Auf dem Smart Campus der RWTH Aachen ist Private 5G nicht nur ein Schlagwort aus Präsentationsfolien. Hier gehört der Standort zu den europäischen Einsatzprojekten von NTT DATA. Der IT-Dienstleister wurde am 17. Juli 2025 im IDC MarketScape: European Enterprise Private 5G Solutions 2025 Vendor Assessment als „Major Player“ eingestuft. In einer weiteren Mitteilung nennt NTT DATA den 25. Juli 2025 als Datum der Einstufung.

Das Angebot reicht vom Netzwerkdesign und der Infrastrukturintegration über Gerätemanagement sowie Anwendungsintegration und -bereitstellung bis zu Managed Services. Gedacht sind die Lösungen für geschäfts- und unternehmenskritische Anwendungen in Produktion und Fertigung, Logistik, Häfen und Smart Cities. Das klingt trocken, betrifft aber Abläufe, bei denen ein stockendes Netz schnell mehr bedeutet als nur ein eingefrorenes Videobild.

Private 5G aus einer Hand

NTT DATA verbindet seine globale Präsenz mit lokaler Expertise in Europa. Dazu gehören Kenntnisse nationaler Vorschriften und Compliance-Anforderungen, Fragen der Frequenzlizenzierung beziehungsweise von Frequenzlizenzen sowie die grenzüberschreitende Datenverwaltung. Gerade bei privaten Netzen ist das ein ziemlich praktischer Teil der Arbeit, auch wenn er weniger spektakulär wirkt als die Funktechnik selbst.

Die weltweit verfügbare „Private 5G Network-as-a-Service“-Plattform ist als schlüsselfertige Lösung für komplexe Umgebungen konzipiert – etwa für Produktionsanlagen, Häfen und Schienen- beziehungsweise Eisenbahnnetze. Sie soll hohe Leistung, geringe Latenz und Ausfallsicherheit bieten, dazu drahtlose Verbindungen mit hoher Bandbreite für kritische Anwendungen. Beim Bezahlen bleibt Auswahl: Möglich sind ein einmaliger Kauf beziehungsweise Vorauszahlungen ebenso wie Pay-as-you-go-Tarife.

Nach Angaben von NTT DATA wächst die Private-5G-Lösung in Europa. Genannt werden die Smart Airports in Frankfurt und Köln, der Smart Campus der RWTH Aachen sowie Produktionsprojekte mit Schneider Electric, der Roularta Media Group und LyondellBasell. Hinzu kommen Connected-Factory-Initiativen mit dem BMW Innovation Hub in Deutschland.

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Shahid Ahmed, Group Executive Vice President beziehungsweise Group EVP of Edge Services bei NTT DATA, erklärte, die Einstufung bestätige die End-to-End-Kompetenzen des Unternehmens und seine Fähigkeit, zuverlässige, sichere und flexible Private-5G-Netzwerke bereitzustellen. Das Angebot umfasse durchgängige Lösungen, mit denen kritische Abläufe modernisiert werden sollen.

Was hinter der IDC-Einstufung steckt

Das IDC-MarketScape-Modell bewertet die Wettbewerbsfähigkeit von Technologie- und Dienstleistungsanbietern in einem bestimmten Markt. Die Einschätzung stützt sich auf qualitative und quantitative Kriterien und stellt die Position der Anbieter grafisch dar. Verglichen werden unter anderem Produkte und Dienstleistungen, Fähigkeiten und Strategien sowie gegenwärtige und künftige beziehungsweise zukünftige Erfolgsfaktoren.

Für Technologiekäufer soll daraus eine umfassende Einschätzung der Stärken und Schwächen aktueller und potenzieller Anbieter entstehen. Ein Punkt, der in der Praxis zählt: Nicht nur die Funkverbindung muss funktionieren, sondern auch das Zusammenspiel von Geräten, Anwendungen, Infrastruktur, Betrieb und Regeln.

Warum Campusnetze mehr sind als schnelles WLAN

Private 5G-Netze, oft Campusnetze genannt, können Unternehmen verschiedener Branchen bei der Digitalisierung unterstützen. Ein Whitepaper beschreibt dazu 5G-Anwendungsfälle aus mehreren Branchen und zeigt konkrete Einsatzmöglichkeiten. Ein firmeneigenes Netz bietet unbegrenztes Datenvolumen sowie eine sichere und zuverlässige Übertragung sensibler Daten innerhalb des Netzes. Ob sich der Aufwand lohnt, hängt allerdings von den individuellen Bedingungen und vom jeweiligen Anwendungsfall ab – die passende Lösung gibt’s nicht automatisch von der Stange.

Wie das aussehen kann, zeigt Lufthansa Technik. Dort wird 5G seit 2020 operativ eingesetzt, unter anderem für die sogenannte Virtual-Table-Inspection (VTI), bei der Triebwerksteile visuell inspiziert werden. Hochauflösende Videoverbindungen mit geringer Latenz sind dabei zentral: Bilder werden per Smartphone oder Tablet übertragen, während Kunden gemeinsam mit Mechanikern vor Ort ausgebaute Teile aus der Ferne am Bildschirm analysieren und Reparatur- oder Austauschentscheidungen treffen.

Die Lösung muss dafür mobil in den großen Produktionshallen einsetzbar sein. Lufthansa Technik errichtete ein eigenes 5G-Campusnetz, wechselte vom Testbetrieb in den Regelbetrieb und weitete es auf mehrere Produktionsstätten mit einer Gesamtfläche von mehreren Hunderttausend Quadratmetern aus. Zwischen Metall, Maschinen und laufenden Arbeitsprozessen entscheidet sich dann, ob die Technik wirklich trägt – nicht im Hochglanzprospekt.