Kunst verbindet: Grundschüler entdecken Oscar Murillos kreative Welt
Am 24. Juli 2026 luden Kunststudierende der Universität Potsdam eine fünfte Klasse der Evangelischen Grundschule Potsdam in das Kunsthaus MINSK ein. Dies geschah im Rahmen des Seminars „Learning from Oscar Murillo“, das von Prof. Dr. Melanie Franke geleitet wurde. Die Studierenden hatten zum Ziel, ein Vermittlungskonzept zu erproben, das die Ausstellung des kolumbianischen Künstlers Oscar Murillo einschloss. Sie erklärten den Titel der Ausstellung „Kollektive Osmose“ kindgerecht, wobei sie das Konzept des gemeinsamen Tuns (Kollektiv) und den Prozess der Osmose, bei dem Flüssigkeit durch eine Trennwand gelangt, betonten.
Die Kinder setzten sich vor die großformatigen Bilder Murillos und schauten neugierig auf die Gemälde. Besonders auffällig war, dass Murillo Kunst im Museum mit der Umgebung und den Menschen in der Stadt verbinden möchte. Um dies zu erreichen, animierten die Studierenden die Kinder, das Gesehene pantomimisch umzusetzen, was zu lebhaften Bewegungen und einer dynamischen Atmosphäre führte.
Interaktive Kunstvermittlung
Die Schülerinnen und Schüler suchten in Murillos Malerei nach Linien, Farbflächen und Formen, um diese mit eigenen Bewegungen zu erweitern. Zudem lernten sie die Bedeutung der Titel von Kunstwerken kennen, wie beispielsweise „tamales (Drawings off the Wall)“ aus dem Jahr 2012, benannt nach einem mesoamerikanischen Gericht. Das Kunstwerk „flight#74“ aus dem Jahr 2019 zeigte gefaltetes Japanpapier, basierend auf den Flugreisen des Künstlers. Murillos Langzeitprojekt „Frequencies“ verteilt seit 2013 Leinwände an Schulen weltweit. Diese werden von Kindern gestaltet und die entstandenen Werke fungieren als Gesten einer kollektiven Vorstellungskraft, die als Archiv aufbewahrt werden.
Im Kunsthaus MINSK nahmen die Kinder auch am „Kollektiven Malen“ auf der Terrasse teil. Inspiriert von den zuvor gesehenen Kunstwerken malten sie auf eine Leinwand. Die Idee hinter diesem Prozess war es, dass ihr Gemaltes von weiteren Ausstellungsbesuchern übermalt werden könnte, was Teil der Philosophie der „Kollektiven Osmose“ ist.
Gemeinschaftlichkeit in der Kunst
Das Vorhaben in Potsdam steht im Einklang mit einem zunehmenden Interesse an Gemeinschaftlichkeit in den Künsten und in der digitalen Medienkultur. In diesem Kontext wird die Kreativität und Autor*innenschaft sowie die Auseinandersetzung mit kollektiven Praktiken in der kulturellen Bildung, Kunstvermittlung und Kunstpädagogik thematisiert. Fragen zu kollaborativen Praktiken und den Herausforderungen für künstlerische Kollektive sind heute von Bedeutung. Auch die Rolle des künstlerischen Handelns als Forschungsmethode für durch Kunst ausgelöste Veränderungen wird immer mehr untersucht.
Einige der grundlegenden Prinzipien in diesem Bereich sind Partizipation und Teilhabe, die für erfolgreiche Kollaborationen und Kollektive unerlässlich sind. Die Bedeutung von Kollektiven und deren Einfluss auf machtkritische sowie emanzipatorische Kunstvermittlung wird ebenfalls intensiv diskutiert. In dieser Diskussion werden auch die Auswirkungen digitaler Medientechnologien und materieller Gefüge auf die Gemeinschaftlichkeit berücksichtigt.
Die Publikation „Gemeinschaftlichkeit. Perspektiven künstlerischer und kunstpädagogischer Kollektive und Kollaborationen“, herausgegeben von Kerstin Hallmann und Nikola Dicke, beschäftigt sich mit diesen Themen und bietet einen tiefen Einblick in die aktuelle Praxis der Kunstvermittlung. Veröffentlicht in der Schriftenreihe Kunst Medien Bildung, Band 17, beim kopaed-Verlag in München, werden verschiedene Kontextualisierungen künstlerischer und kuratorischer Praktiken in der schulischen Kunstbildung und der partizipatorisch-künstlerischen Forschung beleuchtet.
Die Kunststudierenden der Universität Potsdam setzen mit ihrem Projekt nicht nur kreative Impulse für die Grundschulkinder, sondern tragen auch dazu bei, die Diskussion über Gemeinschaftsprojekte in der Kunst weiter voranzutreiben. Dies steht im Einklang mit den sozialen und participativen Zielen, die in vielen aktuellen kulturpädagogischen Diskursen eine zentrale Rolle spielen.
