Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz darf ab 2027 gemeinsam mit der TU Darmstadt und der Goethe-Universität Frankfurt den Titel „Exzellenzuniversität“ tragen. Der Wissenschaftsrat verkündete die Entscheidung am 2. Oktober 2026 in Bonn. Für die Allianz der Rhein-Main-Universitäten, kurz RMU, ist das ein großer Schritt – und für Hessen und Rheinland-Pfalz ein ziemlich wichtiger Tag.

Als länderübergreifender Verbund erhält die RMU ab 2027 bis zu 155 Millionen Euro Förderung über sieben Jahre, also bis 2033. 75 Prozent übernimmt der Bund, 25 Prozent trägt das jeweilige Land. Hessen und Rheinland-Pfalz hatten die Bewerbung mit einer Verwaltungsvereinbarung und gleichlautenden Beschlüssen ihrer Landtage unterstützt. Am Standort Uni Saarland schaut man an diesem 2.10.2026 entsprechend auf eine Entscheidung, die weit über die Rhein-Main-Region hinausreicht.

„RMU-EXCITE“ soll die Region verändern

Grundlage für den Erfolg ist der Antrag „RMU-EXCITE – Excellent. Collaborative. Transformative“. Ziel ist, Frankfurt-Rhein-Main bis 2033 zu einer international führenden Wissenschaftsregion zu entwickeln. Die drei Universitäten sollen zu einem international führenden Zentrum für Spitzenforschung ausgebaut werden und Antworten auf komplexe wissenschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen entwickeln.

Die RMU-Universitäten kommen zusammen auf mehr als 90.000 Studierende und rund 1.500 Professuren. Sie arbeiten bereits in Forschung, Studium und Lehre, bei der Nachwuchsförderung sowie beim Wissenstransfer in Wirtschaft und Gesellschaft zusammen. Gebündelt wird die Arbeit in vier Profilbereichen: Data für Datenwissenschaften und künstliche Intelligenz, Health für Lebenswissenschaften und Medizin, Matter für Material- und Naturwissenschaften sowie Society für Geistes- und Sozialwissenschaften.

Geplant sind strategische Berufungen, gemeinsame Spitzenforschungs-Infrastrukturen und innovative Studienangebote. Dazu kommen zusätzliche Angebote für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in frühen Karrierephasen sowie Programme für Personen mit Führungsverantwortung innerhalb und außerhalb der RMU. Die Strategie setzt außerdem auf starke und synergetische Disziplinen an allen drei Universitäten, auf eine neue Generation von Forschenden, Studierenden und Fachkräften und auf die gemeinsame Gestaltung nachhaltiger Transformation.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Wissenschaft und Gesellschaft sollen durch Dialog, Teilhabe und gemeinsame Wissensgestaltung enger zusammenrücken. Wissenschaftliche Erkenntnisse sollen stärker im Austausch mit Gesellschaft, Wirtschaft und Politik nutzbar gemacht werden. Die Präsidenten der drei Universitäten sehen in der Förderentscheidung eine Anerkennung der gemeinsamen Arbeit und Zusammenarbeit. Als zentrale Stärken der Allianz gelten die Vielfalt und Komplementarität der drei Hochschulen sowie neue gemeinsame Forschungs- und Bildungsangebote.

Rückenwind aus Mainz, Wiesbaden und Berlin

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) bezeichnete den Erfolg als Gewinn für Rheinland-Pfalz und den deutschen Wissenschaftsstandort. Wissenschaftsminister Clemens Hoch (SPD) erklärte, die Entscheidung bestätige die Stärke der länderübergreifenden Zusammenarbeit. Die Förderung schaffe von 2027 bis 2033 Planungssicherheit und neue Gestaltungsmöglichkeiten, sagte Hoch. Davon sollen Wissenschaft, akademischer Nachwuchs sowie Gesellschaft und Wirtschaft profitieren.

Hessens Wissenschaftsminister Timon Gremmels bezeichnete die RMU als erste Universitäten in Hessen und als ersten länderübergreifenden Verbund mit Exzellenzstatus in der Exzellenzstrategie. JGU-Präsident Georg Krausch sagte, die Förderung schaffe neue Möglichkeiten für Forschung, Studium, Lehre und Austausch. Das klingt nach großen Plänen – und nach einer Menge Arbeit, sobald die ersten Förderjahre begonnen haben.

Neben der RMU erhalten künftig auch die Universitäten Freiburg, Jena und Köln sowie die TU Dortmund den Exzellenzstatus. Die Universität Bochum wird im Verbund „Ruhr Innovation Lab“ gefördert. Damit gehört die RMU zu den 12 ausgezeichneten Einzeluniversitäten und drei Exzellenzverbünden in Deutschland. Für 2027 bis 2033 kommen außerdem neun bereits 2019 ausgewählte Einzeluniversitäten und ein Verbund hinzu, die im März 2026 positiv evaluiert wurden.

Bisher tragen zehn deutsche Hochschulen und Hochschulverbünde den Titel: die RWTH Aachen, die Universität Bonn, die TU Dresden, die Universität Hamburg, die Universität Heidelberg, das KIT Karlsruhe, die LMU München, die TU München, die Universität Tübingen und der Berliner Verbund aus drei Hochschulen. Deren Förderung wurde im Frühjahr um weitere sieben Jahre verlängert. Exzellenzuniversitäten müssen alle sieben Jahre die Fördervoraussetzungen überprüfen lassen.

Ein mehrstufiger Wettbewerb

Der Weg zur Entscheidung begann mit den schriftlichen Anträgen und Gesamtstrategien, die die Hochschulen im November 2025 einreichten. Internationale Wissenschaftler begutachteten die Einrichtungen im Frühjahr 2026 vor Ort; die Besuche internationaler Gutachterpanels fanden von April bis Juni 2026 statt. Die Exzellenzkommission traf die endgültige Entscheidung in einer mehrtägigen Sitzung.

Der Kommission gehören 39 internationale Wissenschaftsexpertinnen und -experten sowie die Wissenschaftsministerinnen und -minister von Bund und Ländern an. Das Gremium besteht aus dem Committee of Experts und den für Wissenschaft und Forschung zuständigen Bundes- und Landesministerinnen und -ministern. Das von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) eingesetzte Committee of Experts gestaltet das Förderprogramm. Seine 39 Mitglieder verfügen über ausgewiesene Forschungserfahrung und langjährige Erfahrung unter anderem im Ausland, im Hochschulmanagement, in der Lehre oder in der Wirtschaft.

Am 2. Oktober 2026 wurden im Rahmen der Exzellenzstrategie neue Exzellenzstandorte ausgewählt, die künftig institutionell gefördert werden. Die Exzellenzstrategie, kurz ExStra, ist ein dauerhaftes Förderprogramm von Bund und Ländern. Sie soll wissenschaftliche Spitzenleistungen fördern, Profilbildungen und Kooperationen unterstützen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands stärken – zugleich aber auch die Qualität des Hochschul- und Wissenschaftssystems insgesamt fördern.

Die Förderung hat zwei Linien. Exzellenzcluster stärken international wettbewerbsfähige Forschungsfelder an deutschen Universitäten und Universitätsverbünden. Exzellenzuniversitäten werden auf Grundlage erfolgreicher Exzellenzcluster dauerhaft institutionell gestärkt. Seit Januar 2026 werden 40 Exzellenzcluster an 43 deutschen Universitäten gefördert. Für diese Förderlinie ist die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) zuständig; über die Förderlinie Exzellenzuniversitäten entscheidet der Wissenschaftsrat (WR).

Mehr Geld, mehr Prüfungen

Für die Exzellenzstrategie stellen Bund und Länder jährlich 687 Millionen Euro bereit. Die Förderung beider Linien beträgt derzeit jährlich 533 Millionen Euro, ab 2026 steigt das Gesamtbudget auf 687 Millionen Euro pro Jahr. Neben der institutionellen Förderung werden spezielle Forschungscluster unterstützt: In Hessen gibt es derzeit sechs geförderte Cluster, in Rheinland-Pfalz eines.

Das Verfahren umfasst die Evaluation der bisher geförderten Exzellenzuniversitäten und des Exzellenzverbunds ebenso wie ein Neuausschreibungsverfahren für antragstellende Universitäten und Universitätsverbünde. Seit 2019 werden zehn Universitäten und ein Universitätsverbund als Exzellenzstandorte gefördert. Für die Förderlinie Exzellenzuniversitäten ist der Wissenschaftsrat zuständig, für die Exzellenzcluster die DFG.

Die Exzellenzstrategie basiert auf einer Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern. Über die Förderung entscheidet in beiden Linien die Exzellenzkommission. Weitere Informationen nennt der Wissenschaftsrat auf www.exzellenzstrategie.de sowie auf den Webseiten der DFG, des Wissenschaftsrats und der GWK. In Hessen und Rheinland-Pfalz war der Titel bisher nicht vertreten. Das hat sich heute geändert.