Universität Freiburg kehrt als Exzellenzuniversität an die Spitze zurück
Die Universität Freiburg bekommt ihren Status als Exzellenz-Universität zurück. Ab Januar 2027 fließen damit jährlich etwa 10 bis 15 Millionen Euro zusätzliche Fördermittel nach Freiburg – zunächst für sieben Jahre. An der Universität wurde die Entscheidung heute, am 2. Oktober 2026, gemeinsam von Studierenden, Forschenden, Mitarbeitenden und dem Rektorat im Livestream verfolgt. Danach: großer Jubel.
Bundesforschungsministerin Dorothee Bär verlieh den Titel in Bonn. Rektorin Kerstin Kriegelstein nannte die Entscheidung eine Anerkennung der wissenschaftlichen Leistungen und der Arbeit der Universität. Ihrer Einschätzung nach verbessert der Titel künftig die Bedingungen für Forschende in Freiburg. Die Förderung beginnt am 1. Januar 2027.
Nach drei Anläufen zurück an die Spitze
Freiburg war bereits 2007 als Exzellenzuniversität ausgezeichnet worden, verlor den Status 2012 und konnte ihn auch 2019 nicht zurückgewinnen. Im dritten Anlauf hat es nun geklappt. In den vergangenen Jahren bereitete sich die Universität intensiv vor, um ihre Spitzenforschung langfristig zu stärken und ihre internationale Position auszubauen.
Voraussetzung für die Bewerbung war der Erfolg in der ersten Förderlinie der Exzellenzstrategie 2025 mit mindestens zwei Exzellenzclustern. Freiburg war mit zwei Forschungsverbünden erfolgreich. CIBSS – Centre for Integrative Biological Signalling Studies untersucht, wie Zellen über biologische Signale kommunizieren. Daraus sollen unter anderem neue Ansätze gegen Infektionskrankheiten und Krebs entstehen.
Das zweite Cluster, „Future Forests“, widmet sich der Frage, wie sich Wälder an die Folgen des Klimawandels anpassen können. Mehr als 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen darüber sieben Jahre lang – auch mit Blick auf den Erhalt der Ökosystemleistungen und die künftige Nutzung von Wäldern. Laut Artikel ist „Future Forests“ deutschlandweit das einzige Exzellenzcluster, das seine Forschung vollständig auf die Zukunft und Nutzung von Wäldern konzentriert.
Durch die beiden Cluster qualifizierte sich Freiburg für die zweite Förderlinie. Dort wird die Universität als Ganzes gefördert, nicht nur einzelne Forschungsprojekte. Der Exzellenzstatus soll neben dem Geld auch die internationale Sichtbarkeit und die Wettbewerbsfähigkeit um Forschende und Studierende erhöhen.
Vier Exzellenzuniversitäten in Baden-Württemberg
Freiburg war die einzige Universität in Baden-Württemberg, die sich in diesem Verfahren neu bewerben konnte. Das Land hat damit weiterhin vier Exzellenzuniversitäten: die Universität Freiburg, die Universität Tübingen, die Universität Heidelberg und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT).
Neue Exzellenzstandorte sind außerdem die Universitäten Jena und Köln, der Verbund Ruhr Innovation Lab aus TU Dortmund und Ruhr-Universität Bochum sowie die Rhein-Main-Universitäten Darmstadt, Mainz und Frankfurt. Insgesamt hatten sich elf Universitäten aus Deutschland im Neuantragsverfahren beworben. Bis zu fünf weitere Exzellenzstandorte konnten künftig gefördert werden.
Entscheidung in Bonn, Livestream nach Freiburg
Die Exzellenzkommission traf ihre Entscheidung am 2. Oktober 2026. Ihr gehören 71 Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft und Politik an. Die Ergebnisse wurden am Freitag, 2. Oktober 2026, um 16 Uhr im Wissenschaftszentrum Bonn verkündet. Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt sowie Vorsitzende der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK), und Falko Mohrs, niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur sowie stellvertretender GWK-Vorsitzender, übernahmen die Verkündung.
Anschließend wurden die Ergebnisse eingeordnet, dazu kam eine Fragerunde. Die Pressekonferenz fand vor Ort und digital statt und wurde zusätzlich live auf YouTube übertragen; im YouTube-Stream waren keine Fragen möglich. Auf dem Podium saßen Wolfgang Wick, Vorsitzender des Wissenschaftsrats sowie des Committee of Experts und der Exzellenzkommission, Professor für Neurologie und Ärztlicher Direktor der Neurologischen Klinik am Universitätsklinikum Heidelberg, außerdem Katja Becker, Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie Vorsitzende des Committee of Experts und der Exzellenzkommission, Dorothee Bär, Falko Mohrs und Peter Wagner, Mitglied des Committee of Experts und ICREA-Forschungsprofessor für Sozialwissenschaften an der Universität Barcelona.
Moderiert wurde die Veranstaltung von Georg Scholl, Pressesprecher des Wissenschaftsrats, und Marco Finetti, Pressesprecher der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Für die Akkreditierung war eine Anmeldung bis Mittwoch, 30. September 2026, 16 Uhr, per E-Mail an pressekonferenz@wissenschaftsrat.de erforderlich – mit Name, Medium beziehungsweise Institution sowie der Angabe, ob die Teilnahme vor Ort oder digital erfolgt. Der Zoom-Einwahllink wurde am Donnerstag, 1. Oktober 2026, versendet.
Auf der Liste des Neuantragsverfahrens standen neben Freiburg das Ruhr Innovation Lab aus Ruhr-Universität Bochum und Technischer Universität Dortmund mit dem Motto „An ecosystem for a future proof society“, die Northwest Alliance aus Universität Bremen und Carl von Ossietzky Universität Oldenburg („Connecting for Tomorrow“), die Rhein-Main-Universitäten aus Technischer Universität Darmstadt, Goethe-Universität Frankfurt am Main und Johannes Gutenberg-Universität Mainz („EXCITE – Excellent. Collaborative. Transformative.“), die Justus-Liebig-Universität Gießen und Philipps-Universität Marburg („H_CORE – Hessian Collaboration for Research Excellence“), die Leibniz Universität Hannover („Excellence. Impact. Change! United in the Spirit of Leibniz“), die Medizinische Hochschule Hannover („INSPIREfutureHealth“), die Friedrich-Schiller-Universität Jena („LIGHT. LIFE. LIBERTY – Connecting People and Ideas“), die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel („Connecting Horizons. From the Baltic Perspective to Global Impact“), die Universität zu Köln („NEUE UNIVERSITÄT – Continuous Change. Successful Renewal.“) und die Julius-Maximilians-Universität Würzburg („Empowering for Change“). Freiburg trat mit dem Motto „The Future Research University: Sparking Change That Matters“ an.
Wer über Exzellenz entscheidet
Über Antragsskizzen und Anträge im Rahmen der Exzellenzstrategie entscheiden das Committee of Experts und die Exzellenzkommission. Das Committee of Experts besteht aus 39 ausgewiesenen Forschenden verschiedener Wissenschaftsgebiete und bildet das gesamte Disziplinenspektrum ab. Seine Mitglieder bringen außerdem langjährige Erfahrungen im Ausland, im Hochschulmanagement, in der Lehre oder in der Wirtschaft mit.
Der beziehungsweise die Vorsitzende des Wissenschaftsrats sowie der Präsident oder die Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft gehören dem Committee of Experts ohne Stimmrecht an und führen gemeinsam den Vorsitz. Das Gremium legt Förderbedingungen fest, bewertet Skizzen und Anträge auf Grundlage wissenschaftlicher Begutachtungen, gibt Förderempfehlungen an die Exzellenzkommission und entscheidet, welche Skizzen zur Antragstellung berechtigen. Auch die Ergebnisse der Evaluation von Exzellenzuniversitäten gehören zu seinen Aufgaben.
Die Exzellenzkommission setzt sich aus dem Committee of Experts sowie den für Wissenschaft zuständigen Ministerinnen und Ministern des Bundes und der Länder zusammen. Auf Grundlage der Empfehlungen des Committee of Experts entscheidet sie über die Förderung von Exzellenzclustern und Exzellenzuniversitäten. Weitere Informationen stellt die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz auf ihrer Webseite zur Exzellenzstrategie bereit.
