Graue Haare können an der RWTH Aachen genauso plötzlich im Spiegel auftauchen wie in jeder anderen Stadt: ein silbriger Faden an der Schläfe, erst einer, dann drei. Meist entscheidet die genetische Veranlagung darüber, wann das passiert. Lebensstil und Ernährung können den Zeitpunkt möglicherweise beeinflussen, legen ihn aber nicht exakt fest.

Beim Ergrauen baut der Haarfollikel während des Wachstums weniger oder gar kein Melanin mehr in den Haarschaft ein. Beteiligt sind Melanozyten und ihre Stammzellen, das Enzym Tyrosinase, die Melaninsynthese und der Pigmenttransport. Auch das örtliche Gleichgewicht zwischen oxidativen und antioxidativen Prozessen spielt eine Rolle. „Graue“ Haare sind dabei oft eine Mischung aus pigmentierten, pigmentarmen und weißen Haaren. Ein einfacher Tyrosinmangel erklärt das Phänomen nicht.

Was Ernährung mit der Haargesundheit zu tun hat

Eine unausgewogene Ernährung, Rauchen, chronischer Stress und Nährstoffmängel können vorzeitiges Ergrauen oder eine nachlassende Haargesundheit begünstigen. Kein einzelnes Lebensmittel färbt Haare unmittelbar grau. Eher problematisch sind Gewohnheiten, bei denen bestimmte Lebensmittel dauerhaft und in großen Mengen auf dem Teller landen.

Süßigkeiten, Softdrinks, Gebäck und stark verarbeitete Snacks liefern oft viele Kalorien, aber wenige Nährstoffe. Eine dauerhaft zuckerreiche Ernährung kann oxidativen Stress und Entzündungsprozesse fördern, die allgemein mit beschleunigten Alterungsprozessen in Verbindung stehen. Zugesetzter Zucker versteckt sich in Zutatenlisten etwa hinter Begriffen wie Dextrose oder Saccharose. Praktisch heißt das: weniger davon im Alltag, dafür öfter vollwertige Lebensmittel.

Ähnlich sieht es bei Fertiggerichten, Fast Food, Chips und verpackten Snacks aus. Sie enthalten häufig viel Salz, Zucker, Geschmacksverstärker und ungünstige Fette, aber nur wenige Mikronährstoffe. Kritisch wird es vor allem dann, wenn sie regelmäßig frische, nährstoffreiche Mahlzeiten ersetzen. Entscheidend ist das gesamte Ernährungsmuster: viel Hochverarbeitetes, wenig Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse und hochwertige Eiweißquellen. Frisch zu kochen klingt nach Aufwand, ist aber für die Nährstoffversorgung meist die bessere Wette.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Crash-Diäten und schlecht geplante, stark eingeschränkte Ernährungsformen können zu einer Unterversorgung mit Eiweiß, Eisen, Vitamin B12, Kupfer und Zink führen. Diese Stoffe sind für gesundes Haarwachstum und normale Zellfunktionen wichtig. Eine ausgewogene vegetarische oder vegane Ernährung gilt ausdrücklich nicht als radikale Ernährungsform. Langfristig einseitige Ernährung kann die Haargesundheit dennoch beeinträchtigen.

Auch größere Mengen Alkohol können den oxidativen Stress im Körper erhöhen. Übersichtsarbeiten, unter anderem aus der Dermatologie-Abteilung der Universität Zürich, nennen oxidativen Stress als möglichen Risikofaktor für vorzeitiges Ergrauen. Alkohol ist deshalb nicht automatisch die direkte Ursache grauer Haare. Zusammen mit einem insgesamt ungesunden Lebensstil kann er aber zur vorzeitigen Haaralterung beitragen.

Welche Nährstoffe wichtig sind

Für gesundes Haarwachstum werden unter anderem Eiweiß, Eisen, Zink, Kupfer, Vitamin D, Vitamin B12 und Folsäure benötigt. Eiweiß steckt beispielsweise in Hülsenfrüchten, Eiern, Milchprodukten, Tofu, Fisch und magerem Fleisch. Eisen liefern Linsen, Bohnen, Haferflocken und grünes Blattgemüse. Nüsse, Kerne und Vollkornprodukte tragen zur Versorgung mit Zink und Selen bei. Vitamin B12 und Vitamin D sollten über geeignete Lebensmittel aufgenommen werden; bei einem nachgewiesenen Mangel kommen ärztlich abgeklärte Ergänzungen infrage. Beeren, Gemüse, Kräuter und Nüsse liefern Antioxidantien.

Ein länger andauernder Nährstoffmangel kann die Haarstruktur beeinträchtigen und mit Haarausfall oder vorzeitiger Haaralterung zusammenhängen. Ein niedriger Nährstoffwert beweist allerdings nicht, dass er allein das Ergrauen verursacht. Die tatsächliche Versorgung hängt nicht nur von der Zufuhr ab, sondern auch von Verdauung, Aufnahme und Transport. Kupfer ist biologisch relevant, weil Tyrosinase ein kupferabhängiges Enzym ist. Hochdosiertes Kupfer oder andere Mikronährstoffe sollten trotzdem nicht ohne festgestellten Mangel eingenommen werden. Eine zusätzliche Einnahme bei normaler Versorgung ist als Methode zur Repigmentierung nicht belegt.

Rauchen ist vergleichsweise konsistent mit vorzeitigem Ergrauen assoziiert. Ein Rauchstopp ist gesundheitlich sinnvoll, färbt bereits graue Haare aber nicht garantiert wieder dunkel. Stress kann die Pigmentierung möglicherweise beeinflussen. In einer Mausstudie aktivierte akuter Stress sympathische Nerven im Umfeld der Melanozyten-Stammzellen; Noradrenalin führte dort zu einer Überaktivierung und anschließenden Erschöpfung der Stammzellreserve. Der Mechanismus betrifft vor allem den sympathischen, noradrenergen Weg und nicht einfach „zu viel Cortisol“.

Beim Menschen beobachtete eine kleine Studie zeitliche Zusammenhänge zwischen psychischer Belastung und Veränderungen einzelner Haare. Bei wenigen Haaren kehrte Pigment zurück, als die Belastung abnahm. Das belegt nicht, dass Entspannungstraining graue Haare zuverlässig zurückfärbt. Wer ungewöhnlich früh oder sehr schnell ergraut, sollte mögliche Nährstoffmängel messen lassen, statt aus der Haarfarbe auf einen Kupfer-, Eisen- oder Vitaminmangel zu schließen. Einzelne graue Haare benötigen normalerweise keine medizinische Ursachenfahndung; bei zusätzlichen Beschwerden kann ärztlicher Rat sinnvoll sein.

Warum die Haarfarbe manchmal zurückkommt

Melanozyten-Stammzellen liefern während neuer Haarzyklen die Grundlage für die Pigmentbildung. Studien bringen eine gestörte Selbsterhaltung dieser Stammzellen mit dem Ergrauen in Verbindung. Mit zunehmendem Alter können sie ihre Funktion verlieren oder in Bereichen des Follikels verbleiben, aus denen sie nicht mehr ausreichend reife Melanozyten bilden. Ein Teil dieser Erkenntnisse stammt aus Mausmodellen und ist nicht direkt als Therapie auf den Menschen übertragbar.

In grauen und weißen Haaren wurden erhöhte Mengen an Wasserstoffperoxid sowie eine geringere Aktivität von Katalase und Reparaturenzymen festgestellt. Dieses oxidative Milieu kann die Tyrosinase und andere Bestandteile der Pigmenteinheit beeinträchtigen. Daraus folgt aber nicht, dass oral eingenommene Katalase, Antioxidantien oder sogenannte „Anti-Grau“-Präparate graue Haare zuverlässig zurückfärben.

Eine Studie von 2021 untersuchte 397 einzelne Haare von 14 gesunden Personen. Einige Haare waren zunächst ergraut und später am selben Haarschaft wieder pigmentiert. Die Repigmentierung war selten und trat vor allem bei jüngeren bis mittelalten Personen auf. Sie zeigt eine biologische Möglichkeit, ist aber keine verlässliche Behandlung.

Auch die Zahlen zum Alter sind weniger hübsch ordentlich, als manche Faustregel behauptet. In einer Untersuchung mit 4.192 Personen zwischen 45 und 65 Jahren hatten 74 Prozent zumindest einige graue Haare; der durchschnittliche Anteil lag bei 27 Prozent. Unterschiede bestanden je nach Herkunft und natürlicher Haarfarbe. Die Regel, mit 50 Jahren sei die Hälfte der Menschen zur Hälfte ergraut, wurde nicht bestätigt.

Eine genomweite Untersuchung mit mehr als 6.000 Menschen fand unter anderem einen Zusammenhang zwischen Ergrauen und Varianten des Gens IRF4. IRF4 steht mit einem Regulationsnetzwerk und der Tyrosinase-Expression in Verbindung. Die genetische Veranlagung bestimmt also einen großen Teil des zeitlichen Rahmens, schreibt den Termin aber nicht auf den Kalender.

Forschung zwischen Hoffnung und Haarfärbung

Derzeit gibt es keine Therapie, die frühzeitiges Ergrauen verhindert oder rückgängig macht. US-Forscher verweisen allerdings auf Fälle, in denen Medikamente zur Behandlung anderer Erkrankungen teilweise eine Rückkehr der Haarfarbe bewirkten. Berichte über Repigmentierung liegen unter anderem für monoklonale Antikörper, Tyrosinkinase-Inhibitoren, immunmodulatorische Medikamente und Cyclosporin A vor. Ein Review fand 27 entsprechende Publikationen. Die Evidenz war überwiegend niedrig; zugelassene Medikamente gegen graue Haare sind daraus nicht entstanden.

Die Fälle zeigen lediglich, dass bestimmte Signalwege des Haarfollikels unter bestimmten Bedingungen wieder Pigmentbildung fördern können. Auch Palmitoyl-Tetrapeptid-20, das den α-MSH/MC1R-Signalweg beeinflusst, wird untersucht. Eine Studie kombinierte Zellversuche, Untersuchungen menschlicher Haarfollikel außerhalb des Körpers und eine kleine Anwendung bei 15 Männern; betrachtet wurden Veränderungen molekularer Marker. Ein