Friedrich-Schiller-Universität Jena wird erste Exzellenzuniversität Thüringens
Die Friedrich-Schiller-Universität Jena wird ab 2027 die erste Exzellenzuniversität Thüringens. Die Entscheidung fiel heute, am 2. Oktober 2026, in Bonn – bekanntgegeben von Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) und Falko Mohrs (SPD), dem stellvertretenden Vorsitzenden der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz. Jena wurde als erste der ausgewählten Einrichtungen genannt.
In den Rosensälen verfolgten Universitätspräsident Andreas Marx, Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) und Universitätsangehörige die Verkündung gemeinsam. Dann Jubel. Für den Wissenschaftsstandort Thüringen sei die Entscheidung ein Erfolg, sagte Wissenschaftsminister Christian Tischner (CDU). Gemeinsam mit vier weiteren deutschen Hochschulen beziehungsweise Hochschulverbünden erhält die FSU den Exzellenztitel.
Mehr Geld für Forschung und Kooperation
Für Einzeluniversitäten sind bis zu 15 Millionen Euro jährlich vorgesehen, für Verbünde bis zu 28 Millionen Euro. Die neue Förderperiode läuft von 2027 bis 2033; anschließend wird erneut ausgewählt. Jena will die zusätzlichen Mittel einsetzen, um die Spitzenforschung weiter zu stärken, herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu fördern und mehr Freiräume für inter- und transdisziplinäre Forschung zu schaffen.
Auch Forschung und Lehre sollen enger zusammenrücken. Außerdem will die Universität den Austausch mit Wirtschaft und Gesellschaft ausbauen. Das klingt nach großen Linien, betrifft aber am Ende den Alltag an der Hochschule: Forschungsgruppen, Nachwuchsförderung, gemeinsame Projekte und die Frage, wie Wissen aus den Instituten schneller dorthin gelangt, wo es gebraucht wird.
Das Gesamtbudget der Exzellenzförderung steigt von jährlich 533 Millionen Euro bis 2025 auf 687 Millionen Euro ab 2026. Ab dem 1. Januar 2027 stellen Bund und Länder für die beiden Förderlinien allerdings jährlich 747 Millionen Euro bereit: 539 Millionen Euro für Exzellenzcluster sowie 208 Millionen Euro für Exzellenzuniversitäten und -verbünde. Finanziert wird im Verhältnis 75 Prozent durch den Bund und 25 Prozent durch das jeweilige Sitzland.
Am heutigen 2. Oktober 2026 beschloss die Exzellenzkommission die Förderung von fünf weiteren Exzellenzstandorten. Neu hinzu kommen der Verbund Ruhr Innovation Lab mit der Ruhr-Universität Bochum und der Technischen Universität Dortmund, der Verbund Rhein-Main-Universitäten mit der Technischen Universität Darmstadt, der Goethe-Universität Frankfurt am Main und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie die Universität Freiburg, die Friedrich-Schiller-Universität Jena und die Universität zu Köln.
Was hinter dem Exzellenztitel steckt
Die Exzellenzstrategie ist das wichtigste Bund-Länder-Programm zur Förderung universitärer Spitzenforschung. Bund und Länder beschlossen 2016, die frühere Exzellenzinitiative dauerhaft weiterzuentwickeln; sie selbst baute auf der Exzellenzinitiative von 2007 bis 2017 auf. Gefördert werden wissenschaftliche Spitzenleistungen, schärfere Profile, Kooperationen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Wissenschaftsstandorts. Außerdem soll die Strategie langfristige Investitionen in Hochschulen ermöglichen.
Das Programm hat zwei Förderlinien. Exzellenzcluster unterstützen international wettbewerbsfähige Forschungsfelder an deutschen Universitäten und Universitätsverbünden. Dabei können mehrere Wissenschaftsbereiche zusammenarbeiten. Im Mittelpunkt stehen die gemeinsame Forschung herausragender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Ausbildung wissenschaftlicher Nachwuchskräfte und die Rekrutierung internationaler Spitzenkräfte. Universitäten mit Exzellenzclustern können zusätzlich eine Universitätspauschale als Strategiezuschlag beantragen.
Die Clusterförderung läuft sieben Jahre, eine zweite siebenjährige Förderperiode ist möglich; ausgeschrieben wird die Förderlinie ebenfalls im Siebenjahresrhythmus. Seit Januar 2026 werden 40 Exzellenzcluster an 43 deutschen Universitäten gefördert. Am 22. Mai 2025 hatte die Exzellenzkommission die Förderung von 70 Exzellenzclustern ab 2026 beschlossen.
Die zweite Förderlinie stärkt Universitäten oder Universitätsverbünde als Institutionen und ihre internationale Spitzenstellung in der Forschung. Einzelne Universitäten müssen dafür an mindestens zwei Exzellenzclustern beteiligt sein, Universitätsverbünde an mindestens drei. Exzellenzuniversitäten werden dauerhaft gefördert, müssen aber alle sieben Jahre in einer Evaluation nachweisen, dass sie die Fördervoraussetzungen weiterhin erfüllen.
Wer entscheidet – und wer schon dabei ist
Zuständig für die Förderlinie Exzellenzcluster ist die Deutsche Forschungsgemeinschaft, für Exzellenzuniversitäten der Wissenschaftsrat. Das Verfahren umfasst die Evaluation der bisher geförderten Exzellenzuniversitäten und des Exzellenzverbundes sowie ein Neuausschreibungsverfahren für antragstellende Universitäten und Verbünde. In der aktuellen Auswahlrunde gab es elf Neuanträge: sieben von Einzeluniversitäten und vier von Universitätsverbünden.
Das von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz eingesetzte Committee of Experts gestaltet das Förderprogramm. Ihm gehören 39 wissenschaftlich ausgewiesene Personen an, mit Erfahrungen unter anderem in Forschung, Ausland, Hochschulmanagement, Lehre oder Wirtschaft. Über die Anträge entscheidet die Exzellenzkommission. Sie besteht aus diesem Expertengremium sowie den zuständigen Bundes- und Landesministerinnen und -ministern. Die Wissenschaft verfügt dabei über die Stimmenmehrheit.
Maßgeblich ist die wissenschaftliche Qualität. International anerkannte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bewerten Anträge und Selbstberichte. Die Strategie steht allen Disziplinen offen, ebenso inter- und transdisziplinären Clustern. Das Expertengremium bringt dafür entsprechende Fachkenntnisse mit; bei interdisziplinären Anträgen werden die besonderen Anforderungen berücksichtigt. In beiden Förderlinien wird ausschließlich nach wissenschaftlichen Kriterien gefördert. Grundlage der Exzellenzstrategie ist eine Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern.
Bereits gefördert werden die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, die Technische Universität Dresden, die Universität Hamburg, die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, das Karlsruher Institut für Technologie, die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Technische Universität München und die Eberhard Karls Universität Tübingen. Dazu kommt die Berlin University Alliance aus Freier Universität, Humboldt-Universität und Technischer Universität Berlin. Seit 2019 wurden zehn Universitäten und ein Universitätsverbund als Exzellenzstandorte gefördert.
Ein enger Zeitplan bis zum Start 2027
Die bestehenden Einrichtungen reichten ihre Selbstberichte im August 2025 ein, damit begann die Evaluation. Mitte November 2025 endete die Frist für Neuanträge. Ortsbesuche bei den bereits geförderten Einrichtungen fanden von Oktober bis Dezember 2025 statt. Im März 2026 bewertete das Expertengremium die Evaluationsergebnisse; im Frühjahr 2026 wurden zehn bestehende Exzellenzuniversitäten positiv evaluiert. Diese Untersuchung stellte eine gestiegene internationale Sichtbarkeit in der Spitzenforschung fest, Fortschritte bei angewandter Forschung und Wissenstransfer sowie Weiterentwicklungen bei Personal, Lehre, Gleichstellung und Vielfalt. Auch Impulse und Vorbildwirkung für andere Hochschulen wurden festgestellt.
Bei den Neuanträgen folgten die Ortsbesuche von April bis Juni 2026. Nun, am 2. Oktober, fiel die Förderentscheidung; im Januar 2027 beginnt die Förderung der neuen Exzellenzuniversitäten und -verbünde. Bereits geförderte Universitäten werden ebenfalls alle sieben Jahre überprüft. Das Expertengremium soll der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz erstmals im Sommer 2027 einen Bericht über die Erfahrungen mit beiden Förderlinien vorlegen. Danach diskutieren Bund und Länder die Ergebnisse gemeinsam.
In Aachen, dem Ort dieses Berichts, reiht sich Jena damit in eine Förderlandschaft ein, die Forschung nicht nur über einzelne Projekte, sondern über ganze Hochschulen und Verbünde denkt. International wettbewerbsfähige Forschungsbereiche sollen entstehen, Universitäten institutionell stärker werden und Kooperationen über Fächer- und Standortgrenzen hinweg leichter gelingen. In Jena dürfte man heute trotzdem erst einmal gefeiert haben.
