Am 19. Oktober 2026 meldet Reply eine Auszeichnung, die ziemlich nah an der Zukunft industrieller Arbeit liegt: Das Unternehmen gehört zu den weltweit ersten Partnern mit der NVIDIA-Spezialisierung „Physical AI“ im NVIDIA Partner Network. NVIDIA würdigt damit Replys Expertise bei KI-gestützter Robotik und digitalen Zwillingen für reale Betriebsumgebungen.

Der Weg dorthin führte über eine technische Prüfung. Bewertet wurden unter anderem bestehende Kundenprojekte, Lösungsarchitekturen, zertifiziertes OpenUSD-Know-how und die strategische Entwicklungs-Roadmap. Physical AI gewinnt laut der von Reply veröffentlichten Mitteilung vor allem in Fertigung, Lagerhaltung und Logistik an Bedeutung – also dort, wo Software irgendwann nicht nur rechnen, sondern handeln muss.

Ein digitales Lager für echte Roboter

Ein Beispiel dafür entsteht im Hermes-Fulfilment-Logistikzentrum in Löhne. Roboverse Reply, die Otto Group und NVIDIA entwickeln dort ein KI-gestütztes virtuelles System zur Roboterkoordination. Reply erstellte mit Reality-Capture-Technologien sowie Sensor- und Kameradaten ein detailliertes digitales Abbild des Standorts. Bei der Vermessung kam unter anderem Spot von Boston Dynamics zum Einsatz.

Dieser digitale Zwilling bildet das Logistikzentrum virtuell ab und zeigt die Echtzeitpositionen und Bewegungen der Roboter. Lagerbereiche lassen sich rekonfigurieren, verschiedene Volumenszenarien durchspielen und mögliche Spitzenlasten prüfen. So kann sichtbar werden, wie viele Roboter und Mitarbeitende für eine bestimmte Situation gebraucht werden – bevor im echten Lager jemand umräumen muss.

Im Mittelpunkt steht der „Robotic Coordination Layer“ der Otto Group. Er verbindet autonome mobile und stationäre Roboter verschiedener Hersteller mit Flottenmanagementsystemen und dem zentralen Warehouse-Management-System, kurz WMS. Robotikflotten sollen dadurch im digitalen Zwilling visualisiert, koordiniert und verwaltet werden. Nutzer mit unterschiedlichen Rollen und Berechtigungen können gemeinsam auf Roboter-Workflows zugreifen, sie steuern und optimieren.

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Von Löhne aus in rund 120 Logistikstandorte

Die Otto Group hatte die Zusammenarbeit mit NVIDIA am 9. Januar 2026 in Hamburg/New York angekündigt. Geplant ist, den auf NVIDIA Omniverse und Isaac Sim basierenden Layer an zahlreichen der rund 120 Logistikstandorte einzusetzen. Der Standort von Hermes Fulfilment in Löhne ist der erste operative Einsatz – Pilot und Vorlage für weitere Rollouts.

Otto Group One.O entwickelt den Kern des Layers einschließlich der Integrationsschnittstellen und übernimmt dessen Governance. Die technische Basis bilden NVIDIAs KI-Infrastruktur, Omniverse-Bibliotheken und Isaac für KI-Robotik. Zum Einsatz kommen NVIDIA RTX Pro 6000 GPUs, Omniverse auf Google Cloud und Isaac Sim. Als Komplettlösung ist die Software über den Google Cloud Marketplace verfügbar und läuft auf Google-Cloud-Infrastruktur.

In der virtuellen Umgebung lassen sich Robotersysteme trainieren und Betriebsabläufe vorab prüfen. Mit NVIDIA Omniverse und NVIDIA Isaac können Lagerlayouts, Robotersysteme und Prozesse simuliert werden, ohne den laufenden Betrieb zu unterbrechen. Änderungen sollen sich dadurch schneller testen, neue Roboterflotten leichter integrieren und Betriebsverfahren mit weniger Störungen erproben lassen.

Der Coordination Layer soll Robotersysteme bestehender und neuer Partner integrieren und steuern. Hinzukommen sollen unter anderem Sortieranlagen, Sensoren zur Palettengrößenerkennung und Torsteuerungen. Langfristig ist der Layer als zentrales Betriebssystem für das gesamte Lagerökosystem gedacht. Die Zielarchitektur: ein intelligentes, aus der Ferne steuerbares Logistikzentrum, das auf veränderte Anforderungen reagieren kann.

KI zwischen Spitzenlast und Arbeitsalltag

Die Otto Group setzt nach eigenen Angaben seit mehr als drei Jahren KI und Robotik in der Logistik ein. NVIDIA beschreibt den Ansatz als „Physical AI“: Lager sollen in Echtzeit auf neue Anforderungen reagieren können. Das kann beim Kundenerlebnis helfen, beim Management von Spitzenlasten und bei der Gesamteffizienz. Erwartet werden außerdem schnellere und zuverlässigere Lieferungen sowie technologisch ausgerichtete Arbeitsplätze.

Ganz billig ist der Einstieg nicht. Die erste Entwicklungsphase umfasst eine Investition im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Dafür soll die zentrale Übersicht der Roboteraktivitäten das Management vereinfachen und die Zusammenarbeit unterschiedlicher Robotertypen verbessern. Klingt trocken, bedeutet im Alltag aber: weniger Insellösungen, weniger mühsames Nachjustieren und hoffentlich weniger Überraschungen, wenn plötzlich deutlich mehr Pakete durch die Halle laufen.

Reply verbindet dafür Robotik, digitale Zwillinge, Spatial Computing und KI. Das Unternehmen begleitet Kunden laut Mitteilung von der virtuellen Entwicklung und dem KI-Training über die Systemintegration bis zum produktiven Einsatz und zur Skalierung. Als offizieller Service-Delivery-Partner im NVIDIA Partner Network bringt Reply NVIDIA-Technologien mit den Kompetenzen von Roboverse Reply in Robotik, Reality Capture, digitalen Zwillingen und Sensorintegration zusammen.

Reply ist auf Lösungen für neue Kommunikationskanäle und digitale Medien spezialisiert und bietet Beratung, Systemintegration und Digital Services unter anderem für Telekommunikation, Industrie, Finanzwesen und öffentliche Verwaltung an. Das Löhne-Projekt soll als Vorlage dienen, um die Roboterkoordination auf weitere Standorte der Otto Group zu übertragen – mit virtuellen Tests statt laufender Maschinen, Kameradaten statt bloßer Hallenpläne und einem ziemlich großen Anspruch an das Lager der Zukunft.

Ein Presskit mit Bild- und Videomaterial stellt die Otto Group unter ottogroup.com/innovationinsights2026 bereit. Die zugrunde liegende, von Reply bezahlte Pressemitteilung wurde am 19. Oktober 2026 veröffentlicht. Weitere Informationen stehen bei Yahoo Finance und im Newsroom der Otto Group.