Am Mittwoch, 21. Oktober 2026, um 18:00 Uhr c.t. hält Henrik Hördemann an der Universität Münster einen Vortrag über spätmamlukische Kupferteller. Sein Thema lautet: „Von Gouverneuren und Wasserträgern. Die spätmamlukischen Kupferteller der Sammlung für Arabistik und Islamwissenschaft, Münster“.

Die Veranstaltung findet in der Sammlung des Instituts für Arabistik und Islamwissenschaft statt. Gesprochen wird auf Deutsch; eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Abend gehört zur Wintervortragsreihe des Instituts für Arabistik und Islamwissenschaft und zugleich zur Reihe „Emerging Scholars Research Asia (ESRA)“.

Wenn Kupfer vom Alltag erzählt

Kupferteller klingen zunächst nach Gebrauchsgegenständen, nach Küche, Markt und Alltag. In der islamischen Metallkunst konnten solche Dinge allerdings weit mehr sein: Kunstvoll gestaltete Objekte dienten auch als Statussymbole. Die Metallkunst zählt neben Keramik sowie Glas-, Holz-, Bergkristall-, Elfenbein- und Textilkunst zu den wichtigen Bereichen des islamischen Kunsthandwerks.

Die frühesten bekannten islamischen Metallwaren wurden in Jordanien gefunden und stammen aus der Umayyadenzeit. Ihre Formen zeigen noch starke byzantinische und sassanidische Einflüsse. Zunächst wurden spätantike und sassanidische Traditionen fortgeführt; ab dem 12. Jahrhundert entwickelte die Metallkunst eigenständige Formen und erlebte eine erste Blütezeit.

Frühe Produktionszentren lagen in Nordiran und Chorasan, besonders in Herat. Später gewann Mosul an Bedeutung. Die Bezeichnungen al-Harawī („aus Herat“) und al-Mausilī („aus Mosul“) verwendeten Metallkünstler dabei auch als Qualitäts- oder Meisterschaftsbezeichnungen – unabhängig davon, wo sie tatsächlich arbeiteten.

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Flache Reliefs, glänzende Einlagen

Im Vergleich zu älteren Traditionen wirkten islamische Metallarbeiten stärker abstrahiert und stilisiert. Reliefs wurden meist flacher ausgeführt. Geometrische und pflanzliche Muster mit Medaillons ersetzten häufig die überwiegend figürlichen Dekore der sassanidischen Zeit, ohne diese vollständig abzulösen.

Kunsthistorisch bedeutsam sind Objekte mit Edelmetalleinlagen im Tauschierverfahren, das vor allem vom 12. bis zum 15. Jahrhundert eingesetzt wurde. Für die Einlagen dienten vor allem Silber, seltener Gold, Kupfer und Niello. So entstanden mehrfarbige Oberflächen, die im Licht vermutlich ordentlich aufblitzten.

Hauptmaterialien waren Bronze und Messing. In mittelalterlichen arabischen Texten wurden beide häufig unspezifisch als „Sufr“ bezeichnet, was eine genaue Materialbestimmung erschwert. Ein hoher Zinnanteil erzeugte einen goldähnlichen Farbton und erleichterte die Verarbeitung.

Für Gussarbeiten nutzten Handwerker oft Wachsmodelle, die nach der Fertigstellung ausgeschmolzen wurden. Wiederverwendbare Holzmodelle ermöglichten wiederholte Nachgüsse und eine serielle Produktion im Vollguss; Tonmodelle dienten häufig als Vorlagen. Der Ingenieur al-Dschazarī beschrieb im 12. Jahrhundert ausführlich den Serienguss und das Tauschierverfahren.

Von Wasserbecken bis zum Greif von Pisa

Zum Spektrum gehörten verzierte Wasserbecken und -kannen, magische Schalen, Kerzenleuchter und Moscheeampeln, Weihrauchgefäße, Truhen für Koranhandschriften, mechanische Geräte – insbesondere Astrolabien –, außerdem Schmuck, Waffen, Münzen und Luxusgeschirr. Letzteres wurde in der islamischen Tradition wegen übermäßiger Prunksucht eher missbilligt.

Zu den überlieferten Beispielen zählen ein ilchanidisches Wasserbecken mit Jagdszenen aus Kupfer mit Silbertauschierung, das im Iran zwischen 1330 und 1360 entstand, eine bauchige Kanne mit drachenförmigem Henkel aus Afghanistan von etwa 1500 bis 1525 sowie eine mamlukische Räucherkugel aus dem späten 15. oder frühen 16. Jahrhundert.

Seltener sind figürliche Arbeiten wie Aquamanilen in Vogel- oder Greifenform. Ihre Herstellungstechnik könnte auf Erfahrungen von Handwerkern in Sindh, Westindien und Kaschmir bei der Fertigung von Buddha-Statuen aus Messing zurückgehen. Ein berühmtes Beispiel ist der im 11. Jahrhundert gefertigte „Greif von Pisa“, ein über einen Meter hoher Wasserspeier, den die Republik Pisa vermutlich aus fatimidischem Besitz erbeutete.

Verloren, signiert, weit gereist

Viele Objekte gingen verloren, weil sie in Krisenzeiten eingeschmolzen wurden. Besonders hochwertige Arbeiten aus Gold und Silber sind deshalb teilweise nur durch zeitgenössische schriftliche Beschreibungen überliefert. Islamische Metallarbeiten sind im Vergleich zu Keramik häufig signiert – Biographien der ausführenden Meister gibt es jedoch nur wenige.

Technische und stilistische Neuerungen beeinflussten auch andere Kunstzweige. Die Lüstertechnik der Keramik wurde ausdrücklich entwickelt, um den Glanz von Metallarbeiten nachzuahmen. Unter den Mogulherrschern Indiens kamen ab dem 16. Jahrhundert Zinkarbeiten auf, die als Bidri-Waren bezeichnet werden.

Islamische Metallwaren blieben nicht an einen Ort gebunden. Als Exportgüter und diplomatische Geschenke gelangten sie nach China, Russland und über den Mittelmeerraum nach Skandinavien. Im frühneuzeitlichen Venedig wurden insbesondere Tauschierarbeiten häufig nachgeahmt und kopiert.

In Deutschland befinden sich bedeutende Sammlungen im Museum für Islamische Kunst in Berlin, unter anderem auf Grundlage der von Friedrich Sarre zusammengestellten und teilweise gestifteten Sammlung, sowie im Universitätsmuseum für Islamische Kunst in Bamberg, dessen Bestand auf der Bumiller Collection beruht. In Münster richtet sich der Blick nun auf die spätmamlukischen Kupferteller der Sammlung für Arabistik und Islamwissenschaft – auf Gouverneure, Wasserträger und die Spuren einer Kunst, die im Alltag anfangen kann und schnell weit darüber hinausführt.