Dürres Jahr lässt Pilze im Südwesten unsichtbar bleiben
Uni Freiburg, 3. Oktober 2026 – Für Pilzsammler ist der Herbst normalerweise Hochsaison. Dieses Jahr bleiben die Körbe in vielen Wäldern Baden-Württembergs nach dem heißen und trockenen Sommer jedoch deutlich leerer. Im Schwarzwald, im Schönbuch und im Rammert wachsen derzeit nur wenige Pilze.
Pilzsachverständiger Ralf Kohnen erwartet, dass 2026 zumindest in der Region Stuttgart als extrem trockenes und pilzarmes Jahr in die Statistik eingeht. Wärme und geringe Niederschläge haben die Böden stark belastet. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes sind die Böden in Süddeutschland ungewöhnlich stark ausgetrocknet, weil es seit März kaum geregnet hat.
Das Myzel hält durch, der Fruchtkörper fehlt
„Für eine bessere Pilzausbeute wäre noch viel Regen nötig“, sagt Lothar Krieglsteiner, Leiter der Pilzschule Schwäbischer Wald. Manche Pilze überstehen kürzere Trockenphasen, solange die Dürre nicht über mehrere Jahre anhält. Genau das hält Krieglsteiner allerdings für wahrscheinlich.
Unter der Erde sieht die Lage robuster aus: Das Pilzgeflecht, das sogenannte Myzel, ist relativ trockenheitsresistent. Der sichtbare Fruchtkörper dagegen besteht größtenteils aus Wasser und trocknet bei Hitze schnell aus. Ohne ausreichenden Regen bildet er sich gar nicht erst – der Pilz ist also nicht unbedingt verschwunden oder abgestorben, er bleibt nur unsichtbar.
Wie lange es nach einem Regenguss dauert, hängt von der Art ab. Einige Pilze bilden bereits nach zwei bis drei Tagen neue Fruchtkörper, andere brauchen zehn bis 14 Tage. Die geringen Niederschläge im September haben die Situation bislang jedenfalls nicht flächendeckend verbessert.
Der Mykologe Flavius Popa forscht im Nationalpark Schwarzwald zwischen Baden-Baden und Freudenstadt. Die Pilzsaison sei noch nicht verloren, sagt er: Sobald wieder genügend Regen fällt, könnten die Pilze neue Fruchtkörper bilden. Für den Herbst erwartet Popa deshalb wieder bessere Bedingungen.
Ein Wald kann voll sein, der nächste fast leer
Zwischen einzelnen Waldgebieten liegen derzeit große Unterschiede. Böden in der Nähe dauerhaft wasserführender Quellen bleiben feuchter; dort wachsen weiterhin Pilze. Bereits jetzt lohnt der Blick an feuchtere Stellen, besonders in Gegenden, in denen größere Regenmengen gefallen sind. Im Schwarzwald nennt Popa unter anderem die Täler auf der Nordseite als mögliche Fundorte.
Wie deutlich die Unterschiede ausfallen können, zeigte eine Untersuchung: An einem Tag wurden im Welzheimer Wald 116 Pilzarten festgestellt, im rund 30 Kilometer entfernten Schurwald am Folgetag dagegen nur knapp 40. Das ist beim Pilzesuchen ungefähr so, als würde man zwei verschiedene Jahreszeiten erwischen.
Der jüngste Regen rund um Stuttgart macht trotzdem Hoffnung. Wenn es in den folgenden Tagen weiterregnet, könnte sich die Pilzlage verbessern. Kohnen erwartet innerhalb von etwa sieben bis zehn Tagen neue Fruchtkörper.
Als mögliche Sammelgebiete rund um Stuttgart nennt er den Schönbuch, den Nordschwarzwald, den Schurwald, die Schwäbische Alb und den Schwäbisch-Fränkischen Wald. Auch im Schwarzwald, Schönbuch und Rammert kann die Suche an feuchten Stellen derzeit mehr bringen als ein Spaziergang durch ausgedörrte Waldabschnitte.
Pfifferlinge, Steinpilze – und ein gefährlicher Doppelgänger
In Kursen wurden bereits Pfifferlinge, verschiedene Röhrlinge, Krause Glucken und Steinpilzarten gefunden. Zugleich kommen wegen der wärmeren Bedingungen inzwischen häufiger wärmeliebende Pilzarten aus Südeuropa vor. Das macht die Sache nicht gerade übersichtlicher.
Der giftige Ölbaumtrichterling kann leicht mit einem Pfifferling verwechselt werden. Deshalb gilt: Pilze sollten nicht gegessen werden, wenn sie nicht eindeutig bestimmt werden können. Ein schöner Fund im Körbchen ist noch lange kein gutes Abendessen.
Außerdem ist die Bundesartenschutzliste zu beachten. Geschützte Arten dürfen nicht gesammelt werden; genannt werden Saftlinge, Rotkappen und Semmel-Porlinge. Wer unsicher ist, lässt den Pilz besser stehen – auch wenn er noch so verlockend zwischen Moos und Laub hervorblitzt.
