KI bewahrt Erfahrungswissen und schützt Beschäftigte im Rheinischen Revier
Am 10.10.2026 ist der Wandel im Rheinischen Revier längst mehr als eine politische Ankündigung: Die Braunkohleförderung endet absehbar, Unternehmen müssen sich neu aufstellen. In Aachen wird dabei an Lösungen gearbeitet, die ziemlich nah am Arbeitsalltag liegen – und manchmal auch an dessen staubigen, unangenehmen Seiten.
Das Kompetenznetzwerk „WIRKsam“ entwickelt gemeinsam mit Unternehmen und Beschäftigten praxistaugliche Anwendungen für Künstliche Intelligenz in Arbeits- und Produktionsprozessen. Die Idee klingt nüchtern, betrifft aber eine sehr konkrete Frage: Was passiert mit dem Wissen, das bisher oft im Kopf einzelner Mitarbeiter steckt, wenn diese den Betrieb verlassen?
Wenn Erfahrung nicht mit in Rente geht
Das Familienunternehmen Essedea arbeitet seit fünf Jahren an einer eigenen KI. Der Betrieb besteht seit mehr als 100 Jahren und beschäftigt heute 60 Mitarbeiter. Gemeinsam mit einem Forschungsinstitut wurde ein Chatbot entwickelt, der das Wissen der Beschäftigten speichert und für künftige Generationen zugänglich macht.
Mitarbeiter geben Erfahrungswissen und neue Lösungsansätze in das System ein. Die KI kann darauf zurückgreifen und Ideen weiterentwickeln. Zugriff haben ausschließlich Essedea-Mitarbeiter. Neue Mitarbeiter und Quereinsteiger sollen dadurch schneller eingearbeitet werden – gerade beim personen- und maschinenbezogenen Know-how, das über Jahrzehnte entstanden ist.
Für Essedea ist dieser Einsatz auch eine Antwort auf den starken Wettbewerb in der Textilbranche und die vergleichsweise hohen Kosten am Standort Deutschland. KI soll helfen, effizient und ressourcenschonend zu arbeiten. Die Beschäftigten ersetzen soll sie nicht. Vielmehr soll sie ihr Wissen sichern und ihre Arbeit unterstützen.
Ganz ohne Bauchweh wird die Sache trotzdem nicht gesehen. Viele Mitarbeiter stehen dem zunehmenden KI-Einsatz skeptisch gegenüber und befürchten, eines Tages ersetzt zu werden. Markus Harlacher vom Kompetenznetzwerk „WIRKsam“ sagt deshalb, Unternehmen müssten ihre Beschäftigten vom Nutzen der Technologie überzeugen. Seiner Einschätzung nach können beide Seiten profitieren; künftig werde kein Unternehmen auf Künstliche Intelligenz verzichten können.
Roboter zwischen Carbonstaub und Nachtschicht
Am Ort RWTH Aachen wird ein Schleifroboter für Carbon getestet. Das Schleifen von Kohlefaserstoffen belastet die Gesundheit der Beschäftigten. Der Roboter kann diese Arbeit übernehmen und Mitarbeiter schützen. Er arbeitet rund um die Uhr, braucht keine Beleuchtung und soll zugleich die Arbeitsqualität verbessern. Für Menschen ist das eine eher ungemütliche Schicht – für eine Maschine offenbar kein großes Drama.
31 Ideen für die digitale Zukunft
Unterstützung kommt auch aus einem neuen Förderangebot: Das AI Village in Hürth, das NRW-Wirtschaftsministerium und die Zukunftsagentur Rheinisches Revier haben „Digitale Zukunft: KI“ gestartet. Ziel ist, die Einführung Künstlicher Intelligenz in Unternehmen des Rheinischen Reviers zu unterstützen.
In Gesprächen mit Unternehmen und Forschungspartnern entstanden 31 konkrete KI-Projektideen. Je nach weiterer Umsetzung könnten dadurch Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe in der Region ausgelöst werden. Die Vorhaben sollen die regionale Wirtschaft zukunftssicher machen und Arbeitsplätze stabilisieren. Eigenanteile der beteiligten Unternehmen sollen zusätzlich privates Kapital mobilisieren.
Geplant sind unter anderem Anwendungen, die historisches Ingenieur- und Erfahrungswissen aus der Konstruktion mithilfe großer Sprachmodelle erfassen und für neue Entwicklungsprozesse nutzbar machen. Andere Projekte führen heterogene Produktionsdaten mittels KI zusammen, um Abläufe zu automatisieren, Ressourcen effizienter einzusetzen und die Produktivität zu erhöhen. Ein weiteres KI-Assistenzsystem soll bei standardisierten und rechtskonformen Arbeitsschutzbeurteilungen helfen und automatisierte Handlungsempfehlungen erstellen.
Die Förderinitiative soll außerdem die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft im Strukturwandel stärken. Das AI Village ist ein Innovationscampus für KI und Robotik in NRW und ein Ankerprojekt des Strukturwandels im Rheinischen Revier. Es unterstützt Unternehmen bei der Einführung von KI-Anwendungen, bietet Fort- und Weiterbildungen für vom Strukturwandel betroffenes Personal und betreibt eine Demonstrationsfläche für KI-Technologien. Weitere Informationen gibt es unter www.aivillage.de.
Eine weitere Einordnung liefert die angegebene Studie von Mittelstand-Digital allerdings nicht: Der bereitgestellte Text enthält ausschließlich PDF-Binärdaten und keine lesbaren Nachrichteninhalte. Vieles bleibt damit vorerst im Betrieb, im Chatbot, im Versuchslabor – und bei den Menschen, die entscheiden müssen, ob sie der Maschine ihre Arbeit anvertrauen.
