Tesla Roadster II hebt ab: Druckluftdüsen und autonomer Kickflip in Texas
Auf einem SpaceX-Testgelände in Texas hebt ein Tesla Roadster autonom ab, dreht sich in der Luft und landet wieder auf seinen Rädern. Das klingt nach Science-Fiction, war am 15. Oktober 2026 aber Teil der Präsentation des Roadster II in McGregor. Tesla zeigte die Vorführung in einem rund 23-minütigen Livestream. Bei den Flugmanövern saß kein Mensch im Wagen; eine Figur wurde als „Starman“ bezeichnet.
Für den Sprung über eine Rampe wurde der Roadster autonom beziehungsweise ferngesteuert bewegt. Das Manöver hieß „Kickflip“. Der Wagen sprang kurz, drehte sich um die eigene Achse und setzte wieder auf. Tesla kündigte außerdem eine mögliche weitere Demonstration über den Snake River Canyon oder den Grand Canyon an – einen Termin dafür gibt es nicht.
Drei Roadster, drei sehr verschiedene Einsatzzwecke
Tesla plant drei Varianten. Die Performance-Version ist als zweisitziges Auto für den öffentlichen Straßenverkehr gedacht. Sie soll ein aktives Aerodynamiksystem und ein Lüfter-Saugsystem haben; Tesla nennt für den Sprint von 0 auf 60 mph weniger als 1,6 Sekunden.
Der Thrust bleibt ebenfalls ein Zweisitzer, ist aber für die Rennstrecke vorgesehen und limitiert. Zusätzlich sitzen vier Kaltgasdüsen im Heck. Tesla verspricht weniger als 0,9 Sekunden auf 60 mph, auf der deutschen Produktseite sogar weniger als eine Sekunde auf 0 bis 100 km/h.
Am weitesten geht die Rocket-Version. Sie ist einsitzig, nur „auf Einladung“ erhältlich und nicht für öffentliche Straßen zugelassen. Zehn Düsen sind rund um das Fahrzeug verteilt. Tesla gibt weniger als 0,59 Sekunden auf 60 mph an. Gedacht ist der Wagen für abgesperrte Strecken, Demonstrationsfahrten und kurze Flugmanöver – eher Labor auf Rädern als Pendlerauto.
Die Rocket-Version führt bis zu 250 Kilogramm komprimierte Luft in Druckluftbehältern mit. Nach den Angaben aus der Präsentation handelt es sich um zwei Tanks mit zusammen 600 Litern; durch zehn Düsen sollen mehr als 80 Kilonewton Schub entstehen. Die Düsen helfen beim Beschleunigen, Bremsen und in Kurven, vor allem aber bei den kurzen Sprüngen. Treibstoff wird dabei nicht verbrannt: Druckluft beziehungsweise komprimierter Stickstoff wird ausgestoßen. Tesla hat allerdings noch nicht erklärt, welches Gas in den Triebwerken tatsächlich verwendet wird oder wie das System im Detail arbeitet.
Der Tank soll sich laut Tesla selbst wieder befüllen lassen. Nach Angaben aus einem Ingenieursinterview dauert eine vollständige Befüllung derzeit sechs bis sieben Stunden. Angestrebt werden etwa 30 Minuten. Das ist ein ziemlich langer Boxenstopp für einen ziemlich kurzen Flug.
Gebläse, Abtrieb und ein Sprint in 0,81 Sekunden
Unter dem Fahrzeug saugt ein aktives Lüftersystem Luft ab. Dadurch entsteht ein künstlicher Ground Effect, der den Roadster an die Straße presst. Tesla spricht von bis zu 2G zusätzlichem Abtrieb, laut den Angaben sogar im Stand und theoretisch kopfüber. In Kurven sollen mehr als 2 g möglich sein. Ein Prototyp demonstrierte bei der Präsentation, dass er durch den Sog kopfüber an einer Fläche hängen kann.
Ein variabler Heckflügel soll je nach Fahrzustand entweder hohen Abtrieb liefern oder den Luftwiderstand verringern. Das System erinnert an das Elektrofahrzeug McMurtry Speirling, das 2021 beim Goodwood Festival of Speed vorgestellt wurde. Der Speirling schafft 60 mph in 1,4 Sekunden und kann wegen seines Gebläses ebenfalls kopfüber an einer Fläche haften.
Beim Event wurde für einen Roadster ein Wert von 0,81 Sekunden für 0 bis 60 mph eingeblendet, also ungefähr 96 km/h. Unklar blieb, ob tatsächlich bis 60 mph oder bis 100 km/h gemessen wurde. Tesla veröffentlichte keine Messbedingungen; unabhängig bestätigt ist der Wert nicht.
Die beiden Elektromotoren treiben laut Tesla-Ingenieur Lars Moravy ausschließlich die Hinterräder an. Zusammen sollen sie mehr als 1 Megawatt beziehungsweise über 1.360 PS und mehr als 1.400 Newtonmeter leisten. Für die Rocket-Version nennt Tesla über 230 mph Höchstgeschwindigkeit, etwa 370 km/h, sowie mehr als 300 Meilen Reichweite – rund 480 Kilometer. Ein WLTP-Wert liegt nicht vor.
Der technische Aufwand hat seinen Preis: Druckluftsystem, Düsen und Lüfter brauchen Platz, erhöhen das Gewicht und verringern die Reichweite. Deshalb ist die Rocket nicht für den öffentlichen Straßenverkehr vorgesehen. Auch für Performance und Thrust ist eine europäische beziehungsweise deutsche Typgenehmigung bislang nicht belegt.
Hightech im Innenraum, offene Fragen beim Akku
Genannt wurden 4680-Zellen, ein Batteriesystem mit rund 800 Volt und ein Ladeziel von 15 auf 80 Prozent in etwa zehn Minuten. Akkukapazität und offizielles Gewicht fehlen noch. In einem Interview war von knapp 1.700 Kilogramm die Rede.
Lenkung, Bremse und Fahrpedal sollen elektronisch ohne mechanische Verbindung arbeiten. Statt eines klassischen Lenkrads gibt es ein Yoke. Dazu kommen Track-Modus, variable Fahrzeughöhe sowie Bauteile aus Magnesium, Titan und Kohlefaser. Die Sitze sind fest in das Chassis integriert. Bequemes Nachrücken wird da wohl nicht zur Kernkompetenz gehören.
Optisch bleibt der Roadster kantig und reduziert. Das Design stammt von Franz von Holzhausen und soll an Raumfahrttechnik erinnern: verdeckte Scheinwerfer, ein durchgehendes Rücklicht, bündige Aerodynamikelemente, dünne Radspeichen, goldfarben getönte Scheiben und Titanakzente. Die Lackierung „Ano White“ orientiert sich laut Tesla an Raumfahrt-Schutzverfahren.
Innen gibt es ein weißes „Ultrawhite“-Interieur mit grauen Mikrowildleder-Details, einen zentralen Touchscreen und zwei zusätzliche Anzeigen. Elon Musk erklärte, der Roadster solle langfristig der einzige Tesla bleiben, der von Menschen gesteuert werden kann; das Unternehmen strebe ansonsten ausschließlich autonome Fahrzeuge an.
Vom alten Versprechen zur Reservierung
Tesla hatte das Modell 2017 vorgestellt und eine Verfügbarkeit ab 2020 angekündigt. Der Termin wurde mehrfach verschoben, das Projekt blieb in den Unternehmensberichten in Entwicklung. Das ursprüngliche Konzept war ein 2+2-Sitzer mit drei Motoren, Allradantrieb, 1,9 Sekunden für 0 bis 60 mph, einem 200-kWh-Akku und mehr als 620 Meilen Reichweite.
Das Modell von 2026 hat dagegen zwei Motoren, Hinterradantrieb und maximal zwei Sitze. Die angekündigte Reichweite liegt bei über 300 Meilen. Tesla knüpft damit an den ersten Roadster auf Basis des Lotus Elise an; eine vor rund zehn Jahren vorgestellte Nachfolgestudie wurde nicht umgesetzt.
Elon Musk nannte 2028 als geplanten Produktionsbeginn. Wo gebaut werden soll, in welchen Stückzahlen und wann die Fahrzeuge – auch nach Deutschland – geliefert werden könnten, ist offen. Ebenso fehlen der endgültige Kaufpreis, das finale Gewicht, die Akkukapazität, unabhängige Leistungstests, der Produktionsstandort, konkrete Stückzahlen und Auslieferungstermine.
In Deutschland verlangt Tesla für die Performance zur Reservierung 5.000 Euro sofort und weitere 45.000 Euro innerhalb von zehn Tagen, insgesamt 50.000 Euro. Beim Thrust sind es 5.000 Euro plus 245.000 Euro, insgesamt 250.000 Euro. Diese Beträge sind Reservierungszahlungen und kein bestätigter Fahrzeugpreis. Tesla bezeichnet die erste Rate als vollständig rückerstattbar; wird die zweite Zahlung nicht fristgerecht geleistet, kann die Reservierung storniert werden. Die Rocket ist im Reservierungsprozess nicht frei auswählbar.
Eine behördliche Einstufung als Luftfahrzeug liegt in Europa nicht vor. Die US-Luftfahrtbehörde FAA erklärte, der Roadster erfülle nicht ihre Definition eines Luftfahrzeugs. Auch die öffentliche Zulassung der Rocket ist ausdrücklich ausgeschlossen.
Die Vorführung wurde vielfach geteilt, Snopes bewertete die Videos als echt. Medien und Analysten diskutierten trotzdem über den praktischen Nutzen, die begrenzte Schubdauer des Druckluftsystems und die kommerzielle Umsetzbarkeit. Gerade der kurze Flug ist spektakulär – und technisch eben auch kurz.
Am Standort RWTH Aachen wirkt das Ganze wie ein besonders lauter Blick in eine mögliche Verkehrszukunft: elektrisch, autonom, mit Gebläse unter dem Boden und Raketenluft im Tank. Die Höchstgeschwindigkeit könne laut Musk Mach 0,5 oder mehr erreichen, also etwa die hal
