Im Botanischen Garten Rostock dreht sich an diesem sonnigen Frühherbstwochenende alles um Pilze. Am 26. und 27. September 2026 findet dort die 48. Landespilzausstellung statt. Bei etwa 20 °C sind zahlreiche Besucher unterwegs, viele mit Körben, Tüten oder einzelnen Fundstücken in der Hand. Hunderte Pilzsammler lassen ihre Ausbeute von Experten begutachten.

In der Pilzgalerie sind mehr als 250 heimische Pilzarten zu sehen. Dazu kommen Kunsthandwerk, Glücksrad, Bastelecken und Mitmachaktionen – also auch einiges für Menschen, die nicht jeden Hut und jeden Stiel auseinanderhalten können. Während einige Berater die Ausstellung und Besucher betreuen, sammeln andere im Wald Nachschub.

Volle Körbe und viele Fragezeichen

Christina und Carsten Lohmann haben innerhalb von etwa einer Stunde zwei Körbe Sandröhrlinge gefunden. Den genauen Fundort verraten sie nicht, sondern sagen nur: „hinter Hinrichshagen“. Dort wachsen die Pilze unter Fichten. Zusätzlich bringen die beiden unbekannte Exemplare zur Bestimmung mit. Sicher ist sicher.

Auch die Rostocker Biologin Christina Augustin nutzt die Beratung, um nicht eindeutig bestimmbare Funde prüfen zu lassen. Der Nachwuchsberater Oscar Giering bestimmt bereits viele Arten sicher. Sein Großvater Bernd Giering ist ebenfalls Pilzberater.

Pilzberaterin Ria Bütow warnt davor, sich bei der Bestimmung ausschließlich auf Apps zu verlassen. Gerade bei jungen Pilzen und Arten, die in unterschiedlichen Entwicklungsstadien ähnlich aussehen, kommen die Anwendungen an ihre Grenzen. Falsche Bestimmungen haben bereits zu Vergiftungen geführt.

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Anfängern empfiehlt Bütow, sich zunächst auf Röhrlinge zu konzentrieren – allerdings nicht blindlings. Der Gallenröhrling etwa kann mit dem Steinpilz verwechselt werden. Beim Gallenröhrling ist das Stielnetz schwarz auf hellem Grund, beim Steinpilz hell auf hellbraunem Grund. Der Gallenröhrling ist nicht giftig, schmeckt aber stark bitter und kann ein ganzes Gericht ungenießbar machen. Ein vorsichtiger Probebiss kann beim Sammeln einen Hinweis geben.

Weitere Merkmale helfen beim Vergleich: Beim Gallenröhrling werden die Poren im Alter rosa, sein Stiel trägt ein dunkles, grobes Netz. Steinpilze haben weiße bis gelbliche Poren und ein feines, helles Netz. Für Steinpilze gibt es keinen tödlich giftigen Doppelgänger, der Satans-Röhrling ist aber ein ernst zu nehmender Verwechslungspartner: Er ist roh giftig, kann heftige Magen-Darm-Beschwerden auslösen, besitzt orange bis blutrote Poren und ein rötliches Stielnetz. Sein Fleisch blaut bei Druck. Steinpilze haben keine roten Poren und blauen nicht. Röhrlinge mit roten Poren sollten nicht gesammelt werden.

Was im Korb nichts verloren hat

Viele beliebte Speisepilze haben giftige oder ungenießbare Doppelgänger. Deshalb gilt beim Sammeln: Nur zweifelsfrei bestimmte Pilze mitnehmen. Wer unsicher ist, lässt den Pilz stehen. Die genannten Merkmale sind lediglich Orientierung und ersetzen keine fachkundige Bestimmung. Sicherheit bieten Pilzberatungsstellen oder Pilzsachverständige der DGfM.

Gerade bei Champignons ist Aufmerksamkeit gefragt. Laut Bernd Giering wachsen derzeit besonders viele Champignons beziehungsweise Egerlinge. Viele Arten sehen ähnlich aus und sind essbar, darunter kann sich jedoch der giftige Karbol-Champignon befinden. Giering empfiehlt, den Hut anzuritzen: Verfärbt sich die Stelle sofort gelblich, soll der Pilz nicht gegessen werden.

Der Karbol-Egerling (Agaricus xanthodermus) kann Magen-Darm-Beschwerden verursachen. Sein Fleisch verfärbt sich an der Stielbasis beim Anschnitt oder Reiben kräftig chromgelb. Außerdem riecht er unangenehm nach Tinte, Karbol oder Desinfektionsmittel. Echte Champignons riechen angenehm pilzig und gilben nicht so auffällig.

Eine noch gefährlichere Verwechslung betrifft den Grünen Knollenblätterpilz (Amanita phalloides). Er gilt als gefährlichster Giftpilz Mitteleuropas und ist für die meisten tödlichen Pilzvergiftungen verantwortlich. Junge Exemplare können geschlossene Wiesen- oder Zucht-Champignons imitieren. Champignons haben zunächst rosa, später schokoladenbraune Lamellen; der Grüne Knollenblätterpilz besitzt stets rein weiße Lamellen. Er hat außerdem eine knollige, häutige Scheide, die sogenannte Volva, an der Stielbasis und einen Ring. Der Pilz muss für die Bestimmung vollständig ausgegraben werden – Champignons haben keine häutige Knolle.

Der Knollenblätterpilz wächst vor allem in Laubwäldern bei Eichen und Buchen, Wiesen-Champignons bevorzugen offene Wiesen und Weiden. Rein weiße Lamellen bei einem champignonähnlichen Pilz sind daher ein Warnsignal. Kontrollierte Zucht-Champignons vermeiden dieses Verwechslungsrisiko.

Auch der Pfifferling hat Doppelgänger. Der Falsche Pfifferling ist meist kräftiger orange, riecht nicht nach Aprikose und besitzt echte, dünne Lamellen. Der Echte Pfifferling hat dagegen dicke, herablaufende Leisten. In kleinen Mengen ist der Falsche Pfifferling meist verträglich, er kann aber Magen-Darm-Beschwerden verursachen.

Deutlich giftig ist der Ölbaumpilz. Er wächst büschelig direkt an Holz, Stubben oder verborgenen Wurzeln und hat scharfkantige, echte Lamellen. Echte Pfifferlinge wachsen einzeln aus dem Waldboden, nicht büschelig an Holz. Das klingt nach einem kleinen Detail, kann im Wald aber den entscheidenden Unterschied machen.

Erhitzen, ausgraben, nachfragen

Pilze sollten laut Bütow mindestens 15 bis 20 Minuten erhitzt werden. „Al dente“ sei bei Pilzen nicht geeignet, da durch ausreichendes Garen Resttoxine reduziert werden. Eine sogenannte unechte Pilzvergiftung entsteht dagegen nicht durch Pilzgifte, sondern durch den Verzehr verdorbener oder angegammelter Exemplare.

Für die Kontrolle sollten Pilze vollständig herausgedreht werden, damit die Stielbasis sichtbar bleibt. Eine häutige Knolle am Stielgrund ist ein wichtiges Warnzeichen. Außerdem lohnt der Blick auf Lamellen und Poren: Rein weiße Lamellen bei champignonähnlichen Pilzen sind verdächtig, rote Poren bei Röhrlingen ein Alarmsignal.

Wer bei einem Fund unsicher ist, kann die Pilzberatung im Botanischen Garten Rostock an Wochenenden zwischen 14 und 18 Uhr aufsuchen. Listen regionaler Pilzberater sind online verfügbar; in Mecklenburg-Vorpommern werden regelmäßig Pilzberatungen und Pilzwanderungen angeboten.

Wenn der Bauch später Alarm schlägt

Jedes Jahr erreichen die Giftinformationszentren der Bundesländer einige Tausend Anfragen zu Pilzen. In Deutschland gibt es sehr giftige Pilze, die essbaren Arten ähneln – und Verwechslungen können auch erfahrenen Sammlerinnen und Sammlern passieren.

Zu den häufig gesammelten Speisepilzen gehören Wiesenchampignons und Täublinge. Auch sie können mit dem sehr giftigen Grünen Knollenblätterpilz verwechselt werden. Seine Giftstoffe können Leberversagen verursachen, bereits eine geringe Menge kann tödlich sein. Kinder und ältere Menschen sind besonders gefährdet, weil bei ihnen schon kleine Mengen schwere gesundheitliche Schäden auslösen können.

Mögliche Symptome einer Pilzvergiftung sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schwindel und Atembeschwerden. Häufig beginnt sie mit Unwohlsein, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Beschwerden können je nach Pilzart erst Stunden oder Tage nach dem Verzehr auftreten.

Bei Verdacht sollte man 112 oder den Giftnotruf anrufen. Pilzreste und Putzabfälle zur Bestimmung aufbewahren. Kein Erbrechen ohne ärztliche Anweisung auslösen.

Wer das Verwechslungsrisiko ganz vermeiden möchte, kann Pilze zu Hause züchten. Fertigkulturen ermöglichen die Zucht sortenreiner Speisepilze. Angeboten werden unter anderem eine BIO-Kräuterseitling-Kultur mit ersten Pilzen nach 7–28 Tagen für 18,90 €, ein BIO-Edel-Pilz-Mix aus Kräuterseitling und Shiitake mit zwei Fertigkulturen für 36,50 € sowie eine Austernpilzkultur mit mehreren Erntew