Schulen im Fokus: Wie wir Kinder vor sexueller Gewalt schützen können!
Am 24. Juni 2026 fand auf dem Campus der Europa-Universität Flensburg die Abschlusstagung des Projekts „Referenzperson für schulisches Handeln im Kontext sexuellen Kindesmissbrauchs“ (RPSKM) statt. Rund 70 Personen aus der Schulpraxis, der Forschung und der Fachöffentlichkeit nahmen an dieser Veranstaltung teil, die dem Austausch über zentrale Ergebnisse der Projektarbeit und der Diskussion zur Stärkung von Schulen als Schutzorte gegen sexuelle Gewalt diente. Uni Flensburg berichtet.
Ein besonderer Fachvortrag wurde von Prof. Dr. Simone Pülschen gehalten, der sich mit „Wirksamer Schutz gegen sexuelle Gewalt – Evidenzbasierte Impulse zur Prävention in Schulen“ beschäftigte. Im Fokus standen die aktuelle Prävalenz von sexuellem Missbrauch sowie die positiven Effekte von Präventionsangeboten und schulischen Schutzkonzepten auf das Wissen, die Handlungskompetenz und das Wohlbefinden der Schüler. Pülschen thematisierte zudem die Unsicherheiten von Lehrkräften im Umgang mit sexueller Bildung und Verdachtsfällen, die häufig auf eine unzureichende Verankerung in der Lehramtsausbildung zurückzuführen sind.
Präventionsangebote und Workshops
Im Rahmen der Tagung wurden auch die Flensburger Fortbildungsangebote durch das RPSKM-Team vorgestellt. Es wurden vielfältige Zusatzausbildungen zur Referenzperson in Schulen angeboten. Die Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) wird auch in Zukunft fortgeführt. Workshops, die während der Tagung stattfanden, beinhalteten Themen wie „Prävention – eine Frage der Haltung!“ und „ECHT präventiv: wieso, weshalb, warum?“, die den Teilnehmenden Hintergrundwissen zu sexualisierter Gewalt und praktische Präventionsmaterialien näherbrachten.
Die Perspektiven von Betroffenen sexueller Gewalt wurden im Workshop „Sexueller Missbrauch verwächst sich nicht!“ durch Mitglieder des Betroffenennetzwerks Blinkfüür e.V. thematisiert. Dies verdeutlichte die persönliche Dimension der Thematik und die Notwendigkeit, die Stimme von Betroffenen in die Diskussion einzubeziehen. Ein Marktplatz zum Vernetzen, bei dem Kaffee und Kuchen serviert wurden, bildete den Abschluss der Veranstaltung.
Schutzkonzepte in Baden-Württemberg
Parallel zu den Entwicklungen in Schleswig-Holstein steht auch Baden-Württemberg vor der Herausforderung, Schulen zu sicheren Orten ohne Gewalt zu machen. Ministerialdirektor Daniel Hager-Mann und Prof. Dr. Thomas Riecke-Baulecke forderten in einem Schreiben vom 3. November 2025 an die Schulen des Bundeslandes die Entwicklung individueller Schutzkonzepte gegen sexualisierte Gewalt. Diese Konzepte sollen helfen, Risiken zu reduzieren und Betroffenen Unterstützung zu bieten. ZSL berichtet.
Im Rahmen der Initiative werden Schulen in Baden-Württemberg seit März 2025 aufgefordert, eigene Schutzkonzepte zu entwickeln. Das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) bietet umfassende Orientierung und Unterstützung bei der Erarbeitung dieser Konzepte, zu denen Themen wie sexuelle Bildung und digitale Gewalt gehören. Zudem offeriert das ZSL verschiedene Online-Fortbildungsangebote zur praktischen Umsetzung von Schutzkonzepten, die sich an Lehrkräfte und Präventionsbeauftragte richten.
Die Notwendigkeit einer engen Verzahnung von Forschung, Fortbildung und Praxis im schulischen Kinderschutz wurde von Prof. Dr. Pülschen zusammenfassend festgestellt und ist ein zentraler Aspekt für die zukünftige Entwicklung tragfähiger Schutzkonzepte in Schulen beider Bundesländer.
