Sachsen-Anhalt lebt zunehmend allein: Junge Männer und ältere Frauen besonders betroffen
In Sachsen-Anhalt wohnen immer mehr Menschen ohne Partner oder Mitbewohner. Vor 20 Jahren lebte etwas mehr als jeder sechste Einwohner allein, im vergangenen Jahr war es fast jeder Vierte. Das zeigen Daten des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt.
Der Trend zieht sich durch alle Altersgruppen, trifft aber nicht alle gleich. Besonders häufig führen junge Männer ein Singledasein; bei älteren Menschen sind es vor allem Frauen, die allein leben. Ob daraus Einsamkeit entsteht, hängt allerdings von der jeweiligen Lebenslage ab. Wer allein wohnt, muss sich nicht automatisch allein fühlen. Umgekehrt kann Einsamkeit auch mitten in einer vollen Wohnung sitzen.
479.000 Menschen in Einpersonenhaushalten
Nach ersten Ergebnissen des Mikrozensus 2025 lebten in Sachsen-Anhalt 479.000 Menschen allein in einem Einpersonenhaushalt. Das entsprach 23,0 Prozent der Gesamtbevölkerung. Gegenüber 2005 stieg die Zahl der Alleinlebenden um 68.000 beziehungsweise 16,6 Prozent. Ihr Anteil an der Bevölkerung wuchs von 16,8 auf 23,0 Prozent.
Als Alleinlebende gelten dabei Personen in Einpersonenhaushalten – unabhängig davon, welchen Familienstand sie haben. Der Mikrozensus ist eine jährliche Stichprobenerhebung bei einem Prozent der Privathaushalte. Die Angaben für 2025 sind vorläufig und können mit den endgültigen Ergebnissen noch revidiert werden; die Vorjahreswerte beruhen auf Endergebnissen.
Frauen lebten häufiger allein als Männer: 253.000 Frauen beziehungsweise 24,0 Prozent wohnten in einem Einpersonenhaushalt. Bei den Männern waren es 226.000 beziehungsweise 22,1 Prozent.
Junge Männer, ältere Frauen
Auch jüngere Menschen sind in der Statistik deutlich vertreten. 59,2 Prozent der Alleinlebenden waren 2025 jünger als 65 Jahre. Ihre Zahl stieg von 242.000 im Jahr 2005 auf 284.000 – ein Plus von 17,4 Prozent. Gleichzeitig nahm ihr Anteil an der jeweiligen Altersgruppe von 12,4 auf 18,8 Prozent zu.
Bei den 20- bis 29-Jährigen lebten 2025 34,9 Prozent allein. Besonders groß war der Unterschied zwischen den Geschlechtern bei den 20- bis 34-Jährigen: 37,4 Prozent der Männer wohnten allein, aber nur 24,6 Prozent der Frauen. Auch bei den 35- bis unter 60-Jährigen lag der Anteil der Männer höher, mit 26,7 gegenüber 15,4 Prozent bei den Frauen.
Ab 70 Jahren drehte sich das Verhältnis um. 48,9 Prozent der Frauen lebten allein, bei den Männern waren es 21,5 Prozent. Eine Rolle spielt dabei die unterschiedliche Lebenserwartung: Mit 70 Jahren hatten Frauen 2025 noch etwa 17 Jahre vor sich, Männer etwa 14 Jahre. 103.000 Witwen ab 70 Jahren standen 26.000 Witwer dieser Altersgruppe gegenüber. Mehr als drei Viertel der verwitweten Personen lebten allein.
Die Zahl der Alleinlebenden ab 65 Jahren stieg auf 196.000, also um 15,5 Prozent. Ihr Anteil an allen Menschen ab 65 Jahren blieb dagegen nahezu stabil: 2005 lag er bei 33,5 Prozent, 2025 bei 34,0 Prozent.
Migration und unterschiedliche Lebenslagen
10,5 Prozent der alleinlebenden Menschen hatten 2025 einen Migrationshintergrund. Menschen mit Migrationshintergrund lebten insgesamt etwas seltener allein; ihre Alleinlebendenquote lag bei 20,2 Prozent. Zugleich waren 61,5 Prozent der alleinlebenden Menschen mit Migrationshintergrund zwischen 20 und unter 45 Jahre alt.
Das zeigt sich auch beim Durchschnittsalter: Alleinlebende mit Migrationshintergrund waren im Schnitt 41,7 Jahre alt, alleinlebende Menschen ohne Migrationshintergrund 59,2 Jahre.
Am Campus der Uni Magdeburg, zwischen Fahrradständern, Kaffeebechern und dem üblichen Stimmengewirr auf den Fluren, wirkt „allein wohnen“ zunächst wie eine ganz normale studentische Lebensform. Für manche bedeutet die eigene Wohnung Ruhe nach einem langen Tag, für andere bleibt abends nur das Brummen des Kühlschranks. Soziale Medien können den Unterschied noch schärfer machen: Bilder vermeintlich glücklicher Paare setzen Singles mitunter unter Druck – obwohl sie meist nur einen sorgfältig ausgewählten Ausschnitt zeigen.
Ob jemand allein lebt oder sich einsam fühlt, lässt sich deshalb nicht aus einer Zahl ablesen. Die Statistik zählt Haushalte. Der Alltag dahinter ist sehr verschieden: junge Männer, die früh aus einer Wohngemeinschaft ausziehen, ältere Frauen nach dem Tod ihres Partners, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund – und dazwischen jede Menge Geschichten, die in keiner Tabelle stehen.
