sonntag, 30. Mai 2027, richtet der Ort einen Aktionstag zum „Tag der Wildbiene“ aus. Geplant sind Informationen und Mitmachangebote rund um Wildbienen und Insektenschutz. Die Veranstaltung soll die Projekterfolge und das ehrenamtliche Engagement würdigen und zugleich überregional auf den Artenschutz aufmerksam machen. Organisiert wird der Tag vom Biodiversitätszentrum Rhön; eingeladen sind auch die anderen beteiligten Dörfer. Beim Austausch ihrer Erfahrungen soll die Idee der „Summenden Dörfer“ weitergetragen werden.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Warum Nisthilfen nicht automatisch gut sind

Insekten bilden die artenreichste Tiergruppe und sind ein unverzichtbarer Teil des Ökosystems. Vögel und kleine Säugetiere finden in ihnen Nahrung, während viele Nutz- und Wildpflanzen auf die Bestäubung durch Käfer, Fliegen, Schmetterlinge und Bienen angewiesen sind. Gehen Bestäuber zurück, betrifft das also nicht nur Wiesen und Gärten, sondern auch Natur und Menschen.

Wer im eigenen Garten helfen möchte, stößt schnell auf Begriffe wie Insektenhotel, Wildbienenhaus oder Nützlingsunterkunft. Gemeint sind damit grundsätzlich verschiedene Nist- und Schutzangebote – vom kleinen Modell mit Pappröhrchen oder Schilf bis zu Anlagen mit mehreren Quadratmetern Besiedlungsfläche. Entscheidend ist allerdings nicht die Größe oder das Aussehen, sondern das Füllmaterial. Es sollte natürliche Nistgelegenheiten nachahmen. Ebenso wichtig sind ein vielfältiges Pflanzenangebot und insektenfreundliches Saatgut.

Viele Angebote aus dem Handel oder aus Bauanleitungen gehen hier daneben. Zapfen, Holzwolle, Lochziegel und falsch gebohrte Holzstücke sehen zwar nach Natur aus, erfüllen die Anforderungen von Wildbienen und anderen Insekten aber oft nicht. Holzsplitter und Holzwolle etwa bieten Marienkäfern kaum etwas, weil sie genügend natürliche Verstecke finden. Ohrwürmer nehmen Holzwolle als Unterschlupf an, können dort aber benachbarte Brutröhren von Wildbienen oder Solitärwespen plündern.

Auch Bohrungen ins Stirnholz sind problematisch: Risse und eindringende Feuchtigkeit begünstigen Pilzbefall, der die Brut zerstören kann. Schmetterlinge überwintern und entwickeln sich nicht in künstlichen „Schmetterlings-Einfluglöchern“. Viele Halme und Stängel sind gar nicht hohl; nur wenige Arten graben eigene Gänge, die meisten nutzen vorhandene Hohlräume. Kiefern- und Tannenzapfen taugen Marienkäfern und Florfliegen höchstens als nächtlicher Unterschlupf, nicht als geeigneter Überwinterungsplatz. Die meisten Insekten nehmen solche Angebote nicht an.

Schmetterlinge und Marienkäfer brauchen in der Regel überhaupt keine künstlichen Unterschlüpfe. Naturnahe Gartengestaltung, eine vielfältige Bepflanzung und der Verzicht auf Insektizide und Herbizide helfen ihnen eher. Florfliegen lassen sich mit speziellen Quartieren unterstützen. Ohrwurmunterschlüpfe sollten getrennt von anderen Nisthilfen dort stehen, wo Blattläuse bekämpft werden sollen. Und das typische Negativbeispiel eines „Insektenhotels“ ist im Grunde meist nur eine undurchdachte Nisthilfe für Wildbienen: Hummeln und Hornissen sind staatenbildende Insekten und benötigen jeweils passende, spezielle Nistangebote.

Material, Standort, Wetter

Die meisten hohlraumnistenden Hautflügler bohren ihre Nistgänge nicht selbst. Sie nutzen vorhandene Strukturen, etwa Käferfraßgänge. In aufgeräumten Landschaften fehlen solche natürlichen Nistplätze zunehmend; zusätzliche Nisthilfen können diese Lücke teilweise ausgleichen. Ein artgerechtes Insektenhotel ist deshalb keine gemeinsame „Insekten-WG“, sondern hauptsächlich eine Nisthilfe für Wildbienen und andere Nützlinge. Unterschiedliche Arten bevorzugen unterschiedliche Lochdurchmesser – auch kleine Anlagen können nützlich sein.

Geeignet sind Pappröhren aus Hartpapier, die robust und umweltverträglich in verschiedenen Längen und Durchmessern erhältlich sind. Zellstoff und Kleber sollten unbedenkliche Inhaltsstoffe haben. Schilfhalme sind natürlich und atmungsaktiv, müssen aber sauber gesägt sein und dürfen nicht splittern oder stark ausfransen. Bienenbrettchen aus MDF sind atmungsaktiv und erweiterbar. Bei Nistholz kommen Harthölzer wie Buche, Esche oder Eiche infrage; gebohrt wird ausschließlich ins Längsholz, nicht ins Stirnholz. Lehm- oder Tonsteine sind langlebig und robust und bieten verschiedene Lochdurchmesser. Sie können eine Alternative zu Lochziegeln sein, sofern sie vor Regen geschützt werden.

Feuchtigkeit ist der große Spielverderber. Füllmaterial sollte grundsätzlich nicht nass werden, weil Schimmel die Brut zerstören kann. Hartholz muss vollständig vor Wind und Regen geschützt werden. Massivholz ist nur bedingt witterungsbeständig; empfohlen werden eine geschützte Anbringung und ein Wetterschutzanstrich, wobei Nisthilfen aus Massivholz zum Schutz der Brut absolut trocken hängen sollen. Siebdruckplatten eignen sich dagegen für die Anbringung im Freiland; Alterungserscheinungen beeinträchtigen ihre Funktion in der Regel nicht.

Gut passen überdachte Terrassen, Balkone, Carports sowie Haus- und Gartenhauswände mit Dachüberstand. An Bäumen gehört die Nisthilfe unterhalb der Astgrenze und unter einen Regenschutz. Die offene Seite sollte nach Osten bis Südosten zeigen, von der Wetterseite abgewandt. Fest montiert muss sie ebenfalls sein – eine Befestigung an einer Schnur ist ungeeignet, weil die Nisthilfe nicht schwingen darf. Der Anflug sollte frei von Blättern und anderen Hindernissen bleiben, für Beobachtungen hängt das Ganze besser nicht zu hoch. Insektenfreundliche Futterpflanzen müssen in ausreichender Nähe wachsen.

Wo viele Vögel unterwegs sind oder sich ein Vogelnest in der Nähe befindet, kann ein Schutzgitter nötig werden. Die Maschenweite sollte etwa zwei Zentimeter betragen. Engere Maschen behindern größere Insekten, größere lassen kleineren Vögeln den Zugriff. Zwischen Gitter und Brutröhren sollten mindestens drei, besser fünf Zentimeter Abstand liegen.

Im Winter bleiben Wildbienen-Nisthilfen draußen. Beim Hereinholen könnten die Bienen vorzeitig schlüpfen und zugrunde gehen; Mauerbienen und andere heimische Arten sind in ihren Kokons vor Frost geschützt. Eine Reinigung ist nicht erforderlich, weil Wildbienen die Nistgänge bei einer Neubesiedlung selbst ausräumen.

Schilf verlangt beim Bearbeiten ein bisschen Geduld: Es kann brechen, reißen, ausfasern oder splittern. Stark ausgefranste Eingänge meiden Wildbienen, solche Röhren sind als Nisthilfe ungeeignet. Weiche Fasern an einzelnen Schnittkanten verhindern die Besiedlung dagegen nicht und sind keine Verletzungsgefahr. Durch Mark blockierte Halme lassen sich mit einem Holzstäbchen oder Bohrer öffnen. Dünnes, den Halm auskleidendes Mark ist jedoch keine Blockade – die Wildbienen entfernen es bei Bedarf selbst.

Forschung aus Würzburg und der Rhön</h