The Hu bringt mongolischen Kehlkopfgesang und Heavy Metal in die Berliner Columbiahalle
In der Berliner Columbiahalle wurde es laut, tief und ziemlich ungewöhnlich: The Hu aus Ulaanbaatar verbanden Heavy Metal mit traditionellen mongolischen Instrumenten und mongolischem Kehlkopfgesang. Rund 3.500 Menschen waren dabei – die Halle war ausverkauft. Viele trugen Schwarz, wie es sich für einen Metal-Abend gehört, doch auf der Bühne ging es deutlich fremdartiger zu.
Gala, Jaya, Enkush und Temka traten in mongolisch inspirierten Leder- und Fellkleidungen auf. Dazu kamen Pferdekopfgeigen, Maultrommel, Hirtenflöte und große Kesseltrommeln. Mitsingen war für das Berliner Publikum wegen der mongolischen Texte kaum möglich. Dafür ließ sich der Sound körperlich spüren: acht Musiker, ein dichter Druck, hämmernde Bässe und ein Kehlkopfgesang, der irgendwo zwischen tiefem Grollen und mehreren Stimmen zugleich lag.
Hunnu Rock aus Ulaanbaatar
The Hu wurde 2016 in Ulaanbaatar gegründet. Ihren Stil nennt die Band selbst „Hunnu Rock“. Gemeint ist eine Mischung aus Heavy Metal, Folk Metal und Folk-Rock – also verstärkten Gitarren, Rockrhythmen und traditionellen Klängen. Eine zentrale Rolle spielt die Morin Khuur, die mongolische Pferdekopfgeige. Auch Topshur, Maultrommel und der traditionelle mongolische Untertongesang gehören zum Klangbild.
Die vier Kernmitglieder studierten am mongolischen Staatskonservatorium. Jaya unterrichtet dort unter seinem bürgerlichen Namen G. Nyamjantsan. Aufgewachsen sind Gala, Jaya, Enkush und Temka mit Metallica und Slayer, deren Musik sie auf Vinyl vom Schwarzmarkt hörten. Ungefähr zu der Zeit, als die Mongolei 1990 demokratisch wurde, kamen sie zur Welt. In ihrer Kindheit lernten sie traditionelle Instrumente wie Maultrommel und Hirtenflöte. Aus beiden Welten entstand The Hu.
In Berlin standen neben den vier Bandmitgliedern Ono, Odko, Jamba und Davaa auf der Bühne. Sie spielten Gitarre, Bass, Schlagzeug und große Kesseltrommeln. Die Metal-Elemente folgten häufig klassischem Songwriting, wurden aber durch Pferdekopfgeigen, mehrstimmigen Kehlkopfgesang und die alten mongolischen Klangfarben verfremdet. Das Ergebnis: brachial, tief, stellenweise melancholisch – und ziemlich druckvoll.
Vom „Wolf Totem“ bis „HUN“
Im Herbst 2018 veröffentlichte The Hu die Videos „Yuve Yuve Yu“ und „Wolf Totem“. Das offizielle Video zu „Yuve Yuve Yu“ erschien im September, „Wolf Totem“ folgte im November auf dem offiziellen YouTube-Kanal. Anfang Januar 2019 kamen beide Videos zusammen auf etwa acht Millionen Aufrufe, Anfang Juli waren es bereits rund 33 Millionen.
Das Debütalbum „The Gereg“ erschien am 13. September 2019 weltweit über Eleven Seven Music. Die neun Titel heißen „Yuve Yuve Yu“, „Wolf Totem“, „Shoog Shoog“, „The Legend of Mother Swan“, „The Great Chinggis Khaan“, „The Same“, „Song of Women“, „Shireg Shireg“ und „The Gereg“. Ein Gereg war zur Zeit Dschingis Khans ein metallischer Anhänger, eine Art früher Reisepass, der Diplomaten in vielen Ländern freie Durchreise ermöglichte.
In den vergangenen Jahren veröffentlichte die Band drei Alben. Genannt werden „The Gereg“ von 2019, „Rumble of Thunder“ von 2022 und das dritte Studioalbum „HUN“, das am 24. Juli 2026 erschien. Als Liveveröffentlichung kam 2024 „Live at Glastonbury“ hinzu. Das Album gibt einen Einblick in den Konzertklang der Band; für 2024 ist außerdem ein Eintrag „Live at Glastonbury“ angegeben.
Auch abseits eigener Platten taucht The Hu auf: Die Band steuerte das Hauptlied zum Computerspiel „Star Wars Jedi: Fallen Order“ bei und nahm für das Metallica-Tributealbum „The Metallica Blacklist“ eine Coverversion von „Through the Never“ auf.
Auszeichnungen und Umwege
Die UNESCO zeichnete The Hu als „Artists for Peace“ aus. In der Auszeichnungsliste wird der Titel für 2022 als „Artist for Peace“ geführt. Schon 2019 erhielt die Band den Titel „Cultural Envoy of Mongolia“ für musikalische Erfolge und die Förderung der mongolischen Kultur. 2020 folgte mit dem Order of Genghis Khan die höchste nationale Auszeichnung der Mongolei.
Für 2022 war The Hu als Vorband der schwedischen Band Sabaton bei deren Europa-Tour „Tour to End All Tours“ vorgesehen. Nachdem die Tour auf 2023 verschoben wurde, sagte The Hu die Teilnahme ab. Babymetal übernahm stattdessen den Vorband-Auftritt.
Der Name „Hu“ ist die mongolische Wurzel für „Mensch“ und bedeutet sinngemäß „die Menschen“. Zugleich ist er ein Homonym zu The Who. Im Bandlogo sitzt ein Schneeleopard – gewählt wegen seiner mythischen Bedeutung und seiner Rolle als Symboltier alter mongolischer Stämme. Das passt zur Musik, die nicht auf Folklore als Dekoration setzt, sondern sie mitten in den Verstärker stellt.
Zwischen Tradition und Verstärkerwand
The Hu steht in der Tradition mongolischer Bands, die seit der Demokratisierung in den 1980er-Jahren westliche Musikstile mit mongolischen Musiktraditionen verbinden und dabei politische Inhalte vermitteln. Bei The Hu kommen dazu die verstärkten Gitarren, Rockrhythmen und die aus dem Heavy Metal übernommenen hämmernden Basspassagen. Die Morin Khuur klingt dabei nicht wie ein exotischer Einschub, sondern trägt die Songs mit.
In der Columbiahalle machten die Musiker nur wenige Ansagen. Gelegentlich bedankten sie sich auf Englisch. Der Rest lief über den Klang: Die acht Musiker bauten eine Wand auf, durch die einzelne Instrumente trotzdem klar hindurchblitzten. Das Publikum umfasste mehrere Altersgruppen, feierte überwiegend in schwarzer Kleidung und musste auf den üblichen Refrain zum Mitbrüllen verzichten. Ein bisschen ungewohnt war’s schon – aber gerade deshalb blieb der Auftritt hängen.
Die aktuellen Konzerttermine, Veranstaltungsorte und Tickets stehen auf der offiziellen Tourseite. Weitere Auftritte und neuere Songs gibt es auf der offiziellen Videoseite der Band. Die Angaben zur jüngeren Veröffentlichungslage stammen unter anderem aus einem am 5. Oktober 2026 erstellten unabhängigen ANACHRON-Fanseiten-Text, der die offizielle Website von The HU, offizielle Musikvideobeschreibungen, den offiziellen Shop und Veröffentlichungskataloge als Quellen nennt.
