Universität Würzburg vor dem Sprung in die Exzellenzliga
Würzburg könnte am 2. Oktober den Titel „Exzellenzuniversität“ erhalten. Für die Julius-Maximilians-Universität wäre das ein großer Schritt: Sie wäre die dritte Exzellenzuniversität in Bayern – und die erste außerhalb Münchens. Die Entscheidung fällt durch eine Exzellenzkommission. Mit dem Titel verbunden sind jährliche Fördermittel in Millionenhöhe.
Heute, am 27.09.2026, richtet sich der Blick deshalb auch an der Uni Heidelberg auf den Wettbewerb. Die Exzellenzstrategie ist ein gemeinsames Förderprogramm von Bund und Ländern. Würzburg hat sich 2025 um den Exzellenztitel beworben. Bei Erfolg würde die Universität ab dem 1. Januar 2027 zum Kreis der deutschen Exzellenzuniversitäten gehören; gültig wäre der Titel bis 2033.
Zwei Cluster als Eintrittskarte
Für die Bewerbung waren mindestens zwei Exzellenzcluster Voraussetzung. Würzburg erhielt 2019 das Cluster „Complexity and Topology in Quantum Matter“ (ct.qmat), das sich mit neuen Quantentechnologien befasst. 2025 kam das „Cluster for Nucleic Acid Sciences and Technologies“ (NUCLEATE) hinzu. Im Mittelpunkt stehen Nukleinsäuren wie DNA.
Im zweiten Bewerbungsschritt wird nicht nur auf einzelne Forschungsprojekte geschaut. Bewertet wird die strategische Gesamtentwicklung der Universität. Würzburg erwartet sich von einer erfolgreichen Bewerbung größere internationale Aufmerksamkeit und eine weitere Verbesserung von Forschung und Lehre.
Die Cluster-Förderung soll international wettbewerbsfähige Forschungsfelder an deutschen Universitäten und Universitätsverbünden projektbezogen stärken. Sie soll außerdem die wissenschaftliche Profilbildung und Prioritätensetzung schärfen sowie exzellente Ausbildungs- und Karrierebedingungen für Wissenschaftlerinnen in frühen Karrierephasen schaffen.
Anträge können einzelne Universitäten oder Universitätsverbünde stellen. Beteiligt werden können auch Wissenschaftlerinnen anderer Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, Unternehmen der Privatwirtschaft und Einrichtungen anderer Gesellschaftsbereiche.
Millionen für Forschung und Strategie
Ein Exzellenzcluster muss das Profil der antragstellenden Universität oder Universitäten deutlich schärfen, klare Prioritäten setzen und erkennbare Entwicklungsperspektiven bieten. Erwartet werden herausragende Vorarbeiten und eine Auseinandersetzung mit den eigenen Stärken und Schwächen. Zu den zentralen Förderkriterien zählen die Exzellenz der Forschung, hervorragend ausgewiesene Wissenschaftler*innen, hochwertige unterstützende Strukturen und ein förderliches, leistungsfähiges Umfeld.
Pro Exzellenzcluster können jährlich 3 bis 10 Millionen Euro fließen. Finanzierbar sind Personalkosten, Sachkosten und Investitionskosten. Zusätzlich enthalten die Fördermittel eine Programmpauschale von 22 Prozent der bewilligten und verausgabten direkten Projektmittel.
Universitäten mit Exzellenzclustern können außerdem eine Universitätspauschale als Strategiezuschlag von bis zu 1 Million Euro jährlich beantragen. Bei mehreren Clustern beträgt sie 1 Million Euro für den ersten Cluster, 750.000 Euro für den zweiten und 500.000 Euro für jeden weiteren. Die Pauschale entfällt, wenn die Universität als Exzellenzuniversität gefördert wird.
Die Förderung läuft maximal über zwei Förderperioden von jeweils sieben Jahren. Cluster, die nach sieben Jahren nicht fortgesetzt werden, können höchstens zwei Jahre lang eine degressive Auslauffinanzierung erhalten.
Wer noch ins Rennen geht
Neben Würzburg bewarben sich die Ruhr-Universität Bochum und die Technische Universität Dortmund, die Universität Bremen und die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, die Technische Universität Darmstadt, die Goethe-Universität Frankfurt am Main und die Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie die Universität Freiburg.
Weitere Bewerbungen kamen von der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Philipps-Universität Marburg, der Leibniz Hochschule Hannover, der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und der Universität zu Köln. Bildungseinrichtungen können sich einzeln oder im Verbund bewerben.
Aktuell tragen neun Universitäten und ein Verbund in Deutschland den Exzellenztitel. Zu den bisherigen bayerischen Exzellenzuniversitäten gehören die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und die Technische Universität München (TUM).
Zehn der zuvor elf geförderten Universitäten und Verbünde sollen ab 2027 weiter gefördert werden: die RWTH Aachen, die Berlin University Alliance aus Freier Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin und Technischer Universität Berlin, die Universität Bonn, die Technische Universität Dresden, die Universität Hamburg, die Universität Heidelberg, das Karlsruher Institut für Technologie, die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Technische Universität München und die Universität Tübingen.
Neue Runde ab 2027
Die Förderlinie Exzellenzuniversitäten soll einzelne Universitäten oder universitäre Exzellenzverbünde dauerhaft stärken. Grundlage sind langfristige gemeinsame strategische Ziele und eine dauerhaft angelegte Kooperation. Die internationale Spitzenstellung in der Forschung soll auf Basis erfolgreicher Exzellenzcluster ausgebaut werden.
Für die erste Förderentscheidung stehen jährlich rund 148 Millionen Euro für 11 Förderfälle zur Verfügung. In der zweiten Ausschreibungsrunde mit Förderbeginn 2027 sollen bei erfolgreichem Wettbewerb vier neue Förderfälle aufgenommen werden. Der Wissenschaftsrat entwickelt und führt das Auswahlverfahren durch und evaluiert die Förderlinie im Abstand von sieben Jahren.
Würzburg wartet also nicht nur auf ein Etikett. Am 2. Oktober entscheidet sich, ob aus zwei starken Forschungsfeldern und einer strategischen Bewerbung der Sprung in die nationale Spitzengruppe wird. Bis dahin bleibt es bei Akten, Gutachten und diesem etwas nervösen Blick auf den Kalender.
