Am Frankfurter Flughafen und im nahe gelegenen Stadtteil Schwanheim sind im Sommer und Spätsommer 2026 insgesamt acht Menschen an Malaria erkrankt. Drei von ihnen starben: zwei Beschäftigte des Flughafens und eine Anwohnerin oder ein Anwohner. Alle acht hatten die schwerste Form der Erkrankung, Malaria tropica.

Für die Universität des Saarlandes und ihre Studierenden ist der Fall auch deshalb relevant, weil er zeigt, wie schnell eine vermeintliche Tropenkrankheit ohne Tropenreise vor der eigenen Haustür auftauchen kann. Sechs Erkrankte hielten sich beruflich am Frankfurter Flughafen auf und erkrankten Anfang Juli oder Mitte August. Im September kamen zwei Bewohnerinnen oder Bewohner Schwanheims hinzu.

Drei genetische Spuren, drei Mücken

Eine Ganz-Genomanalyse des Instituts für Tropenmedizin in Antwerpen, des ITM, ergab drei genetisch unterschiedliche Erregergruppen. Dafür wurden Parasiten aus den Blutproben der Erkrankten extrahiert und verglichen. Innerhalb der jeweiligen Gruppen waren die Erreger eng miteinander verwandt, zwischen den Gruppen zeigten sich dagegen deutliche genetische Unterschiede.

Die drei Infektionscluster passen zu Erkrankungswellen im Juli, August und September. Nach Einschätzung des Frankfurter Gesundheitsamts spricht das dafür, dass drei verschiedene infizierte Mücken den Erreger übertragen haben. Die Daten deuten auf drei voneinander unabhängige Einschleppungsereignisse hin – nicht auf eine fortlaufende lokale Übertragungskette.

Die Erreger stammen den Analysen zufolge ursprünglich aus Westafrika. Vermutlich gelangten infizierte Mücken mit Flugzeugen aus Malariagebieten nach Frankfurt. Bei dieser sogenannten Flughafenmalaria reisen die Tiere gewissermaßen unfreiwillig als blinde Passagiere mit. Heimische Mücken gelten damit als Überträger von Plasmodium falciparum als ausgeschlossen.

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Keine der betroffenen Personen war zuvor in einem Malaria-Endemiegebiet gewesen oder hatte eine Bluttransfusion erhalten. Das Gesundheitsamt informierte deshalb die Kassenärztliche Vereinigung Hessen und die zuständigen Infektionsschutzbehörden. Ärztliches und klinisches Personal soll auch bei Menschen ohne Tropenreise an eine mögliche Malaria denken.

Warum Malaria tropica so gefährlich ist

Malaria wird durch Protozoen der Gattung Plasmodium verursacht und meist durch weibliche Anopheles-Mücken übertragen. Bei den Frankfurter Fällen war P. falciparum der Erreger – die Malaria tropica, die gefährlichste Krankheitsform. Sie kann sich innerhalb von Stunden lebensbedrohlich verschlechtern, auch wenn zunächst nur wenige Parasiten im Blut nachweisbar sind.

Nach einem Mückenstich gelangen Sporozoiten zunächst in die Leber. Dort entwickeln sie sich zu Schizonten, die Merozoiten freisetzen. Diese befallen rote Blutkörperchen, durchlaufen Ringstadien und vermehren sich in wiederkehrenden Zyklen. Ein Teil der Blutstadien wird zu Gametozyten und kann später von einer Mücke aufgenommen werden. In ihr entstehen Gameten, Zygoten, Ookineten und Oozysten; daraus entwickeln sich neue Sporozoiten, die in die Speicheldrüsen wandern.

Dieser Entwicklungsweg dauert in der Mücke meist 10 bis 16 Tage. Temperatur, Mückenart und Plasmodium-Art spielen dabei eine Rolle; bei Kälte kann die Entwicklung deutlich länger dauern oder ganz ausbleiben. P. falciparum-Gametozyten werden meist erst sieben bis 15 Tage nach dem Auftreten der ersten Blutparasiten infektiös.

Typisch sind Fieber, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie ein starkes Krankheitsgefühl. Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall können dazukommen, besonders bei Kindern. Das klingt zunächst nicht zwingend nach Malaria – eher nach Grippe oder einem Magen-Darm-Infekt. Genau darin liegt eine Gefahr: Eine Verzögerung der Behandlung kann entscheidend sein. Normale Laborwerte schließen die Erkrankung ebenfalls nicht aus.

Bei komplizierter Malaria drohen unter anderem Bewusstseinsstörungen, epileptische Anfälle, Ateminsuffizienz, Schock, spontane Blutungen, Nierenversagen und schwere Anämie. Als Warnzeichen gelten auch stark verminderte Urinausscheidung, Hämoglobinurie oder eine ausgeprägte Schwäche, bei der Betroffene nicht mehr sitzen, stehen oder gehen können. Eine Hypoglykämie unter 40 mg/dl, eine Azidose oder ein Laktatwert ab 5 mmol/l, ein Kreatininwert über 2,5 mg/dl, ein Hämoglobinwert unter 7 g/dl bei Erwachsenen sowie bestimmte hohe Bilirubin- und Parasitämiewerte sprechen ebenfalls für einen schweren Verlauf.

Malaria tropica ist bei frühzeitiger Diagnose und schneller Behandlung vollständig heilbar. Verdachtsfälle sollen grundsätzlich stationär behandelt werden, möglichst mit tropenmedizinischer und intensivmedizinischer Expertise. Eine notwendige Verlegung darf den Therapiebeginn nicht verzögern. Bei komplizierter Malaria ist parenterales Artesunat das Mittel der Wahl.

Ein seltener, aber möglicher Weg nach Deutschland

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass 2024 weltweit etwa 282 Millionen Menschen an Malaria erkrankten; rund 610.000 starben. Etwa drei Viertel der Todesfälle betrafen Kinder unter fünf Jahren. Auf Afrika entfielen ungefähr 94 Prozent der Erkrankungen und 95 Prozent der Todesfälle. Fast die Hälfte aller Fälle trat in Nigeria, der Demokratischen Republik Kongo, Uganda, Äthiopien und Mosambik auf.

Endemisch ist Malaria in rund 80 Ländern der Tropen und Subtropen, vor allem in Afrika, Asien und Südamerika. Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Regionen mit endemischer Malaria, wobei das Risiko regional stark schwankt. P. knowlesi hat sein natürliches Reservoir in Makaken Südostasiens; menschliche Infektionen kommen besonders in bewaldeten Gebieten Malaysias, Indonesiens, Thailands, der Philippinen und Kambodschas vor.

Die WHO-Region Europa gilt seit 2015 als frei von endemischer Malaria. Die meisten europäischen Fälle werden importiert. Trotzdem gibt es in Europa und Deutschland vektorkompetente Anopheles-Arten. Für eine lokale Übertragung braucht es zusätzlich infizierte Menschen sowie geeignete Klima- und Umweltbedingungen. Eine dauerhafte Wiederetablierung in Deutschland gilt derzeit als äußerst unwahrscheinlich, lokale Übertragungen sind unter günstigen Umständen aber möglich.

Neben der Flughafenmalaria gibt es die sogenannte „Baggage-Malaria“ durch Mücken in Gepäck oder Fracht. Möglich sind außerdem Übertragungen durch parasitenhaltiges Blut, nosokomiale oder konnatale Infektionen. Der Hauptweg bleibt der Stich einer infizierten weiblichen Anopheles-Mücke. Sehr selten gelangen Parasiten auch über gemeinsam benutzte Injektionsutensilien, Nadelstichverletzungen, Bluttransfusionen, Organtransplantationen oder von der Mutter über die Plazenta zum Kind.

In Deutschland sind nahezu alle Malariafälle importiert. Zwischen 2023 und 2025 wurden jährlich etwa 900 bis 1.000 Fälle und insgesamt zwölf Todesfälle gemeldet. Rund 85 Prozent der Fälle mit bekannter Spezies gingen auf P. falciparum zurück, mehr als 90 Prozent der Fälle mit bekanntem Infektionsland stammten aus Afrika. Häufig genannte Infektionsländer waren Kamerun, Nigeria und Ghana; außerhalb Afrikas wurden vor allem Indien, Afghanistan und Pakistan genannt.

Seit 2023 wurden zehn in Deutschland erworbene Fälle registriert, Datenstand Mitte September 2026: ein Fall von Flughafenmalaria 2023, ein Fall konnataler Malaria 2024 und acht Fälle von Flughafenmalaria 2026, darunter die drei tödlichen Verläufe in Frankfurt. Seit der Änderung des Infektionsschutzgesetzes im Juli 2023 ist der direkte oder indirekte Nachweis von Plasmodium spp., soweit er auf eine akute Infektion hinweist, namentlich an das Gesundheitsamt zu melden. Die frühere nichtnamentliche Meldung an das Robert Koch-Institut entfällt. Einzelheiten zu meldepflichtigen Personen und zulässigen Angaben stehen in den §§ 8 und 9 IfSG; die Übermittlung an die Landesbehörde erfolgt nach § 11 IfSG. In Sachsen gelten ergänzende Mitteilungspflichten.

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