Mehr Trierer Winzer am Hauptmarkt: Streit um die künftige Vergabe der Weinstand-Termine
Am Trierer Hauptmarkt könnte sich der Weinausschank ab 2027 deutlich verschieben. Die 16 Trierer Winzerbetriebe wollen häufiger am Weinstand ausschenken – in einer Saison, die von März bis Ende Oktober läuft und wirtschaftlich attraktiv ist. Organisiert wird der Stand von der Trier Tourismus und Marketing GmbH (TTM).
Geplant ist, die 67 Termine künftig ungefähr zu teilen: 34 sollen an Trierer Winzer gehen, bislang sind es 17. Winzer aus dem Landkreis und den Verbandsgemeinden bekämen 33 Termine. Weil die Zahl der Trierer Betriebe voraussichtlich auf 17 steigt, käme jeder von ihnen auf zwei Einsätze. Beschlossen ist das allerdings noch nicht; die Entscheidung soll voraussichtlich im November fallen.
Mehr Platz für Trier – oder weniger für den Landkreis?
Der TTM-Aufsichtsrat unterstütze eine stärkere Berücksichtigung der Trierer Winzer parteiübergreifend, sagt Kulturdezernent Markus Nöhl. Die Betriebe prägten mit ihren Weinbergen, Weingütern und Weinen das Profil Triers als Weinstadt. Zugleich, betont Nöhl, sollten die Beteiligung der Landkreis-Winzer und die regionale Vielfalt erhalten bleiben. Derzeit erhalten Winzer aus den Verbandsgemeinden etwa drei Viertel der Termine.
Landrat Stefan Metzdorf sieht die geplante Verdopplung der Trierer Termine trotzdem kritisch. Der Weinstand sei ein gemeinsames Aushängeschild der gesamten Weinregion. Eine einseitige Verschiebung zulasten des Landkreises widerspreche der bisherigen Zusammenarbeit und könne ein „Affront“ gegenüber dem Landkreis sein. Metzdorf hat sich deshalb an Oberbürgermeister Wolfram Leibe und Markus Nöhl gewandt und für einen gemeinsam getragenen Kompromiss geworben. Die TTM bereitet im Auftrag des Aufsichtsrats einen Entscheidungsvorschlag vor.
Die Debatte kommt nicht aus dem Nichts. Nach den Corona-Jahren 2020 und 2021 ist das Interesse der Winzer am Weinstand deutlich gestiegen. Von 2017 bis 2026 kletterte die Zahl der Termine für Trierer Winzer von 11 auf 17. In der Verbandsgemeinde Schweich sank sie im selben Zeitraum von 21 auf 17, in den Verbandsgemeinden Saarburg und Konz von 24 auf 21.
Eine Partnerschaft mit langer Vorgeschichte
Die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Landkreis reicht bis in die 1980er-Jahre zurück. Damals wurde die Wein- und Tourismusförderung Trier-Land GmbH gegründet. 1985 mietete sie einen Weinstand in Trier, vor allem um Familienbetriebe aus Stadt und Landkreis zu fördern. Die Vergabe der Termine richtete sich nach der Größe der bestockten Rebfläche.
1998 gingen die Aufgaben an die Tourist-Information Trier-Land und Stadt (TIT) über. Bis 2018 betrieb die TIT den Stand, seit 2019 ist die TTM zuständig. Der fest installierte Weinstand wurde 2011 von der Tourist-Info Trier angeschafft und finanziert; für das Nachfolgemodell gilt dasselbe. Ein Stück Infrastruktur also, nicht bloß ein paar Biertische mit Schirm.
Stefanie Koch von der Saar-Obermosel-Touristik verweist auf rund 100 Betriebe aus Konz und Saarburg-Kell, denen etwa 20 verfügbare Termine gegenüberstünden. Der Erfolg des Weinstands beruhe gerade auf der Beteiligung verschiedener Weingüter aus der gesamten Region. Zusätzliche Vermarktungsmöglichkeiten seien angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage wichtig, dürften aber nicht einseitig zulasten des Landkreises gehen.
Sven Thiesen von der Tourist-Info Römische Weinstraße bedauert eine mögliche Verdopplung der Trierer Termine mit Blick auf die mehr als 40-jährige Partnerschaft. Er appelliert an den TTM-Aufsichtsrat, die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Land zu berücksichtigen. Es geht also nicht nur um Kalenderplätze, sondern auch um die Frage, wer auf dem zentralen Platz der Stadt sichtbar sein darf.
Andere Stände, andere Möglichkeiten
Im Landkreis Trier-Saarburg gibt es eigene Weinstände. In Riol und Schweich schenken Winzer aus der Verbandsgemeinde Schweich aus. In Schweich steht vor der Kirche ein von der Stadt angeschaffter Ausschankwagen. Anfragen Trierer Winzer für eine Teilnahme in Riol oder Schweich liegen bislang nicht vor.
Thiesen würde eine Beteiligung in Schweich gemeinsam mit dem Stadtbürgermeister und der Winzerschaft prüfen und hält eine praktikable Lösung für möglich. Auch in Konz und Saarburg gibt es Weinstände, Anfragen Trierer Winzer liegen dort bisher ebenfalls nicht vor. Koch findet eine stärkere Zusammenarbeit und zusätzliche Präsentationsmöglichkeiten grundsätzlich sinnvoll; dafür seien Gespräche mit den Verantwortlichen nötig.
Wein als Teil des regionalen Profils
Der Streit um die Termine berührt damit eine größere Frage: Die Region Trier umfasst die Naturräume Eifel, Mosel und Hunsrück, und Wein, Kultur und Tourismus sind eng miteinander verbunden. Gäste kommen nicht nur wegen eines Glases Riesling, sondern auch wegen des größten Maargebiets der Erde, der weltweit größten Anbaufläche von Riesling-Reben, wegen Trier als ältester Stadt Deutschlands und wegen Freizeitangeboten mit geologischen, historischen und zeitgenössischen Schwerpunkten.
Die Region gilt als lebenswert und ist bei Gästen beliebt. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier setzt sich deshalb für eine stärkere Verknüpfung von Weinwirtschaft, Kultur und Tourismus ein. Gemeinsam mit weiteren Akteuren entwickelt sie regionale und grenzüberschreitende Initiativen und Kooperationsprojekte. Kulturträger, Tourismusakteure und Weinwirtschaft sollen besser zusammenarbeiten.
Im Interesse der Unternehmen im Hotel- und Gastgewerbe unterstützt die IHK einen Qualitätstourismus. Zugleich fungiert sie als Kompetenzzentrum für internationalen Weinhandel und Weinrecht und bringt marktorientierte Aspekte in die Weinbaupolitik auf Bundesebene ein. Gerade beim Weinexport verfügt sie über spezifische Kenntnisse, die weinvermarktende Unternehmen nutzen.
Für den Weinstand am Trierer Hauptmarkt heißt das erst einmal: Der November wird wichtig. Bis dahin bleibt offen, ob künftig mehr Trierer Winzer ausschenken – und wie viel Platz dann noch für die Betriebe aus Schweich, Konz, Saarburg und den übrigen Verbandsgemeinden bleibt. Am 23.10.2026 ist jedenfalls noch nichts endgültig entschieden.
