In einem wegweisenden Forschungsprojekt an der Technischen Universität München (TU München) wird die Lebensqualität von querschnittsgelähmten Patienten durch eine innovative Hirn-Computer-Schnittstelle (BCI) entscheidend verbessert. Diese Technologie ermöglicht es den Betroffenen, Gedanken in digitale Befehle umzuwandeln und somit Geräte wie Smartphones oder Roboterarme zu steuern. Ein prägnantes Beispiel für den Fortschritt dieser Technologie ist der 25-jährige Michael Mehringer, der vor neun Jahren durch einen schweren Motorradunfall vom Hals abwärts gelähmt wurde.
Michael Mehringer nimmt aktiv an diesem einzigartigen Forschungsprojekt teil, das als „Künstliche Intelligenz für Neurodefizite“ bekannt ist. Auf einem Bildschirm visualisiert das System einen animierten Arm aus orangefarbenen Polygonen, dessen Bewegungen Mehringer lediglich mit seinen Gedanken steuern kann. Der niederschmetternde Zustand seines Körpers steht dem Fortschritt seines Geistes jedoch nicht entgegen, da ihm die regelmäßigen Sessions mit den Forschern das Gefühl geben, Fortschritte zu erzielen, obwohl er seit Jahren keine Bewegungen mehr ausführt.
Die Technologie hinter der BCI
Die Implantation der BCI bei Mehringer ist die erste dieser Art in Europa. Ärzte des Universitätsklinikums München führten den über fünf Stunden dauernden Eingriff mit einer bemerkenswerten hohen Präzision durch. Das implantierte Gerät besteht aus 256 Mikroelektroden, die es ermöglichen, genaue Hirnsignale für komplexe Greifbewegungen abzuleiten. Diese präzise Elektrodenplatzierung war eine der größten Herausforderungen bei der Durchführung der Implantation.
Die TU München fungiert als führende akademische Institution in Europa, die zwei solche Hirn-Computer-Schnittstellen implantiert hat. Ein früherer Erfolg ereignete sich bereits 2022, als einer Schlaganfallpatientin mit Sprachstörungen eine BCI eingesetzt wurde. Ziel der aktuellen Implantation bei Mehringer ist es, ihm die Steuerung eines Cursor auf einem Bildschirm zu ermöglichen, in der Zukunft auch das Bedienen eines Greifarms. Diese Entwicklungen könnten für die etwa 140.000 Menschen in Deutschland mit Querschnittslähmung und den jährlich hinzukommenden 2.400 neuen Fällen von großer Bedeutung sein.
Die Herausforderungen und Chancen
Die Forschungsgruppe, das Munich Institute for Robotics and Machine Intelligence (MIRMI), arbeitet kontinuierlich daran, die decodierten Hirnsignale besser zu nutzen. Momentan trifft sich Mehringer mehrmals pro Woche mit den Forschern zur Datenanalyse. Die bisherigen Erfolge sind vielversprechend: Wenn Mehringer die Bewegungen des Cursors auf dem Bildschirm beobachtet und in Gedanken nachahmt, zeigt sich bereits eine Wechselwirkung zwischen seinem Willen und der Technologie.
Für die Fortsetzung dieser vielversprechenden Forschung sucht das Münchener Team junge Erwachsene aus der Umgebung mit einer positiven Lebenseinstellung und dem Willen, sich als Pioniere in dieser bahnbrechenden Technologie zu engagieren. Auf lange Sicht könnte diese Forschung nicht nur das Leben von Michael Mehringer, sondern auch von vielen anderen Menschen mit Querschnittslähmung nachhaltig verändern, indem die Autonomie und Selbstständigkeit dieser Patienten gefördert wird.