BTU bündelt Kultur- und Naturerbe im neu gestarteten Heritage Centre
Die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) hat ihr Heritage Centre neu gestartet. Am 21. Oktober 2026 wurde das Forschungsforum für Kultur- und Naturerbe auf dem Zentralcampus in Cottbus offiziell eröffnet. Heute, am 31. Oktober 2026, ist der Neustart also gerade einmal wenige Tage her.
Heritage soll dabei nicht bloß Rückblick sein. Im Mittelpunkt stehen der Erhalt historischer Gebäude, kultureller Werte und des natürlichen Erbes – aber auch gesellschaftliche Werte, Erinnerung und Identität. Zugleich geht es um Gegenwartsfragen: Klima- und Strukturwandel, bewaffnete Konflikte, politische Polarisierung, soziale Ungerechtigkeit und Künstliche Intelligenz. Ganz schön viel für ein Forschungsforum, könnte man meinen. Genau deshalb will die BTU vorhandene Kompetenzen enger zusammenbringen.
Ein offenes Forum für viele Fachrichtungen
Das Heritage Centre bündelt Forschungsbereiche, die an der Universität bereits bestehen, und soll den Austausch zwischen den Disziplinen verstärken. Beteiligt sind unter anderem Geistes- und Sozialwissenschaften, Künste, Naturwissenschaften, Physik, Chemie, Ingenieurwesen und technologische Fachrichtungen. Forschungsansätze zum Thema gibt es bereits in nahezu allen Fakultäten der BTU.
Ein völlig neues Forschungsgebiet wird also nicht aus dem Boden gestampft. Eher werden Türen geöffnet, die bisher vielleicht nur angelehnt waren. Forschende, Lehrende und Studierende können Erfahrungen und Fachkenntnisse zusammenführen, Netzwerke und Kooperationen innerhalb und außerhalb der Universität aufbauen, gemeinsame Projekte entwickeln und Fördermittel einwerben. Dazu kommen Veranstaltungen, gemeinsame wissenschaftliche Veröffentlichungen sowie das Teilen vorhandenen Wissens und vorhandener Ressourcen.
Das Centre richtet sich ausdrücklich nicht nur an Universitätsangehörige. Auch Personen außerhalb der BTU können Mitglied werden, an Aktivitäten teilnehmen und den Forschungs- und Studienschwerpunkt Heritage mitgestalten. Die Heritage-Forschung verbindet dabei etwa Philosophie, Kunst sowie Sozial- und Geisteswissenschaften mit Physik, Chemie, Ingenieurwesen und Technologie. Ein ziemlich weiter Horizont – vom historischen Mauerwerk bis zur Frage, wie Künstliche Intelligenz unser Verständnis von Erbe verändert.
Eine lange Vorgeschichte
Geleitet wird das Heritage Centre von Prof. Dr. Johanna Blokker, der Leiterin des Fachgebiets Denkmalpflege. Zugleich ist sie Inhaberin des UNESCO-Lehrstuhls für Heritage Studies, den sie im Dezember 2025 übernommen hat. Den UNESCO-Lehrstuhl gibt es an der BTU bereits seit 2003.
Auf dieser Entwicklung baut das neue Centre auf. Von 2014 bis 2023 förderte die Deutsche Forschungsgemeinschaft das Graduiertenkolleg „Kulturelle und technische Werte historischer Bauten“. Daraus ging das frühere Cultural Heritage Centre hervor. Mit der Neuausrichtung unter dem UNESCO-Lehrstuhl will die BTU die bestehende Forschung weiterentwickeln und die fachübergreifende Zusammenarbeit ausbauen.
Beim Relaunch am 21. Oktober 2026 waren Universitätsangehörige aus allen Fakultäten auf dem Zentralcampus in Cottbus dabei. Blokker versteht Heritage laut BTU nicht nur als Blick zurück, sondern als Zukunftsfrage. Das Heritage Centre soll gemeinsame Forschung, neue Ideen und internationale Zusammenarbeit ermöglichen.
Die Themen reichen dabei bis in mehrere Studienangebote hinein: den Master „World Heritage Studies“, den Master „Heritage Conservation and Site Management“, das Promotionsprogramm „Heritage Studies“, Bau- und Kunstgeschichte, Architektur, „Urban Design and Sustainable Revitalization“, „Transformation Studies“ sowie das Weiterbildungsprogramm „Technology, Science and Society“ (TeSS). In den Bezeichnungen stehen je nach Angebot auch die Abschlüsse M.A., M.Sc., Ph.D. und D.A.S.
Bildung, Klima und Welterbe
Wie breit das Umfeld des Heritage Centre ist, zeigt ein Blick auf Projekte des Institute Heritage Studies. Im laufenden Projekt „Erbe bildet nachhaltig“ entstehen Konzepte und praktische Ansätze für nachhaltige Bildung zu kulturellem und natürlichem Erbe. Bildung gilt dort als Grundlage für verantwortliches Handeln gegenüber Erbe. Die Reflexion und Weiterentwicklung von Bildungsprozessen im Erbekontext wurde bislang – besonders in Deutschland – in Theorie und Praxis wenig berücksichtigt. Gleichzeitig gefährden Klimakrise und globale Bedrohungen die Substanz des kulturellen und natürlichen Erbes.
Abgeschlossen ist das Bildungsprojekt „Young Climate Action for World Heritage“. Es verknüpfte UNESCO-Welterbe und Klimawandel: Schüler:innen an sechs UNESCO-Welterbestätten arbeiteten in internationalen Teams und setzten sich kreativ und praxisorientiert mit dem Klimawandel auseinander. Dabei ging es um die Verantwortung für den nachhaltigen Erhalt der Welterbestätten und um die Bekämpfung des Klimawandels.
Mit „50 Jahre Welterbe: Gemeinsame Verantwortung – Konflikt und Versöhnung“ wurde das 50-jährige Bestehen der Welterbekonvention begangen. Zu dem Projekt gehörten ein Buch und dessen Präsentation bei einer internationalen Veranstaltung. Das Buch beschäftigt sich mit Vergangenheit und Zukunft des Welterbes; Verantwortung, Versöhnung und Nachhaltigkeit bilden zentrale Werte. Beteiligt waren 61 Autor:innen aus 28 Ländern.
Auch die montane Kulturlandschaft Erzgebirge/Krušnohoří spielte eine Rolle. Das Projekt „Unser WeltErbe – Die montane Kulturlandschaft Erzgebirge/Krušnohoří“ zielte auf die nachhaltige Bewahrung der UNESCO-Welterbestätte für die Menschheit und künftige Generationen. Besonders jungen Menschen sollte ihre Bedeutung vermittelt werden. Das Institute Heritage Studies entwickelte gemeinsam mit Traditionsvereinen und Lehrkräften aus der Montanregion Bildungsformate und Methoden. Junge Menschen sollten die internationale Bedeutung ihres Erbes kennenlernen und für dessen Erhalt motiviert und qualifiziert werden. In der Übersicht der abgeschlossenen Projekte findet sich außerdem ein Wissensquiz zum UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří.
Grenzen überschreiten, Wissen teilen
Das Projekt „Grenzübergreifendes europäisches Welterbe – ein Thema für UNESCO-Projektschulen“ führte Schüler:innen und Lehrer:innen zu grenzüberschreitenden UNESCO-Welterbestätten in Europa. Ihre Bedeutung wurde in Videos dokumentiert; die Videos und weitere Lernmaterialien erschienen auf einer digitalen Lernplattform.
International angelegt war auch „Afrikanisches Kulturerbe und die Säulen der Nachhaltigkeit“. Das Projekt wurde vom Institute Heritage Studies beziehungsweise vom UNESCO Chair in Heritage Studies durchgeführt und war Teil der Forschung der International Graduate School: Heritage Studies an der BTU Cottbus-Senftenberg. Gemeinsam mit dem „fahari yetu“-Projekt der Universität Iringa in Tansania fanden ab Juli 2016 gemeinsame Summer Schools zu afrikanischem Kulturerbe und Nachhaltigkeit statt.
Ein weiterer Baustein war die International Academy Cottbus (ISAC) 2015. Sie war die vierte von fünf aufeinanderfolgenden interdisziplinären Sommer-Akademien und fand vom 30. November bis 12. Dezember 2015 statt. Veranstaltungsort und institutioneller Rahmen war das PhD-Programm Heritage Studies an der BTU Cottbus-Senftenberg.
Beim Symposium „Die 4 Säulen von Nachhaltigkeit“ ging es um „Die Säulen von Nachhaltigkeit für die Umsetzung der UNESCO-Konventionen und -Programme“. Veranstaltet wurde es vom Lehrstuhl Interkulturalität/UNESCO Chair in Heritage Studies. Kooperationspartner waren die Deutsche UNESCO-Kommission und die Gerda Henkel Stiftung; finanziell unterstützt wurde die Veranstaltung von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Das Symposium fand vom 29. Juni bis 5. Juli 2015 in Bonn statt.
In Markkleeberg bei Leipzig folgte am 5. und 6. Juni 2015 das Symposium „Schritte zur Umsetzung der Global Strategy in Deutschland“. Es behandelte die nachhaltige Umsetzung der Welterbekonvention und der Global Strategy in Deutschland. Veranstaltet wurde es von der Kultusministerkonferenz gemeinsam mit der Kulturstiftung der Länder, der Deutschen UNESCO-Kommission, dem UNESCO Chair in Heritage Studies der BTU Cottbus-Senftenberg und dem Deutschen Städtetag. Ergänzend befasste sich die Workshop-Reihe „Welterbe und kulturelle Vielfalt in Theorie und pädagogischer Praxis“ mit Welterbe und kultureller Vielfalt in Theorie und pädagogischer Praxis.
Ein älteres internationales Forschungsprojekt widmete sich der „Erforschung, Bewertung und Bewahrung der Friedenskirche in Jawor als Weltkulturerbe“. Es lief von 2011 bis 2014 und wurde gemeinsam vom Lehrstuhl Interkulturalität/UNESCO Chair in Heritage Studies und dem Lehrstuhl Denkmalpflege der Nicolaus-Copernicus-Universität in Thorn, Polen, durchgeführt.
Weitere Informationen zu Aktivitäten und zur Mitgliedschaft veröffentlicht die BTU auf der Internetseite des Heritage Centre.
