UAP-Forschung in Würzburg: Zwischen Himmelsbeobachtung und der Suche nach außerirdischer Intelligenz
An der Universität Würzburg dreht sich am 25. September 2026 vieles um die Frage, was dort oben eigentlich zu sehen ist. Bei der jährlichen „Ifex Seti & UAP“-Konferenz sprechen Fachleute über unidentifizierte anomale Phänomene – kurz UAP, früher meist „Ufos“ genannt. Der Begriff meint ungewöhnliche Beobachtungen, vor allem am Himmel, deren Ursache zunächst nicht eindeutig feststeht.
Organisiert wird die Konferenz von Hakan Kayal, Professor für Raumfahrttechnik und Vorsitzender des Interdisziplinären Forschungszentrums für Extraterrestrik (Ifex). Das Zentrum ist an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg angesiedelt und gilt als deutschlandweit erste wissenschaftliche Einrichtung, die nach außerirdischem Leben sucht und unidentifizierte Flugobjekte untersucht. Unter anderem erprobt das Ifex auf der Zugspitze Technologien zur Himmelsüberwachung.
Zwischen Täuschung und ungelöstem Fall
Kayal fordert, mysteriöse Beobachtungen wissenschaftlich zu untersuchen. Man müsse die Wahrheit herausfinden. Das klingt groß, der praktische Teil ist allerdings oft ziemlich nüchtern: Viele UAP-Sichtungen lassen sich als Vögel, Flugzeuge, Satelliten, Drohnen, Ballons, Meteore, atmosphärische Effekte oder Wahrnehmungstäuschungen erklären. Ein kleiner Teil bleibt trotz sorgfältiger fachlicher Analyse und vergleichsweise guter Datenlage ungeklärt.
Genau dort beginnt für das Ifex das wissenschaftliche Interesse. UAP sollen ergebnisoffen, methodisch fundiert und interdisziplinär untersucht werden. Das Institut entwickelt und betreibt technische Systeme zur Detektion, Bewertung und Analyse entsprechender Ereignisse. Besonders aussagekräftige Fälle werden vertieft geprüft; Beobachtungsdaten sollen strukturiert erfasst, systematisch untersucht und nach anerkannten wissenschaftlichen Standards ausgewertet werden.
Langfristig schwebt dem Ifex eine integrierte Forschungsinfrastruktur vor, ein „System von Systemen“. Dafür werden Sensorsysteme entwickelt, die an die Eigenschaften des Phänomens angepasst sind und dauerhaft eingesetzt werden sollen. Die meisten Meldungen verschwinden damit vermutlich in der Schublade „bekanntes Objekt oder natürliche Ursache“. Die wenigen offenen Fälle aber wären sauberer dokumentiert als bisher.
Dass sich Regierungen und wissenschaftliche Einrichtungen zunehmend mit UAP beschäftigen, hängt auch mit dem schwindenden Stigma des Themas zusammen. Der frühere Begriff UFO ist kulturell geprägt und teilweise belastet; UAP klingt neutraler. Der frühere Nasa-Mitarbeiter Silvano Colombano berichtete in Würzburg, der US-Kongress habe der Nasa 1993 die Beschäftigung mit außerirdischer Intelligenz untersagt. US-Präsident Donald Trump ließ später mehrere Serien zuvor geheimer Ufo-Beobachtungen veröffentlichen.
Politik, Videos und ungewöhnliche Flugmanöver
Christian Peters von der Universität Bremen bleibt bei solchen Veröffentlichungen skeptisch. Wichtige technische Angaben wie Entfernung und Geschwindigkeit fehlten weiterhin. Dadurch seien die Videos wissenschaftlich nur eingeschränkt nutzbar; Trumps UAP-Initiative bezeichnete Peters als überwiegend politisches Theater.
Aus der Ukraine häufen sich laut Wissenschaftsjournalist Andreas Müller UAP-Beobachtungen. Die Streitkräfte überwachten den Luftraum wegen des Kriegs besonders intensiv. Gemeldet würden Objekte, die weder als Drohnen noch als Raketen oder als anderes militärisches Gerät identifiziert werden könnten.
Kommunikationswissenschaftler Andreas Schwarz verwies auf einen weiteren Unterschied: Die USA verfügten bereits über ein umfassendes System zur Veröffentlichung von UAP-Informationen, während europäische Länder vergleichbare Strukturen kaum hätten. Regierungsstellen sollten seiner Ansicht nach zumindest erklären, warum bestimmte Informationen veröffentlicht und andere – möglicherweise aus Sicherheitsgründen – zurückgehalten werden.
Kevin Knuth von der Universität Albany analysierte mehrere bekannte Fälle. Sein Schluss: Die beschriebenen Flug- und Tauchmanöver seien mit bekannten irdischen Materialien und dem menschlichen Körper kaum vereinbar. Bei einer Sichtung von 1986 soll ein Objekt bis zur 350-fachen Schallgeschwindigkeit erreicht haben. Damit könnte es die Strecke zwischen Erde und Mond in 53 Minuten zurücklegen.
Ein britisches Kriegsschiff beobachtete 1987 außerdem ein rund 240 Meter großes Unterwasserobjekt. Es bewegte sich trotz hoher Geschwindigkeit, ohne erkennbare Auswirkungen auf das Meerwasser. Ob solche Angaben Messfehler, Fehlinterpretationen oder etwas bislang Unbekanntes beschreiben, bleibt offen.
Der Biophysiker Anthonie Muller vertrat die These, UAP würden von Außerirdischen gesteuert, die DNA von der Erde gewinnen wollten, um ihre eigene beschädigte DNA zu erneuern. Widerspruch kam prompt: Eine Intelligenz, die interstellare Entfernungen überwinden könne, müsste sich bei DNA-Problemen selbst helfen können, argumentierte ein Teilnehmer.
Würzburg will mehr als einzelne Sichtungen
Kayal warnt, ein Verzicht auf die Erforschung der Phänomene könne bei einem späteren Kontakt mit außerirdischen Besuchern „lebensgefährlich“ sein. Politische, wirtschaftliche, rechtliche, philosophische, physikalische und religiöse Fragen müssten gemeinsam untersucht werden. Das Ifex könne diese Aufgabe wegen begrenzter Mittel nicht allein bewältigen.
Deshalb plant Kayal Fundraising für einen interdisziplinären Forschungsverbund. Zusätzlich sollen vier Arbeitsgruppen zu unterschiedlichen Aspekten des Themas eingerichtet werden. Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) besuchte Kayals Institut.
Das Ifex will eng mit relevanten Behörden zusammenarbeiten, politische Entscheidungsträger wissenschaftsbasiert beraten und transparent sowie verantwortungsvoll mit Öffentlichkeit und Medien kommunizieren. Es versteht sich als zentrale wissenschaftliche Instanz zur Bündelung, Koordination und teilweise eigenen Umsetzung entsprechender Aktivitäten. Angestrebt werden nachhaltige Forschungsstrukturen, weiterentwickelte wissenschaftliche Standards und eine institutionelle Verankerung der langfristigen UAP-Forschung.
Dafür braucht es verlässliche Unterstützung und angemessene Ressourcen. Die Forschungsergebnisse könnten helfen, bislang unzureichend erklärte Beobachtungen besser zu verstehen, und Impulse für technologische Innovationen sowie für Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft geben. Das Ifex hat dazu ein strategisches Positionspapier zur Einrichtung eines Nationalen Kompetenzzentrums und einer Forschungsinfrastruktur veröffentlicht.
SETI: Die Suche nach Signalen aus dem All
Im Konferenztitel steht neben UAP auch SETI. Das Kürzel bedeutet „Search for Extraterrestrial Intelligence“ und bezeichnet die wissenschaftliche Suche nach technologisch entwickelten außerirdischen Zivilisationen. Gesucht wird nach Technosignaturen: Radiosignalen, optischen Laserpulsen, ungewöhnlichen Anomalien im Licht von Sternen oder möglichen chemischen Signaturen in Planetenatmosphären. Einfaches außerirdisches Leben, etwa Mikroben auf dem Mars, gehört dagegen zur Astrobiologie und nicht primär zu SETI.
Die moderne SETI-Forschung begann 1960 mit Frank Drakes Project Ozma. Beobachtet wurden die sonnenähnlichen Sterne Tau Ceti und Epsilon Eridani. Das mehrere Monate dauernde Experiment fand kein positives Signal. Ein Jahr später entwickelte Drake die nach ihm benannte Drake-Gleichung. Sie berücksichtigt unter anderem Sternentstehung, Planetenhäufigkeit, die Entstehung von Leben und die Lebensdauer technologischer Zivilisationen. Je nach Annahmen liefert sie Werte von einer bis zu Millionen möglichen Zivilisationen – vor allem strukturiert sie die Fragestellung, statt eine verlässliche Zahl auszurechnen.
Das SETI Institute wurde 1984 als gemeinnützige Forschungseinrichtung in Kalifornien gegründet. Es vereint Fachleute aus Astronomie, Planetenwissenschaft, Astrobiologie und verwandten Disziplinen; zu den Partnern zählen unter anderem die Nasa, die National Science Foundation und Universitäten. Ein wichtiges Instrument ist das Allen Telescope Array in Hat Creek, Kalifornien: 42 Parabolantennen mit jeweils sechs Metern Durchmesser, seit 2007 in Betrieb und speziell für SETI konstruiert. Damit lassen sich mehrere Frequenzbänder gleichzeitig beobachten.
Das bekannteste ungeklärte Ereignis der SETI-Geschichte bleibt das WOW-Signal. Es wurde am 15. August 1977 von Jerry Ehman am Big-Ear-Teleskop der Ohio State University empfangen und dauerte genau 72 Sekunden – so lange, wie das feststehende Teleskop maximal aufzeichnen konnte. Die Intensität war außergewöhnlich hoch. Ehman schrieb „Wow!“ auf den Ausdruck, wodurch das Signal seinen Namen erhielt.
Trotz Nachbeobachtungen wurde es nie erneut empfangen. Eine eindeutige Erklärung gibt es bis heute nicht; als mögliche natürliche Quelle wurde unter anderem ein Komet vorgeschlagen. Ein Beweis für außerirdische Intelligenz ist das Signal nicht.
Seit 2016 läuft Breakthrough Listen, eine groß angelegte SETI-Initiative mit
