Höhere Steuern auf Alkohol und Tabak: Wie teuer muss Genuss werden?
In einer Gaststätte steht ein Mann, vor ihm ein Bier, zwischen den Fingern eine Zigarette. Ein alltägliches Bild – und genau dort setzt die Debatte über sogenannte Sündensteuern an. Präventionsökonom Tobias Effertz fordert deutlich höhere Steuern auf Alkohol und Tabak.
Seiner Einschätzung nach ist der Preis der entscheidende Hebel, um Sucht und Konsum zu reduzieren. Raucher müssten eine Steuererhöhung finanziell deutlich spüren, sagt Effertz. In einem angekündigten Interview soll es deshalb darum gehen, um wie viel Zigaretten und Alkohol teurer werden müssten, damit der Konsum merklich zurückgeht.
Teurer soll es werden
Zum Jahreswechsel sollen die Steuern auf Schnaps, Sekt und Alkopops steigen. Auch Tabakwaren sollen in den kommenden Jahren deutlich teurer werden. Eine günstige 0,7-Liter-Flasche Wodka kostet derzeit etwa sechs Euro; mit der geplanten Steuererhöhung ab 1. Januar könnte der Preis auf mehr als sieben Euro steigen. Bis 2030 soll eine Packung Zigaretten fast zwölf Euro kosten.
Dass höhere Preise den Konsum von Alkohol und Tabak senken können, zeigen laut Fachleuten Studien und Erfahrungen aus anderen Ländern. Erik Bodendieck, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, verweist etwa auf Skandinavien: Werden Steuern ausreichend erhöht, sinkt der Konsum gesundheitsschädigender Genussmittel.
Auch wissenschaftliche Studien und die Weltgesundheitsorganisation bewerten höhere Preise für Tabak und Alkohol als wirksames Mittel zur Konsumreduzierung. Laut Steffi Riedel-Heller von der Universität Leipzig erschweren höhere Tabakpreise insbesondere Jugendlichen den Einstieg ins Rauchen. Zugleich steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Raucher ihren Konsum reduzieren oder ganz aufhören.
Was höhere Preise bewirken können
Bei großen Tabaksteuererhöhungen Anfang der 2000er-Jahre reduzierten rund elf Prozent der Raucher ihren Konsum; knapp fünf Prozent hörten vollständig auf. Vergleichbare Effekte wurden auch bei steigenden Alkoholpreisen beobachtet. Für Effertz ist das der Kern der Sache: Wenn die Erhöhung im Geldbeutel nicht ankommt, verändert sie wenig.
Eine Rechnung steckt allerdings dahinter. Die Bundesregierung erwartet durch die höhere Tabaksteuer im kommenden Jahr zusätzliche Einnahmen von 756 Millionen Euro. Durch die steigende Alkoholsteuer sollen weitere 400 Millionen Euro eingenommen werden. Ein Großteil dieser Mehreinnahmen soll voraussichtlich zum Schließen von Haushaltslücken dienen – und weniger in Präventions- und Beratungsangebote fließen.
Gerade deshalb warnen Fachleute davor, Steuerpolitik mit Suchtbehandlung zu verwechseln. Bodendieck kritisiert, dass Steuererhöhungen allein bei Suchterkrankungen nicht ausreichen. Betroffene müssten zusätzlich behandelt und in Entwöhnungsprogramme vermittelt werden.
Die soziale Seite der Steuer
Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK, weist darauf hin, dass finanzschwache Menschen statistisch häufiger rauchen und mehr Alkohol trinken. Höhere Preise treffen also nicht alle gleich. Neben den Steuern seien insbesondere in einkommensschwachen Regionen verstärkte Präventions-, Bildungs- und Beratungsangebote nötig.
Der Mann mit dem Bier und der Zigarette könnte künftig also tiefer in die Tasche greifen – ob das Glas dann seltener bestellt wird, hängt von weit mehr ab als vom Preis allein. Heute ist der 27.09.2026; an der Uni Hamburg bleibt die Frage jedenfalls erstaunlich greifbar: Wie teuer muss Genuss werden, bevor aus Gewohnheit ein Stopp wird?
