Am KIT in Karlsruhe gibt es heute, am 16. Oktober 2026, Grund zur Freude: Im erstmals veröffentlichten Industry Collaboration Index landet die Hochschule auf Platz 10 in Deutschland und weltweit auf Rang 150. Bewertet wurden 1.038 Universitäten. Das ist eine ordentliche Hausnummer.

Zwischen 2021 und 2025 entstanden am Karlsruher Institut für Technologie 1.235 verifizierte wissenschaftliche Arbeiten gemeinsam mit Unternehmen. Mit 214 Unternehmensgruppen veröffentlichte das KIT jeweils mindestens zwei Arbeiten. 56 langfristige Partnerschaften deuten zudem auf eine Zusammenarbeit hin, die nicht nach dem ersten Projekt wieder versandet.

Stark in Energie, Daten und Batterien

Auch der Blick auf einzelne Branchen fällt für Karlsruhe gut aus. Im internationalen Sektorranking erreichte das KIT bei Batterien und Energiespeichern Platz 13, bei der Energiewende Platz 25 sowie im Bereich Software, Cloud und Daten Platz 31. In 13 von 20 veröffentlichten Sektorrankings ist die Hochschule vertreten.

Der Industry Collaboration Index stammt von Global Research Partnerships. Er bewertet Industriekooperationen anhand gemeinsamer Publikationen aus den Jahren 2021 bis 2025. In die Bewertung fließen unter anderem die gemeinsame Forschung, die Beständigkeit der Partnerschaften und die fachliche Vielfalt der beteiligten Partner ein.

Solche Zahlen erzählen allerdings nur einen Teil der Geschichte. Wissenstransfer meint weit mehr als gemeinsame Papers: Dazu gehören Wissenschaftskommunikation, anwendungsorientierte Lehre, Forschung und Beratung, Gründungsförderung sowie Technologietransfer. Forschungsergebnisse gelangen etwa über Hochschulausgründungen oder Kooperationen mit Unternehmen in marktfähige Produkte, Verfahren und Dienstleistungen.

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Vom Labor in die Anwendung – aber bitte nicht auf Schienen

Der Weg dorthin verläuft in der Praxis selten sauber von der Grundlagenforschung über die angewandte Forschung und Produktentwicklung bis zur Markteinführung. Häufiger geht es vor und zurück: Rückschläge, unerwartete Sprünge und Rückkopplungen gehören dazu. Wissen entsteht oft im dauernden Dialog zwischen Grundlagenforschung, angewandter Forschung und Produktentwicklung. Grundlagenforschung kann dabei unmittelbar praktisch relevant werden.

Im Quadrantenmodell von Stokes gelten Erkenntnisinteresse und Anwendungsorientierung als unterschiedliche, aber verbundene Forschungsdimensionen. Die anwendungsorientierte Grundlagenforschung bringt beides zusammen. Transistor, Laser und mRNA-Impfstoffe gelten als Beispiele für grundlegende technologische Neuerungen aus dieser Forschungsform. Bei Quantencomputern treffen fundamentale Fragen der Quantenmechanik auf das Ziel, stabile Qubits und skalierbare Architekturen zu entwickeln.

Untersuchungen schreiben dieser Forschungsform eine hohe Bedeutung für den Technologietransfer zu. Beteiligt sind Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Unternehmen. Transferpolitik sollte deshalb das gesamte Forschungs- und Innovationssystem und die unterschiedlichen Transferpfade berücksichtigen. Deutschland hat dafür viele institutionelle Akteure: Universitäten, Hochschulen für angewandte Wissenschaften, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und private Forschung und Entwicklung.

Die Hochschule als Ausbildungsort, Wissensfabrik und Brücke

Hochschulen erfüllen im Technologietransfer drei Rollen. Sie qualifizieren Menschen, die Wissen später in außerakademischen Tätigkeiten anwenden, sie erzeugen neues Wissen und sie betreiben als „Dritte Mission“ aktiv den Transfer in gesellschaftliche Anwendungen.

Der „Transfer über Köpfe“ ist dabei ein zentraler Weg. Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften sichern Fachkräfte für Regionen und darüber hinaus. Die meisten Promovierten arbeiten mittelfristig außerhalb der Wissenschaft, häufig in industrieller Forschung und Entwicklung. Viele Hochschulen fördern außerdem mit Entrepreneurship Education unternehmerisches Denken und Gründungsorientierung.

Das Erfindungspotenzial deutscher Hochschulpublikationen ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Forschungsergebnisse deutscher Universitäten haben beim Potenzial für patentierte Erfindungen beinahe das Niveau US-amerikanischer Hochschulen erreicht. Der Haken: Häufig werden diese Ergebnisse im Ausland für Erfindungen genutzt, sodass dort Wertschöpfung entsteht. Rund 70 Prozent der patentierten Erfindungen, die auf deutsche Publikationen in Biotechnologie, Maschinenbau sowie Luft- und Raumfahrt verweisen, entfallen auf das Ausland. In der Künstlichen Intelligenz liegt dieser Auslandsanteil bei etwa 90 Prozent.

Forschungsbasierte Unternehmensgründungen waren zuletzt rückläufig. Akademische Gründungen konzentrieren sich auf Hochschulstandorte und entstehen überdurchschnittlich häufig in forschungsstarken Regionen. Auch bei den Patenten zeigt sich ein wechselhaftes Bild: Nach der Abschaffung des Hochschullehrerprivilegs im Erfinderrecht 2002 stiegen die Patentaktivitäten deutscher Hochschulen deutlich an. 2015 wurde mit mehr als 1.200 Patentfamilien der Höchststand erreicht, bis 2021 sank die Zahl auf 887.

Getragen wird die Patentaktivität überwiegend von Universitäten; Hochschulen für angewandte Wissenschaften spielen eine deutlich kleinere Rolle. Besonders forschungsstarke Universitäten stellen einen großen Teil der universitären Patentaktivität. Wissenschaftliche Exzellenz und Technologietransfer hängen eben oft zusammen – Forschungsstärke macht Hochschulen zu wichtigen Akteuren beim Übergang von Wissen in die Anwendung.

Warum der Weg trotzdem oft stockt

Europa verfügt über eine hohe wissenschaftliche Leistungsfähigkeit, ist bei der wirtschaftlichen Verwertung von Forschungsergebnissen aber weniger erfolgreich. Dieses „europäische Paradox“ beschäftigt die Transferdebatte seit Jahren. Deutschland weist insbesondere in Künstlicher Intelligenz, Mikroelektronik und Quantentechnologien Transferschwächen gegenüber den USA auf.

Mit der Abschaffung des Hochschullehrerprivilegs 2002 gingen die Rechte an Hochschulerfindungen von den Wissenschaftler:innen auf die Hochschulen über. Das geistige Eigentum liegt zunächst bei den Hochschulen; Lizenzierungen und Patentübertragungen gehören deshalb zum Technologietransfer. Für forschungsintensive Gründungen sind Nutzungsrechte entscheidend, weil Investor:innen darin ein Signal technologischer Substanz sehen.

In der Praxis können hohe Lizenzforderungen, aufwändige Beteiligungsverhandlungen und rechtliche Vorsicht Gründungen verzögern oder verhindern. Uneinheitliche Regeln, unterschiedliche Interessen und rechtliche Unsicherheit verlängern die Verfahren. Verhandlungen über Eigentumsrechte an Hochschulerfindungen dauern durchschnittlich mehr als 18 Monate. Das ist eine lange Zeit, wenn ein junges Unternehmen gerade versucht, nicht unterzugehen.

Auch die Hochschulkultur bremst. Transfer ist zwar gesetzlich als Hochschulaufgabe verankert, wird aber häufig eher als Zusatzaufgabe denn als strategische Kernaufgabe behandelt. Transfererfolge erhalten meist weniger Anerkennung als erfolgreiche Drittmitteleinwerbungen. Transferstellen sind oft projektbasiert und nicht dauerhaft finanziert; außerdem sind sie vielfach nicht eng genug mit der Forschung verbunden.

Für akademische Karrieren zählen Publikationen und Drittmittel stärker als Transferleistungen. Gründungen oder Verwertungsaktivitäten können dadurch zum Karriererisiko werden. An den meisten Hochschulen gibt es keine etablierten Freistellungsformate für Transfer- oder Gründungsvorhaben. Bayern ermöglicht seit 2023 Gründungsfreisemester mit fortlaufender Bezahlung, in der Regel für bis zu zwei Semester. Bis 2025 wurden dort 27 Gründungsfreisemester bewilligt: 19 an Universitäten und 8 an Hochschulen für angewandte Wissenschaften.

Neue Pläne, offene Baustellen

Der Draghi-Report von 2024 empfiehlt bessere regulatorische Rahmenbedingungen für den Technologietransfer. Wegen der deutschen Wachstumsschwäche und tiefgreifender Transformationsprozesse ist der politische Handlungsdruck gestiegen. Die Bundesregierung will ihre Maßnahmen in einer „Transferagenda“ bündeln und Transfer in der Hightech-Agenda Deutschland als wichtigen Hebel für das Forschungs- und Innovationssystem nutzen.

Die angekündigte „Initiative Forschung & Anwendung“ soll drei Säulen haben: Die Programme ZIM, IGF und INNO-KOM des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie sollen gebündelt werden. Geplant ist außerdem ein „Transferbooster“ beziehungsweise eine neue Transferinitiative. Hinzu kommt die Gründung einer Deutschen Anwendungsforschungsgemeinschaft, kurz DAFG.

Ergänzend sind ein Innovationsfreiheitsgesetz, eine Nationale IP-Strategie und Maßnahmen zur Förderung innovativer öffentlicher Beschaffung vorgesehen. Bei der ersten Säule braucht es eine Abstimmung mit bestehenden Programmen wie EXIST. Die Transferinitiative soll Bedarfe der Wirtschaft mit Forschungsergebnissen und Ideen mit hohem Verwertungspotenzial verbinden.

Geplante bundesweite Transferhubs sollen sich an den Schlüsseltechnologien der Hightech-Agenda orientieren, Transferpotenziale und wirtschaftliche Bedarfe erfassen, diese mehrstufig priorisieren und mit Mentoring, Schnittstellenmanagement sowie modularer