Am 18.10.2026 startet das Moormuseum in Geeste gemeinsam mit der Universität Osnabrück ein Forschungsprojekt. Im Mittelpunkt steht eine Frage, die zunächst schlicht klingt, aber tief in die Geschichte des Umgangs mit Landschaft reicht: Wie hat sich die gesellschaftliche Wahrnehmung des Moors verändert?

Früher galt das Moor vielerorts als „Ödland“ – als nasse, unproduktive Fläche, die besser trockengelegt und genutzt werden sollte. Heute rückt es als Klimaschützer in den Blick. Tanja Hasselberg, Leiterin des Moormuseums in Geeste, begrüßt die Kooperation mit der Uni Osnabrück.

Vom vermeintlich nutzlosen Land zum Kohlenstoffspeicher

Der Wandel hat einen handfesten naturwissenschaftlichen Kern. Nach der letzten Eiszeit entstanden in Mitteleuropa Moore. In wassergesättigten, sauerstoffarmen Böden werden abgestorbene Pflanzenreste nur unvollständig zersetzt. So bildet sich Torf – sehr langsam, ungefähr einen Millimeter pro Jahr. Der in den Pflanzen gespeicherte Kohlenstoff bleibt dabei über Jahrtausende im Torf eingeschlossen. In Deutschland begann dieser Prozess vor etwa 11.000 Jahren.

Weltweit bedecken Moore rund drei Prozent der Landfläche, speichern aber etwa ein Drittel des terrestrischen Kohlenstoffs. Das ist doppelt so viel wie die Wälder der Erde zusammen. Ein Hektar Moor mit einer 15 Zentimeter dicken Torfschicht enthält ungefähr so viel Kohlenstoff wie ein hundertjähriger Wald auf derselben Fläche. Nebenbei sind Moore wichtige Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten.

Entwässern Menschen ein Moor, gelangt Sauerstoff an den Torf. Der gespeicherte Kohlenstoff oxidiert und große Mengen CO₂ werden freigesetzt. Zusätzlich entsteht Lachgas (N₂O), das mehr als 300-mal klimaschädlicher als CO₂ ist. Deshalb wird die Klimabilanz von Mooren in CO₂-Äquivalenten angegeben, also unter Einbeziehung verschiedener klimawirksamer Gase. Intakte Moore setzen während ihrer natürlichen Entwicklung zwar Methan frei, wirken langfristig aber positiv auf das Klima, weil sie Kohlenstoff speichern.

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95 Prozent der deutschen Moorflächen geschädigt

Über Jahrhunderte wurden Moore als nutzloses Ödland betrachtet, entwässert und in land- oder forstwirtschaftliche Flächen umgewandelt. Diese Praxis gibt es teilweise bis heute. Die Zerstörung durch Entwässerung und Torfabbau dauert weltweit an. Indonesien etwa verliert bedeutende Torfwälder durch die Rodung für Ölpalmenplantagen oder durch Moorbrände. Die Europäische Union verursacht weltweit die zweithöchsten Treibhausgasemissionen durch die Zerstörung von Mooren – hinter Indonesien und vor Russland.

In Deutschland bedeckten Moore ursprünglich etwa 1,5 Millionen Hektar, also 4,2 Prozent der Landesfläche. Rund 95 Prozent dieser Flächen gelten heute als geschädigt oder zerstört: Sie sind entwässert, abgetorft, bebaut oder werden land- und forstwirtschaftlich genutzt.

Aus entwässerten Moorböden werden hierzulande jährlich etwa 44 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente freigesetzt. Das entspricht rund fünf Prozent der deutschen Gesamtemissionen. Die Landwirtschaft auf Moorflächen verursacht davon etwa 37 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente pro Jahr. Häufig sind solche Ackerflächen wenig ertragreich; ihre Bewirtschaftung lohnt sich vielfach nur durch öffentliche Subventionen. Auch der Anbau von Biomasse wie Mais zur Energiegewinnung auf ehemaligen Moorflächen wird teilweise als Klimaschutzmaßnahme gefördert – eine ziemlich vertrackte Sache.

Schutz, Wiedervernässung und Torf im Blumensack

Naturnahe Moorflächen wurden auf Druck von Umweltverbänden unter Schutz gestellt. Geschädigte Moore werden teilweise renaturiert und wiedervernässt. Einige Bundesländer haben eigene Moorschutzprogramme eingerichtet, über die regionale Projekte finanziert werden.

Ganz verschwunden ist die alte Nutzung allerdings nicht. In Deutschland wird weiterhin Torf abgebaut und unter anderem als Bestandteil von Blumenerde verwendet, obwohl Alternativen verfügbar sind. Während draußen über Kohlenstoffspeicher und Wiedervernässung gesprochen wird, landet also noch immer Torf im Pflanzentopf auf dem Balkon.

Der NABU engagiert sich seit 1911 für den Moorschutz. Damals wurden erste Moorflächen am Federsee in Baden-Württemberg erworben. Heute unterstützt der Verband unter anderem Schutz- und Wiederherstellungsprojekte am Theikenmeer in Niedersachsen und im Biesenthaler Becken in Brandenburg. Es geht dabei um Artenvielfalt – und um die Fähigkeit der Moore, Kohlenstoff über lange Zeit festzuhalten.

Das Forschungsprojekt des Moormuseums Geeste und der Universität Osnabrück nimmt nun nicht nur Böden, Pflanzen oder Emissionen in den Blick, sondern auch die Vorstellungen, die Menschen mit dem Moor verbinden. Vom „Ödland“ zum Klimaschützer: Dieser Bedeutungswandel klingt nach großen Worten. Er begann aber mit einer Landschaft, die langsam wächst, Wasser hält und im Torf Spuren von Jahrtausenden bewahrt.