Auf einem Feld in Stolpe bei Hohen Neuendorf wächst Gemüse für Menschen aus der Umgebung – und für eine Idee, die über den eigenen Teller hinausgeht. Ein Verein baut dort Bio-Gemüse an und organisiert die Ernte nach dem Prinzip der solidarischen Landwirtschaft. Martin Kaupenjohann und Natalie Kreisz engagieren sich auf den Feldern für dieses Projekt.

Mitglieder bekommen Zugang zu regionalem Bio-Gemüse und tragen zugleich dazu bei, dass Landwirtschaft gemeinschaftlich funktioniert. Was genau in den Kisten landet, wie die Ausgabe läuft und wie Schulen von dem Projekt profitieren, zeigt ein Blick auf die FrohLaWi.

Eine Kiste pro Woche, direkt vom Feld

Das von den Gärtnerinnen und Gärtnern geerntete Gemüse wird gleichmäßig auf die Mitglieder verteilt. Jede Person erhält pro Woche eine Gemüsekiste beziehungsweise einen Ernteanteil. Je nach Saison kommen Obst und verschiedene Kräuter dazu – mal üppig, mal eher nach dem, was das Feld gerade hergibt.

Abgeholt wird die Kiste einmal wöchentlich direkt am Feld. Die Vereinsmitglieder tragen gemeinsam die anfallenden Kosten, darunter Ausgaben für Geräte, Personal und Saatgut. Daraus ergibt sich aktuell ein monatlicher Solidarbeitrag von 100 Euro pro Mitglied. Wer sich für eine Mitgliedschaft interessiert, kann sein Interesse per E-Mail mitteilen.

Auch Schulen profitieren von dem Projekt. Solche Felder können Orte sein, an denen Kinder Landwirtschaft nicht nur aus Büchern kennen: Sie sehen, wo Gemüse wächst, und können – je nach Angebot – bei Arbeiten oder Ernten mitmachen. Kartoffeln aus der Erde zu holen ist eben etwas anderes, als eine Tüte im Supermarktregal zu greifen.

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Was Solidarische Landwirtschaft bedeutet

Solidarische Landwirtschaft, kurz Solawi, verbindet Bürgerinnen und Bürger mit landwirtschaftlichen Betrieben. Die Mitglieder finanzieren die Landwirtschaft mit regelmäßigen Beiträgen und erhalten im Gegenzug Lebensmittel. Üblicherweise wird ein gesamtes Wirtschaftsjahr finanziert, damit die Betriebe verlässlich planen können.

Die Beiträge ermöglichen nachhaltige Arbeitsweisen und eine faire Bezahlung der Gärtnerinnen und Gärtner. Gleichzeitig gleichen Solawis teilweise aus, dass arbeitsintensive Aufgaben wie Bodenpflege und vielfältiger Anbau wirtschaftlich nur wenig honoriert werden. Häufig legen die Beteiligten gemeinsame Ziele und Grundprinzipien fest – etwa Bodenaufbau und Artenvielfalt stärker zu gewichten als maximale Erträge.

Viele Solawi-Höfe sind Lern- und Erfahrungsorte für naturverträgliche Landwirtschaft. Bei Arbeitsspitzen, zum Beispiel während der Ernte oder beim Unkrautjäten, helfen Mitglieder teilweise selbst auf den Feldern mit. Auch Schulklassen können beteiligt werden, etwa bei der Kartoffel- oder Kürbisernte.

Finanziert werden über die Beiträge nicht nur Gemüse, sondern unter anderem auch Kompostwirtschaft, Erdmieten, Photovoltaikanlagen für Kühlräume, Kommunikation und Mitgliederverwaltung. Damit werden Solawis zu Erprobungs- und Erfahrungsräumen für kooperative Landwirtschaft. Laut Netzwerk Solidarische Landwirtschaft stieg die Zahl der Solawis in Deutschland von etwa 30 im Jahr 2013 auf gut 500 im Jahr 2025.

Viele Kulturen, gemeinsames Risiko

Welche Lebensmittel angeboten werden, hängt vom Standort, der Fruchtfolge und den Wünschen der Mitglieder ab. Viele Betriebe bauen unterschiedliche Gemüsefamilien an und wechseln die Flächen jedes Jahr. Das hält die Böden gesünder und begrenzt die Ausbreitung von Krankheiten.

Im Gemüsebau kommen über das Jahr häufig 30 bis 50 Kulturen zusammen. Darunter können auch alte Sorten wie Postelein, Stielmus und Schwarzwurzeln sein. Manche Solawis bieten zusätzlich Nudeln, Brot, Eier, Milch und Fleisch an. Die große Vielfalt macht die Betriebe weniger anfällig für einzelne Ernteausfälle und unterstützt eine klimaresiliente Landwirtschaft.

Die gesamte Ernte wird unter den Mitgliedern verteilt. Je nach Betrieb geschieht das über ein- bis zweimal wöchentlich belieferten Depots, über Abholgemeinschaften direkt am Hof, in individuell gepackten Gemüsekisten oder in großen Kisten, aus denen sich die Mitglieder ihren Anteil selbst zusammenstellen. Depots können auf Marktplätzen, in Bioläden, Garagen oder Hinterhöfen liegen. Für die Selbstzusammenstellung gibt es wöchentliche Listen mit den verfügbaren Mengen; Tauschkisten helfen, ungeliebte Produkte gegen andere Lebensmittel einzutauschen. Einige Solawis verteilen nach dem Bedarfsprinzip, also ohne festgelegte Mengen.

Solidarität kostet – und wird unterschiedlich organisiert

Viele Solawis beschäftigen sich mit fairen Löhnen und Arbeitsbedingungen. Einige nutzen dafür ein solidarisches Bieterverfahren: Jährlich werden zunächst die Gesamtkosten vorgestellt. Danach geben die Mitglieder anonym an, welchen Beitrag sie leisten können. Reicht die Summe nicht aus, folgt eine zweite Beitragsrunde. Die Monatsbeiträge können dadurch je nach Einkommen stark variieren.

Ein Betrieb mit mehr als 200 Haushalten kann jährliche Kosten von etwa 200.000 Euro haben. Andere Höfe verlangen feste, nach Einkommen oder Umfang gestaffelte Jahresbeiträge. Bei Ernteanteilen, die überwiegend Gemüse enthalten, liegen die durchschnittlichen Beiträge meist bei 60 bis 110 Euro monatlich. Eine Vollversorgung mit Gemüse, Brot, Milchprodukten und Fleisch kostet eher 200 Euro oder mehr pro Monat. Die FrohLaWi nennt aktuell 100 Euro pro Mitglied und Monat.

Eine Mitgliedschaft bringt regelmäßig größere Mengen frischen, saisonalen Gemüses ins Haus. Das klingt herrlich, bedeutet aber auch: Die Sachen wollen verarbeitet oder haltbar gemacht werden. Für Menschen, die gern saisonal und kreativ kochen, kann das gut passen. Wer wenig Zeit zum Kochen hat oder häufig im Restaurant isst, ist mit flexiblen Gemüse-Abokisten möglicherweise besser bedient.

Informationen, Vernetzungsmöglichkeiten und eine deutschlandweite Karte der Solawis gibt es auf ernte-teilen.org. Die Einordnung zur solidarischen Landwirtschaft stammt vom Netzwerk Solidarische Landwirtschaft e. V.; Stand: 11.02.2025.