Deutsches Theater Berlin vergibt erstmals internationales Atelier an vier Autorinnen
Das Deutsche Theater Berlin hat die neuen Atelierautorinnen für die Saison 2026/27 bekannt gegeben. Jette Jantine Clasen, Zehra Sönmez und paula lew van well werden in den kommenden Monaten an neuen Schreibvorhaben arbeiten. Ihre Projekte setzte die Jury aus knapp 200 Einreichungen aus dem deutschsprachigen Raum auf die Auswahl.
Zum ersten Mal vergibt das Theater außerdem ein internationales Atelier. Es geht an die polnische Autorin Ewa Mikuła. Vier Schreibpositionen also, vier unterschiedliche Hintergründe – und jede Menge Material für die Bühne, das zunächst einmal auf Papier entstehen muss.
Vier Stimmen, vier Wege
Jette Jantine Clasen wurde 1998 in Bargteheide geboren und arbeitet heute freischaffend als Theaterautorin, Regisseurin und Theaterpädagogin in Zürich. Szenische Künste studierte sie in Hildesheim, wo sie außerdem Mitherausgeberin der Literaturzeitschrift „BELLA triste“ war. Während des Studiums entwickelte sie erste szenische Texte.
Mit „TINYHOUSE“ war Clasen zum Dramenlabor 2022 am Theater Münster eingeladen. Ihr Stück „Unsere Freitage“ stand auf der Shortlist des Hans-Gratzer-Preises 2026.
Ewa Mikuła ist Dramatikerin, Dramaturgin und Theaterregisseurin. Die polnische Autorin arbeitet auch dokumentarisch. Ihr Debüt als Dramatikerin gab sie 2020 mit „Praca, praca“; seither verfasste sie zahlreiche Stücke, die sie meist selbst inszenierte. Dass ihr Atelier international ausgerichtet ist, markiert für das Deutsche Theater einen neuen Schritt.
Zehra Sönmez, Jahrgang 2002, lebt und arbeitet in Dortmund. Sie ist Autorin, Dramaturgin und Künstlerin. An der Technischen Universität Dortmund studierte sie Kunst, Bildungswissenschaft, Germanistik und Deutsch als Zweitsprache. Derzeit studiert sie deutsch-türkische Rechtswissenschaft in Köln und Istanbul sowie Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Dortmund – ein ziemlich voller Stundenplan, selbst für Berliner Verhältnisse.
Für ihr Debütstück „16GB: Tischtennisplattenpolitik“ erhielt Sönmez den Berliner Stückepreis für junges Publikum. Außerdem war sie für den Heidelberger Autorinnenpreis nominiert.
paula lew van well arbeitet freischaffend als Autorin und interdisziplinärer Künstlerin. An der FU Berlin studierte van well Theater- und Literaturwissenschaft, anschließend Sprachkunst an der Angewandten in Wien. Danach folgte die Arbeit an Theaterhäusern und in der Freien Szene. Zahlreiche Texte wurden in Anthologien und Literaturmagazinen veröffentlicht.
Für „Der Mund wenn er kippt ist ein Teich“ erhielt paula lew van well das Peter-Turrini-Dramatikerinnenstipendium.
Schreiben im Verbund
Die Autorinnenateliers sind das Förderprogramm des Deutschen Theaters für neue Dramatik. Zum Atelier gehört eine gemeinsame Text- und Schreibwerkstatt. In drei Arbeitsphasen – im Herbst, im Winter und im Frühling – arbeiten die Autorinnen mit Regiepartnerinnen, Dramaturginnen, Ensemblemitgliedern und weiteren Abteilungen des DT zusammen.
Das klingt nach konzentrierter Schreibtischarbeit, ist aber auf Theater angelegt: Texte werden ausprobiert, weitergedreht, mit Stimmen, Körpern und Räumen konfrontiert. Was dabei entsteht, soll nicht in der Schublade bleiben. Die Inszenierungen der Texte werden im Juni 2027 bei der „Langen Nacht der Autorinnen“ gezeigt.
Ausgewählt wurden die vier Autorinnen von Regisseurin Theresa Thomasberger, Mareike Beykirch, Mitglied des DT-Ensembles, sowie Lilly Busch aus der DT-Dramaturgie und der Festivalleitung ATT.
Von der FU Berlin aus betrachtet liegt das Deutsche Theater nur ein paar Schritte und doch eine ganze Welt entfernt: Hörsaalgeräusche hier, Probenräume dort, dazwischen die eigentliche Arbeit am Text. Am 15.10.2026 beginnt für die neuen Atelierautor*innen jedenfalls eine Saison, in der aus Einreichungen Bühnenmaterial werden soll – langsam, gemeinsam und mit offenem Ausgang.
