Auf den Höfen im Saarland und weit darüber hinaus ist ein Virus angekommen, das viele Tierhalter bislang kaum auf dem Zettel hatten: das Shamonda-Virus. Im Sommer 2026 wurde es erstmals bei Rindern in Deutschland nachgewiesen. Seither hat es sich fast bundesweit verbreitet. Nachweise fehlen bislang nur aus Mecklenburg-Vorpommern sowie den Stadtstaaten.

Tausende Betriebe sind betroffen. Die tatsächliche Zahl dürfte allerdings höher liegen, denn eine Infektion mit dem Virus ist nicht meldepflichtig. Bei den meisten Tieren bleibt sie unauffällig oder verursacht nur milde Beschwerden. Möglich sind Fieber, ein vorübergehender Rückgang der Milchleistung und Durchfall – oft ist nach kurzer Zeit schon wieder wenig davon zu merken.

Was die Infektion für trächtige Tiere bedeutet

Offen ist, was das Virus bei tragenden Tieren anrichtet. Das wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Vereinzelt wurden bereits Aborte registriert. Infektionen in bestimmten Phasen der Trächtigkeit könnten möglicherweise Totgeburten oder Missbildungen auslösen. Beim verwandten Schmallenberg-Virus waren bis zu 30 Prozent der Föten betroffen.

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) stellte Anfang August 2026 bei Rindern in Süddeutschland ein neues Orthobunyavirus aus der Simbu-Serogruppe fest. Das Virusisolat trägt die Bezeichnung Shamonda-Virus/DE/2026 und ist eng mit dem seit den 1960er-Jahren bekannten Shamonda-Virus verwandt. Auch in Frankreich und der Schweiz traten Infektionen auf; erste Nachweise der neuen Virusvariante stammen aus Juli und August 2026 aus Süddeutschland, Frankreich und der Schweiz.

Das FLI empfiehlt, Aborte, Totgeburten sowie missgebildete Kälber oder Lämmer aus möglicherweise betroffenen Beständen besonders aufmerksam untersuchen zu lassen. Noch ist unklar, ob und in welchem Umfang Infektionen tragender Tiere die Föten schädigen können. Für Fachleute ist der Blick auf das Schmallenberg-Virus dabei naheliegend, weil dort vergleichbare Probleme beobachtet wurden.

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Zwei Varianten, viele Wege

Inzwischen sind zwei Varianten bekannt. SHAV-EU1 wurde zunächst in Süddeutschland gefunden, später bei Rindern, Schafen, Ziegen, Pferden und einem Alpaka. SHAV-EU2 tauchte zuerst in Nordwestdeutschland auf und wurde danach in den Niederlanden, Belgien und Schleswig-Holstein nachgewiesen – bislang nur bei Rindern. In Hessen und Thüringen kommen beide Varianten vor. Das FLI geht deshalb von zwei unterschiedlichen Viruseinträgen nach Europa aus.

Übertragen wird das Virus durch Gnitzen, winzige Stechmücken. Das macht die Bekämpfung und die Vermeidung von Infektionen schwierig; die kleinen Tiere sind schließlich nicht einfach mit einem Zaun aus dem Stall zu halten. Eine Einschleppung per Luftfracht gilt als möglich. Hohe Sommertemperaturen begünstigen zudem die Vermehrung des Virus in den Gnitzen und seine weitere Ausbreitung.

Die Virusgruppe ist seit den 1960er-Jahren bekannt, zunächst aus Afrika und später auch aus Teilen Asiens. Beschrieben wurde das Virus erstmals 1965 anhand einer Rinderprobe aus Ibadan in Nigeria, genauer aus dem Stadtteil Samonda. Daher kommt der Name „Shamonda“.

Pferdefälle sorgen für zusätzliche Aufmerksamkeit

Neu sind Nachweise bei Pferden – und Todesfälle. In Deutschland sind bislang drei Pferde gestorben. Festgestellt wurden Gehirnentzündungen und hohe Virusmengen im Gehirn. Auch in der Schweiz beobachteten Fachleute neurologische Schäden bei Pferden. Weitere Daten sollen zeigen, wie häufig schwere Verläufe bei Pferden tatsächlich auftreten.

Für Menschen besteht nach bisherigem Kenntnisstand kein direktes Risiko. Das FLI sieht keine Hinweise auf ein zoonotisches Potenzial. Viren der Simbu-Serogruppe gelten in der Regel nicht als Zoonoseerreger und stellen demnach kein relevantes Infektionsrisiko für Menschen dar. Milch und andere tierische Erzeugnisse gelten als unbedenklich – der Frühstückskaffee muss also nicht ausfallen.

Tests, Immunität und die Frage nach einem Impfstoff

Das FLI entwickelt Antikörpertests, um die Verbreitung des Virus besser zu erfassen. Eine Infektion führt bei betroffenen Tieren zu einer starken Immunität. Weitere Infektionswellen dürften deshalb zunächst schwächer ausfallen. Ganz vom Tisch ist das Virus damit aber nicht: Wenn immune Tiere sterben und die Herdenimmunität abnimmt, kann es zurückkehren. Beim Schmallenberg-Virus treten neue Wellen etwa alle drei bis vier Jahre auf.

Einen Impfstoff gegen das Shamonda-Virus gibt es bislang nicht. Ob eine Entwicklung wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt laut FLI auch davon ab, wie groß der wirtschaftliche Schaden ausfällt. Für die Uni Saarland und die Landwirtschaft bleibt damit vorerst vor allem eines: aufmerksam beobachten, Proben untersuchen und abwarten, was die kommenden Monate in den Ställen zeigen.

Quelle: Saarbrücker Zeitung · Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut