Trier setzt ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen: Orange the World mit Installationen, Kunst und 191 Paar Schuhen
Am 25. November 2026 wird Trier orange: Die Hochschule Trier und die Universität Trier planen zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und zum Auftakt der UN-Kampagne „Orange the World“ mehrere öffentliche Aktionen. Der Tag beginnt nicht erst am Abend. Am Hauptcampus Schneidershof, am Irminenfreihof und am Umwelt-Campus Birkenfeld werden mittags Kekstüten verteilt – mit dem Aufdruck „Gewalt gegen Frauen geht uns auf den Keks“. Darin liegen Kekse und Informationsmaterialien. An allen drei Standorten stehen außerdem Ansprechpersonen aus dem Gleichstellungsbereich für Fragen und Gespräche bereit.
Um 17 Uhr wird auf dem Viehmarktplatz die begehbare Installation „Wir geben Raum“ eröffnet. Entwickelt hat sie Luna Isenmann, Kommunikationsdesign-Studentin, im Lehrprojekt „Die Scham muss die Seite wechseln“. Die Installation informiert über sexualisierte Gewalt und lässt Raum für eigene Gedanken, Erfahrungen und Gefühle. Ein Briefkasten bietet die Möglichkeit, Texte und Gegenstände anonym beziehungsweise symbolisch abzugeben. Die Materialien sollen anonymisiert 2027 in einem Kunstprojekt in Trier präsentiert werden.
Von der Installation zum Campus Gestaltung
Auf dem Viehmarktplatz bleibt „Wir geben Raum“ bis zum 2. Dezember. Danach zieht die Installation weiter und ist bis zum 16. Dezember auf dem Campus der Universität Trier zu sehen. Direkt nach der Eröffnung führt ein von der Hochschulgruppe „Recht feministisch“ organisierter Lichtermarsch zum Campus Gestaltung am Paulusplatz.
Dort beginnt um 18:30 Uhr die Ausstellung „Die Scham muss die Seite wechseln“. Zu sehen sind fotografische und videografische Arbeiten von Studierenden unter Leitung von Prof. Valerie Schmidt. Sie zeigen unterschiedliche Perspektiven auf sexualisierte Gewalt und darauf, wie die Gesellschaft sie wahrnimmt. Ausgestellt werden unter anderem prämierte Arbeiten von Jasmin Bram, Cathy Bleser und Ronja Kuhn sowie weitere Seminararbeiten. Dazu kommen Entwürfe und Plakate aus dem Seminar „Experimentelle Gestaltung“ von Prof. Marlen Letetzki.
Auch die antike Figur Leda gehört zur Ausstellung. Von Dr. Constanze Graml entwickelte 3D-gedruckte Leda-Figuren werden versteigert; der Erlös geht an das Frauenhaus Trier. Das Projekt wurde gemeinsam von der Universität Trier und dem Campus Gestaltung der Hochschule Trier durchgeführt, fachlich begleitet vom Frauennotruf Trier und gefördert von der Wissenschaftsallianz Trier.
Orange Stühle, Film und Bibliothek
Am Umwelt-Campus Birkenfeld stehen ab dem 25. November zwei orangefarbene Stühle. Auf ihnen ist zu lesen: „Kein Platz für Gewalt“ und „no room for violence“. Am 2. Dezember folgt um 18:30 Uhr im Kommunikationsgebäude des Umwelt-Campus Birkenfeld die Vorführung des Dokumentarfilms „Fassaden“ von Alina Cyranek. Organisiert wird der Abend gemeinsam mit Akteuren der Verbandsgemeinde Birkenfeld, dem AStA des Umwelt-Campus und der Hochschule Trier.
Der Film beschäftigt sich mit Gewalt in toxischen Beziehungen, ihren Folgen für Frauen sowie gesellschaftlichen und politischen Strukturen im Umgang mit Gewalt. Nach der Vorführung ist ein Austausch vorgesehen. Ein Abend, der vermutlich nicht mit einem schnellen „Na dann, schönen Abend noch“ endet.
In der Universitätsbibliothek beginnt am 26. November die Ausstellung „Bild(ver)gewaltig(t) – Leda und der Schwan“. Sie versammelt bildliche und literarische Darstellungen von Leda und wurde gemeinsam mit Studierenden der Altertumswissenschaften im Rahmen eines Lehrprojekts konzipiert. Bei der Finissage am 16. Dezember können kleine, von Dr. Constanze Graml entwickelte und per 3D-Druck hergestellte Leda-Statuen erworben werden. Auch dieser Erlös wird an das Frauenhaus Trier gespendet.
191 Paar Schuhe im Innenhof der TUFA
Am 26. November 2026 kommt in Trier eine weitere Orange-Days-Veranstaltung dazu: „Orange the World – 191 Lebenswege“ beginnt um 19:10 Uhr im Innenhof der TUFA. Veranstalter sind das rauMwErk.Kollektiv, Ellen Helfrich, Michael Frank & Friends, in Kooperation mit dem TUFA e. V. Geplant ist eine stille Performance gegen Femizide; sie dauert jeweils etwa 10 Minuten, der Eintritt ist frei.
Im Zentrum stehen 191 Paar leere Schuhe. Sie symbolisieren 191 Frauen und ihre nicht vollendeten Lebenswege. Die Performance erzählt – still, aber nicht stumm – von Leben, Liebe, Gewalt, Verlust, Überleben und dem Mut, den eigenen Weg zurückzugewinnen. Ihre Botschaft: Erinnerung, Solidarität und Hoffnung. Keine der 191 Frauen soll vergessen werden. Dazu gehört der Satz aus Artikel 1 des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Gewalt gegen Frauen betrifft die gesamte Gesellschaft.
Orange the World, weltweit sichtbar
Die Kampagne verbindet lokale Aktionen mit Bildern aus vielen Regionen der Welt. In den aufgeführten Bildmotiven und Urhebernachweisen erscheinen Deutschland – UN Women Deutschland, zweimal genannt –, Kolumbien – UN Women/Miguel Varona, Albanien – Ministerium für Gesundheit und Sozialschutz Albaniens, Mosambik – UN Women/Celma Costa, Ägypten – UN Women/Mohamed Ezz ElDin, Mexiko – UN Women/Dzilam Méndez und Ecuador – UN Women/Johis Alarcón.
Weitere Nachweise stammen aus Island – Sunday & White Photography, Malawi – UN Women/Faith Mvula, Moldau – UN Women/Dan Minenco, Pakistan – UN Women/Asfandyar Khan, Vietnam – UN Women/Nguyen Duc Hieu, Thailand – UN Women/Elmer Dante und vom UN-Hauptquartier in New York – UN Women/Ryan Brown. Genannt werden außerdem die Schweiz, mit freundlicher Genehmigung der Delegation der Europäischen Union bei den Vereinten Nationen in Genf, sowie Ruanda – UN Women/Geno Ochieng. In Trier bekommt diese globale Kampagne damit viele konkrete Orte: einen Viehmarktplatz, einen Campus, zwei orangefarbene Stühle, einen Bibliotheksraum und 191 Paar Schuhe.
