Heute, am 4. Oktober 2026, ist die Nachricht in Mainz angekommen, die im Rhein-Main-Gebiet seit Monaten erwartet wurde: Der Verbund aus Goethe-Universität Frankfurt, TU Darmstadt und Johannes Gutenberg-Universität Mainz darf sich ab 2027 „Exzellenzuniversität“ nennen. Wissenschaftsrat und Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gaben die Entscheidung in Bonn bekannt.

Kurz danach hingen am Darmstädter Wissenschaftsschloss zwei Banner mit der Aufschrift „Gemeinsam exzellent“. Bei einer Veranstaltung an der TU Darmstadt wurden Schals mit dem Logo des Verbunds und blaue Rosetten mit rosa und hellblauen Bändern verteilt. Ein bisschen Festtag, ein bisschen Campusalltag – und vermutlich ziemlich viele Handyfotos.

155 Millionen Euro für sieben Jahre

Hessens Wissenschaftsminister Timon Gremmels (SPD) nannte die Auszeichnung „historisch“ und sprach von einem Gemeinschaftserfolg von Wissenschaft und Politik. Der RMU-Verbund war der erste länderübergreifende Zusammenschluss aus Hessen und Rheinland-Pfalz, der sich im Rahmen der Exzellenzstrategie beworben hatte.

Ab 2027 sollen die Rhein-Main-Universitäten über sieben Jahre bis zu 155 Millionen Euro Förderung erhalten. Der Bund übernimmt 75 Prozent der Finanzierung. Der strategische Verbund wurde 2015 gegründet und gehört künftig zu zwölf deutschen Universitäten und drei Universitätsverbünden mit dem Status „Exzellenzuniversität“.

Zusammen bringen die drei Hochschulen mehr als 90.000 Studierende und 1.500 Professuren auf die Waage. Sie arbeiten in Forschung, Studium und Lehre, bei der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sowie beim Wissenstransfer in Wirtschaft und Gesellschaft zusammen. Die gemeinsamen Profilbereiche heißen Data – Datenwissenschaften und künstliche Intelligenz –, Health – Lebenswissenschaften und Medizin –, Matter – Material- und Naturwissenschaften – sowie Society – Geistes- und Sozialwissenschaften.

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Nicht ausgewählt wurde der mittelhessische Verbund aus Justus-Liebig-Universität Gießen und Philipps-Universität Marburg. Nach Einschätzung von Gremmels erhielt dessen Zukunftskonzept dennoch viel Anerkennung von internationalen Gutachtern.

„RMU-EXCITE“ soll die Region nach außen tragen

Für die Förderlinie „Exzellenzuniversitäten“ hatten die Rhein-Main-Universitäten einen gemeinsamen Antrag eingereicht. Sein Titel: „RMU-EXCITE – Excellent. Collaborative. Transformative.“ Dahinter steht das Ziel, die RMU-Allianz zu einem international führenden Zentrum für Spitzenforschung auszubauen und wissenschaftliche wie gesellschaftliche Herausforderungen mit wegweisenden Antworten anzugehen.

Die RMU bekennen sich dabei zu einer Forschungskultur, die Wissenschaft und Gesellschaft stärker verbindet. Dialog, Teilhabe und die gemeinsame Gestaltung von Wissen sollen feste Bestandteile wissenschaftlicher Exzellenz sein. Gemeinsame und ergänzende Angebote in Forschung und Lehre sollen die Attraktivität der Universitäten steigern; Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler und Beschäftigte sollen besser gefördert werden. Auch bei Infrastruktur und Wissenstransfer wollen die Hochschulen Synergien nutzen.

Die Antragstellung wurde durch den Erfolg der drei Universitäten in der Förderlinie „Exzellenzcluster“ ermöglicht. Im Mai wurden fünf Clusterinitiativen der RMU zur Förderung ab 2026 bewilligt. Exzellenzcluster können fachübergreifende Forschungsfelder langfristig bearbeiten und Forschung sowie Infrastrukturen mit außeruniversitären Partnern weiterentwickeln. Zugleich erhöhen sie die Attraktivität der Hochschulen als Forschungs- und Studienorte.

Die Allianz will die Rhein-Main-Region damit als international sichtbares Wissenschaftszentrum profilieren. Ein erfolgreicher Verbundantrag im Wettbewerb „Exzellenzuniversitäten“ würde die RMU insbesondere international stärken. Für Fragen zu den Projektleitungen ist exstra@rhein-main-universitaeten.de angegeben. Erreichbar sind Annabel Bokern von der Stabsstelle Exzellenzstrategie der Goethe-Universität, Dr. Amelie Scheu aus dem Projekt Exzellenzstrategie der Johannes Gutenberg-Universität und Dr. Matthias Adam aus dem Dezernat Struktur und Strategie der TU Darmstadt.

Wie über Exzellenz entschieden wird

Die Exzellenzstrategie von Bund und Ländern soll den Wissenschaftsstandort Deutschland stärken und seine internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessern. DFG und Wissenschaftsrat setzen sie in zwei Förderlinien um: „Exzellenzcluster“ fördert projektbezogen international wettbewerbsfähige Forschungsfelder an Universitäten oder Universitätsverbünden. „Exzellenzuniversitäten“ dient der dauerhaften Stärkung einzelner Universitäten oder Verbünde und dem Ausbau ihrer internationalen Spitzenstellung in der Forschung.

Für die Förderlinie „Exzellenzuniversitäten“ gelten Voraussetzungen: Einzeluniversitäten müssen mindestens zwei Exzellenzcluster vorweisen, Verbünde mindestens drei. Ein Erfolg im Exzellenzwettbewerb bringt neben Bundes- und Landesmitteln auch nationale und internationale Sichtbarkeit.

Über Antragsskizzen und Anträge entscheiden das Committee of Experts und die Exzellenzkommission. Dem Committee gehören 39 ausgewiesene Forschende aus verschiedenen Wissenschaftsgebieten an, die das gesamte Disziplinenspektrum vertreten. Viele verfügen außerdem über langjährige Erfahrungen im Ausland, im Hochschulmanagement, in der Lehre oder in der Wirtschaft.

Der oder die Vorsitzende des Wissenschaftsrats und der Präsident oder die Präsidentin der DFG gehören dem Committee of Experts ohne Stimmrecht an und führen gemeinsam den Vorsitz. Das Gremium legt Förderbedingungen fest, bewertet Skizzen und Anträge auf Grundlage fachwissenschaftlicher Begutachtungen, gibt Förderempfehlungen an die Exzellenzkommission und entscheidet, welche Skizzen zur Antragstellung berechtigen. Auch die Ergebnisse der Evaluation der Exzellenzuniversitäten werden dort bewertet.

Die Exzellenzkommission besteht aus dem Committee of Experts sowie den für Wissenschaft zuständigen Ministerinnen und Ministern des Bundes und der Länder. Auf Grundlage der Empfehlungen des Committees entscheidet sie über die Förderung von Exzellenzclustern und Exzellenzuniversitäten. Weitere Informationen zur Exzellenzstrategie bietet die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz.