Rhein-Main-Universitäten werden Exzellenzverbund
Für die Rhein-Main-Universitäten beginnt ab 2027 ein neues Kapitel: Die Goethe-Universität Frankfurt, die Johannes Gutenberg-Universität Mainz und die TU Darmstadt werden als Exzellenzverbund im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern gefördert. Die Entscheidung wurde heute, am 2.10.2026, bekannt. Für Frankfurt-Rhein-Main geht es damit um deutlich mehr als einen Titel auf dem Papier.
Der Antrag trägt den Namen „RMU-EXCITE – Excellent. Collaborative. Transformative“. Die Förderung ist auf Dauer angelegt und wird aus Mitteln des Bundes sowie der Länder Hessen und Rheinland-Pfalz finanziert. Für den Förderzeitraum von 2027 bis 2033 erhält der Verbund sieben Jahre Planungssicherheit. Die RMU gehören damit zu den zwölf ausgezeichneten Einzeluniversitäten und drei ausgezeichneten Universitätsverbünden in Deutschland.
Gemeinsam stärker – und sichtbar nach außen
Mehr als 90.000 Studierende und 1.500 Professor:innen gehören zu den drei Universitäten. Bereits heute arbeiten sie in Forschung, Studium und Lehre, Talentförderung sowie beim Wissensaustausch mit Wirtschaft und Gesellschaft zusammen. Künftig sollen synergetische Disziplinen gezielt gestärkt, neue wissenschaftliche Verbindungen geschaffen und gemeinsame Forschungsfelder entwickelt werden.
Bis 2033 will die Allianz eine neue Generation von Forschenden, Studierenden und Fachkräften fördern und nachhaltige Transformation gemeinsam gestalten. Frankfurt-Rhein-Main soll sich zu einer international führenden Wissenschaftsregion und zu einem Zentrum für Spitzenforschung entwickeln. Antworten auf wissenschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen sollen dabei nicht hinter verschlossenen Türen entstehen: Die RMU wollen Wissenschaft und Gesellschaft durch Dialog, Teilhabe und gemeinsame Wissensgestaltung enger verbinden.
Geplant sind strategische Berufungen, gemeinsame Infrastrukturen für Spitzenforschung und innovative Studienangebote. Hinzu kommen zusätzliche Angebote für Wissenschaftler:innen in frühen Karrierephasen sowie Programme für Personen mit Führungsverantwortung innerhalb und außerhalb der RMU. Erkenntnisse sollen im Austausch mit Gesellschaft, Wirtschaft und Politik genutzt werden – ein Anspruch, der im Hochschulalltag schnell sehr konkret werden kann.
RMU-Sprecherin Tanja Brühl, Präsidentin der TU Darmstadt, bezeichnete die Förderentscheidung als Erfolg für die Allianz und dankte den Beschäftigten und Studierenden der drei Universitäten. Die RMU wolle die Sichtbarkeit der Region für Forschung, Lehre und Innovation stärken und die unterschiedlichen Stärken der drei Hochschulen verbinden.
JGU-Präsident Georg Krausch führte den Erfolg auf das Engagement und die Zusammenarbeit an den drei Universitäten zurück. Er dankte insbesondere den Wissenschaftsministerien Hessens und Rheinland-Pfalz’ und kündigte an, die Kooperation in Forschung, Studium, Lehre und Austausch weiter zu vertiefen. Goethe-Universitätspräsident Enrico Schleiff hob die Vielfalt und die komplementären Stärken der drei Universitäten hervor. Neue wissenschaftliche Verbindungen und gemeinsame Forschungsfelder sollten entstehen, sagte er.
Politischer Rückenwind aus zwei Ländern
Hessen und Rheinland-Pfalz hatten die Bewerbung als länderübergreifender Verbund unterstützt. Hessens Wissenschaftsminister Timon Gremmels nannte die Entscheidung historisch: Die RMU seien die ersten Universitäten in Hessen mit dem Exzellenz-Titel und zugleich der erste länderübergreifende Verbund in der Exzellenzstrategie.
Gremmels dankte den Universitätsleitungen sowie den Beteiligten aus Wissenschaft und Verwaltung. Als politische Unterstützung verwies er auf eine Verwaltungsvereinbarung beider Länder und gleichlautende unterstützende Beschlüsse der Landtage. Rheinland-Pfalz’ Wissenschaftsminister Clemens Hoch erklärte, die Entscheidung bestätige die Bedeutung der Zusammenarbeit von Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Ländern.
Von der Förderung sollen Wissenschaft, akademischer Nachwuchs, Gesellschaft und Wirtschaft profitieren. Gerade die langfristige Planungssicherheit ist dabei nicht nebensächlich: Berufungen, Forschungsinfrastrukturen und Studienangebote lassen sich eben nicht im Sprint aufbauen. Sie brauchen Zeit, Geld und manchmal auch ziemlich viel Geduld.
Wie die Entscheidung zustande kam
Grundlage waren schriftliche Anträge mit den Gesamtstrategien, die im November 2025 eingereicht wurden. Zwischen April und Juni 2026 besuchten internationale Gutachtergremien die antragstellenden Hochschulen. Die Exzellenzkommission wählte neben den RMU drei Einzeluniversitäten und einen weiteren Verbund zur Förderung aus.
Für den Förderzeitraum 2027 bis 2033 kommen außerdem neun bereits ausgezeichnete Einzeluniversitäten und ein Verbund hinzu. Sie waren 2019 ausgewählt und im März 2026 positiv evaluiert worden. Die Exzellenzstrategie wird gemeinsam von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Wissenschaftsrat durchgeführt.
Das Verfahren hat zwei Förderlinien: Exzellenzcluster unterstützen projektbezogen international wettbewerbsfähige Forschungsfelder. Exzellenzuniversitäten stärken einzelne Universitäten oder Verbünde dauerhaft. Für eine Auszeichnung müssen Einzeluniversitäten mindestens zwei, Verbünde mindestens drei Exzellenzcluster vorweisen. Die Förderung soll Deutschlands Wissenschaftsstandort stärken und seine internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessern.
Über Antragsskizzen und Anträge entscheiden das Committee of Experts und die Exzellenzkommission. Das Committee of Experts besteht aus 39 ausgewiesenen Forschenden aus verschiedenen Wissenschaftsgebieten und bildet damit das gesamte Fächerspektrum ab. Die Mitglieder bringen außerdem langjährige Erfahrungen im Ausland, im Hochschulmanagement, in der Lehre oder in der Wirtschaft mit.
Der oder die Vorsitzende des Wissenschaftsrats sowie der Präsident oder die Präsidentin der DFG gehören dem Committee of Experts ohne Stimmrecht an und führen den Vorsitz. Das Gremium legt Förderbedingungen fest, bewertet Skizzen und Anträge auf Grundlage wissenschaftlicher Begutachtungen und gibt Förderempfehlungen an die Exzellenzkommission. Es entscheidet auch, welche Skizzen zur Antragstellung berechtigen, und bewertet die Ergebnisse der Evaluation von Exzellenzuniversitäten.
Die Exzellenzkommission setzt sich aus dem Committee of Experts sowie den für Wissenschaft zuständigen Ministerinnen und Ministern des Bundes und der Länder zusammen. Auf Grundlage der Empfehlungen des Committee of Experts entscheidet sie über die Förderung von Exzellenzclustern und Exzellenzuniversitäten. Für die Universitäten in Frankfurt, Mainz und Darmstadt ist damit der Weg frei – und auf den Schreibtischen dürfte es jetzt trotzdem nicht gerade leer werden.
