Veit Lang schließt mit 19 Jahren Mathematik und Physik an der JMU ab
Mit 19 Jahren hat Veit Lang an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) seinen Bachelorabschluss in Mathematik und Physik gemacht – mit der Note 1,0. Auch sein Abitur am Egbert-Gymnasium in Münsterschwarzach schloss er mit 1,0 ab. Heute, am 1.10.2026, klingt das noch immer nach einem ziemlich ungewöhnlichen Weg durch Schule und Universität.
Angefangen hat Lang mit 14 Jahren. Über mehr als fünf Jahre absolvierte er zehn Semester Frühstudium parallel zur Schule. Für den Bachelor wären 180 Leistungspunkte nötig gewesen, Lang sammelte 243. In den vergangenen Jahren besuchte er ein bis zwei Lehrveranstaltungen pro Woche in Mathematik und Physik. Mit seiner Schule war vereinbart, dass er dafür nicht am Mathematikunterricht teilnehmen musste. Seine Mathematiklehrerin hatte ihn für das Frühstudium vorgeschlagen.
Vom unsicheren Sitzplatz zum Doppelabschluss
Am Anfang fühlte sich der damals 14-Jährige im Hörsaal zwischen Studierenden Anfang 20 noch unsicher. Verständlich: Während andere vielleicht gerade ihre ersten Mensa-Erfahrungen machten, saß Lang schon in universitärer Mathematik. Mit der Zeit knüpfte er Kontakte – auch zu anderen Frühstudierenden.
Die JMU bietet das Frühstudium seit mehr als 20 Jahren an. Pro Semester schreiben sich dort etwa 50 bis 60 Schülerinnen und Schüler ein. Die meisten besuchen ein oder zwei Semester lang einzelne Veranstaltungen. Vor Lang hatte erst ein anderer Frühstudent im Rahmen des Programms einen Abschluss gemacht. Lang war jedoch der erste Frühstudent der JMU, der gleichzeitig Mathematik und Physik studierte und in beiden Fächern einen Abschluss erwarb.
Sein Zugang zur Mathematik entwickelte sich während des Corona-Lockdowns weiter. Auf Anregung seines Vaters begann Lang, frei zugängliche Vorlesungen im Internet anzusehen. Das verstärkte sein Interesse. Ihn begeistert nach eigenen Angaben vor allem die Denkstruktur hinter der Mathematik und das Analysieren. Mehrere Stunden könne er sich konzentriert mit mathematischen Gleichungen beschäftigen.
Mathematik zwischen Hörsaal und Weinfest
Das Klischee vom zurückgezogenen Einzelgänger kennt Lang natürlich. Er weist aber auf solche Vorurteile gegenüber Mathematikern hin. In seiner Freizeit trainiert er im Fitnessstudio, spielte Tennis, trifft Freunde und besucht mit ihnen Weinfeste. Nicht alle in seinem Freundeskreis interessieren sich für Mathematik. Das scheint zu funktionieren – vielleicht gerade deshalb.
Einen IQ-Test hat Lang nach eigenen Angaben nicht gemacht. Ein Ergebnis würde für ihn nichts ändern. Die Zahl auf einem Testblatt wäre also kein zusätzlicher Antrieb, eher eine Information, die neben seinem Alltag liegen bliebe.
Frühstudium bedeutet grundsätzlich mehr als ein paar Vorlesungen auf Probe. Die Hochbegabtenstiftung der Kreissparkasse Köln und die Universität zu Köln ermöglichen seit dem Wintersemester 2000/2001 ein entsprechendes Angebot für besonders begabte Schülerinnen und Schüler. Teilnehmen können dort Schülerinnen und Schüler der Klassen beziehungsweise Stufen 10 bis 13, an der Philosophischen Fakultät in besonderen Fällen auch aus den Klassen 8 und 9.
Universität schon vor dem Abitur kennenlernen
Das Kölner Programm umfasst Vorlesungen und Übungen in ausgewählten Fächern verschiedener Fakultäten. Die Schülerstudierenden bekommen Einblicke in den Universitätsalltag und in ihr gewähltes Studienfach, können erste Erfahrungen mit wissenschaftlichem Arbeiten sammeln und sich auf universitärem Niveau mit Themen, Theorien und Methoden ihrer Interessenfächer beschäftigen. Auch Prüfungen sind möglich.
Gedacht ist das Frühstudium zur individuellen Förderung. Es soll hochbegabte Schülerinnen und Schüler fördern und bilden, aber auch bei der Studienfachwahl nach dem Abitur Orientierung geben. Bereits erbrachte Leistungen können auf Antrag in einem späteren Studium anerkannt werden. Das Projekt wurde nach Angaben der Universität zu Köln außerdem an vielen anderen Hochschulen eingeführt.
Ohne Rückhalt wird es allerdings schwierig. Eine positive Einstellung der Eltern sowie der Lehrerinnen und Lehrer der jeweiligen Schule gilt für die Teilnahme als nahezu unabdingbar. Weitere Informationen gibt es auf den Seiten der beteiligten Fakultäten und in einer Broschüre.
Andere Modelle für leistungsstarke Jugendliche
Wie solche Brücken zwischen Schule und Hochschule aussehen können, zeigt auch das Projekt „Unitag“ der Technischen Universität München (TUM), eine Begabtenförderung in Kooperation mit dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus. Es richtet sich an besonders leistungsstarke Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe, die zuvor von ihren Schulen und den zuständigen MB-Dienststellen ausgewählt werden.
An jedem Freitag während des Semesters besuchen die Teilnehmenden speziell zusammengestellte universitäre Veranstaltungen der TUM und werden dafür vom regulären Schulunterricht freigestellt. Sie erhalten vertiefte Einblicke in verschiedene Wissenschaftsbereiche sowie in universitäre Fächer, Inhalte und Methoden. Das kann bei der Wahl von Studium, Beruf und Universität helfen. Und nebenbei lernen sie andere begabte und MINT-interessierte Jugendliche kennen – manchmal vermutlich zwischen Hörsaal, Pausenbrot und ziemlich vielen neuen Eindrücken.
