Schutz des Kulturerbes: Fotoausstellung zeigt Krieg in der Ukraine
Am 1. Juli 2026 wird die Fotoausstellung „Under Broken Skies“ im Baukunstarchiv NRW in Dortmund eröffnet. Die bis zum 9. August 2026 laufende Veranstaltung thematisiert die Gefährdung und Zerstörung des ukrainisch-deutschen Kulturerbes durch den anhaltenden russischen Angriffskrieg. Präsentiert wird die Ausstellung in Kooperation mit der Technischen Universität Dortmund und dem Verbindungsbüro Osteuropa/Zentralasien der Universitätsallianz Ruhr. Sie wird vom Kulturreferat für Russlanddeutsche am Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte sowie vom internationalen Kollektiv DEPART und dem Rat der Deutschen in der Ukraine unterstützt.
Die Ausstellung zeigt, dass der Krieg nicht nur Menschenleben fordert, sondern auch das kulturelle Erbe der Ukraine gefährdet. Deutsche Siedler, die seit dem 18. Jahrhundert im Süden und Osten der Ukraine lebten, prägen bis heute die Regionen in der Nähe der Front. Historische Denkmäler, darunter Kirchen und Bildungseinrichtungen, sind im Rahmen des Konflikts schwer beschädigt oder gar bedroht. Mit Fotografien aus Kriegsgebieten, die mit Archivmaterial des Museums für russlanddeutsche Kulturgeschichte in Detmold kombiniert werden, verdeutlicht die Ausstellung die Bedrohung, die das Kulturerbe erfährt. Kuratiert wird die Ausstellung von der Fotografin Irina Unruh, deren Arbeit den Blick auf diese kritische Situation lenkt.
Erinnerungskultur im Kontext des Krieges
In Anbetracht der aktuellen Situation wird die Bedeutung des russischen Kriegs gegen die Ukraine für die deutsche Erinnerungskultur zunehmend hinterfragt. Karl Schlögel, Osteuropa-Historiker, hebt in der Neuen Zürcher Zeitung hervor, dass die deutsche Erinnerungskultur an den Zweiten Weltkrieg oft als Ersatz für die Auseinandersetzung mit gegenwärtigen Herausforderungen dient. Es gibt ein Dilemma zwischen der Instrumentalisierung der Opfer und der Gefahr, dass eine vom aktuellen Geschehen losgelöste Erinnerung bedeutungslos wird. Analogien zwischen den Verbrechen des NS-Regimes und den gegenwärtigen Verbrechen der Russischen Föderation werden diskutiert, wobei Ähnlichkeiten in der Besatzungspolitik erkennbar sind.
Ein zentrales Thema ist die offensichtliche Parallele im Terror gegen die Zivilbevölkerung. Die Toten von Butscha und Irpin als Beispiele verdeutlichen, dass Russische Kriegsverbrechen nicht nur die Ukraine, sondern auch die deutsche Erinnerung an den Krieg erneut herausfordern. Unterdessen wird die Rolle der anti-ukrainischen Staatspropaganda und die Gewaltkultur der russischen Armee als notwendige Forschungsfelder identifiziert. Die ideologische Rahmung des Krieges durch das Regime wird durch Putins Auszeichnungen für die verantwortlichen Einheiten deutlich.
Historische Perspektiven und aktuelle Herausforderungen
Die Ukraine hat eine lange Geschichte in der Dokumentation und juristischen Aufarbeitung nationalsozialistischer Verbrechen. Am 8. Mai 2025 jährte sich das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa zum 80. Mal, ein Datum, das die Erinnerung an die Millionen zivilen Opfer hervorhebt, die oft in der deutschen Erinnerungskultur wenig Beachtung finden. Während des Zweiten Weltkriegs wurden 1,5 Millionen Jüd:innen in der Ukraine ermordet und 2,2 Millionen Ukrainer:innen zur Zwangsarbeit in Deutschland verschleppt.
Aktuell, seit 2022, leidet die ukrainische Zivilbevölkerung unter fortwährenden Angriffen, die systematische Kriegsverbrechen hervorgerufen haben. Über 125.000 Fälle von Kriegsverbrechen werden derzeit von der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft untersucht, und das neue Gesetz zur strafrechtlichen Verfolgung von Kollaboration hat bereits mehr als 9.000 Verfahren ausgelöst. Kritiker warnen jedoch vor den möglichen negativen Folgen dieses Gesetzes auf Menschenrechte und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Die Erinnerung an den Holocaust wird als spezifischer Völkermord beschrieben, dessen Ausmaß in Putins Russland nicht klar erkennbar ist. Dies unterstreicht die Komplexität der deutschen Erinnerungskultur und deren Verhältnis zu aktuellen Ereignissen. Es wird zunehmend gefordert, diese Erinnerungen kritisch zu reflektieren und den Blick für die Herausforderungen in der osteuropäischen Erinnerungskultur zu schärfen.
