Universität Rostock begrüßt 2.932 Erstsemester auf dem Weg abseits der geraden Linie
Für mehrere Hunderttausend junge Menschen beginnt im Herbst ein Studium. Auch in Rostock war der Start nicht bloß eine Unterschrift auf einem Formular: Die Universität begrüßte ihre Erstsemester traditionell mit einem Festzug durch die Innenstadt. Universitätsleitung, Dekane und Mitglieder des Akademischen Senats zogen vom Universitätsplatz zur St.-Marien-Kirche.
Die Kirche gilt als historischer Gründungsort der 1419 gegründeten Universität. Dort fand am Freitag die feierliche Immatrikulation statt. Knapp 3.000 neue Studierende hörten die Ansprache von Rektorin Professorin Elizabeth Prommer – vermutlich mit einer Mischung aus Vorfreude, Nervosität und dem leisen Gedanken: Was kommt jetzt eigentlich alles?
„Auch mal vom geraden Weg abweichen“
Prommer ermutigte die Studienanfängerinnen und Studienanfänger, neugierig zu bleiben, die Angebote der Universität zu nutzen und sich auszuprobieren. Sie sollten eigene Stärken entwickeln, sich nicht einengen lassen und gelegentlich vom „geraden Weg“ abweichen. Diesen Gedanken gab sie den Studierenden erneut mit auf den Weg.
Ein Studium, sagte die Rektorin, sei nicht nur Vorbereitung auf einen Beruf, sondern auch eine Möglichkeit zur persönlichen Entwicklung. Zugleich verwies sie auf die gesellschaftliche Verantwortung der Studierenden. Empathie, Verantwortung und Kreativität seien wichtige Voraussetzungen, um neue Fragen und Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen zu entwickeln. Keine kleine Aufgabe – aber auch kein Grund, gleich am ersten Tag alles wissen zu müssen.
Bei der Immatrikulationsfeier waren Mecklenburg-Vorpommerns Wissenschaftsministerin Bettina Martin (SPD) und Rostocks Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger dabei. Die Festrede hielt der Physikdidaktiker Professor Kai Bliesmer, der an der Universität Rostock in der Lehrkräftebildung tätig ist.
2.932 neue Studierende in Rostock
Zum Wintersemester 2026/2027 haben sich an der Universität Rostock insgesamt 2.932 Studierende neu immatrikuliert. Das sind 110 mehr als im Vorjahr, darunter 397 internationale Studierende. Damit zählt die Universität nun 12.712 Studierende.
Seit 1419 werden an der Universität Rostock Studierende immatrikuliert. Mit der Immatrikulation wird man Studierender der Universität Rostock im jeweiligen Studiengang. Besonders beliebt sind bei den zulassungsfreien Angeboten Deutsch für das Lehramt, Erziehungs- und Bildungswissenschaften sowie Sonderpädagogik an Grund- und Förderschulen. Bei den zulassungsbeschränkten Studiengängen und Fächern sind unter anderem Kommunikations- und Medienwissenschaften, Biowissenschaften, Humanmedizin und Zahnmedizin gefragt.
Bei zulassungsfreien Studiengängen gibt es kein Auswahlverfahren. Alle Bewerberinnen und Bewerber werden aufgenommen, sofern sie die Zugangsvoraussetzungen der Universität und des Studiengangs erfüllen. Der Antrag muss allerdings form- und fristgerecht eingereicht werden; wann genau innerhalb der jeweiligen Frist, ist unerheblich.
Üblicherweise läuft die Einschreibung für zulassungsfreie Studiengänge im Wintersemester vom 1. Juni bis zum 30. September, im Sommersemester vom 1. Februar bis zum 31. März. Für das Wintersemester 2026/27 endet die Einschreibefrist für alle zulassungsfreien Studiengänge am 14. Oktober 2026. Bei zulassungsbeschränkten Studiengängen ist die Frist dem Zulassungsbescheid zu entnehmen, mögliche Nachrückverfahren müssen berücksichtigt werden. Die Einschreibung erfolgt gemäß der Immatrikulationsordnung; ein persönliches Erscheinen ist grundsätzlich nicht erforderlich. Es gibt örtlich und bundesweit zulassungsbeschränkte sowie zulassungsfreie Studiengänge.
Deutschlandweit fast eine halbe Million Studienanfänger
Wie viele junge Menschen bundesweit in diesem Studienjahr neu anfangen, lässt sich noch nicht abschließend sagen. Zahlen für das Studienjahr 2026/2027 liegen noch nicht vor. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes begannen im Studienjahr 2025/2026 insgesamt 491.650 Menschen erstmals ein Hochschulstudium, nach 490.304 im Vorjahr.
Im Wintersemester 2025/2026 studierten rund 2,9 Millionen Menschen an deutschen Hochschulen. Für viele von ihnen führt der Weg irgendwann zum Abschluss – für manche aber auch nicht. Genauere Antworten darauf soll die Studienverlaufsstatistik liefern, die 2017 eingeführt wurde.
Was Zahlen über Studienerfolg zeigen können
Die Studienverlaufsstatistik enthält unter anderem Abschlussquoten. Erfasst wird der Anteil der Studienanfängerinnen und Studienanfänger im 1. Fachsemester, die ein Bachelorstudium innerhalb von 8 Semestern erfolgreich abschließen. Für Masterstudiengänge geht es um den Anteil der Studienanfängerinnen und Studienanfänger, die innerhalb von 6 Semestern erfolgreich zum Abschluss kommen.
Für Staatsexamensstudiengänge liegen bislang nicht genügend Berichtszeiträume vor, um Abschlussquoten zu berechnen. Geplant sind deshalb sowohl die Berechnung von Abschlussquoten für Staatsexamensstudiengänge als auch längere Beobachtungszeiträume für Bachelor- und Masterstudiengänge.
Vor Einführung der Studienverlaufsstatistik berechnete und veröffentlichte das Statistische Bundesamt sogenannte Erfolgsquoten. Dafür wurden Aggregatdaten der Prüfungsstatistik zu Absolventinnen und Absolventen nach dem Merkmal „Jahr der Ersteinschreibung“ mit Aggregatdaten der Studierendenstatistik zu Studienanfängerinnen und Studienanfängern zusammengeführt. Die Erfolgsquoten zeigen den Anteil der Studierenden, die erfolgreich einen ersten Hochschulabschluss erworben haben.
Die Berechnung auf Basis von Aggregatdaten ermöglichte allerdings nur hochaggregierte Ergebnisse. Durch den Vergleich der Zahl der Studienanfängerinnen und Studienanfänger mit der Zahl der Absolventinnen und Absolventen nach dem „Jahr der Ersteinschreibung“ sind solche Aussagen zum Studienerfolg möglich. Daten zu Erfolgsquoten stehen im Statistischen Bericht und in der Datenbank GENESIS-Online zur Verfügung.
Als Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher gelten ehemalige Studierende, die ihr Erststudium ohne Hochschulabschluss beendet haben. Das aktuelle Datenangebot der Hochschulstatistik umfasst bislang vor allem Kennzahlen zum Studienerfolg. Die neue Studienverlaufsstatistik soll künftig fachlich und regional differenziertere Angaben zum Studienerfolg ermöglichen und Studienabbruchquoten auf Grundlage amtlicher Mikrodaten berechenbar machen.
Eine bereits verfügbare alternative Datenquelle zu Studienabbrecherinnen und Studienabbrechern ist die Absolventenbefragung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW GmbH). In Rostock beginnt derweil für 2.932 Menschen erst einmal die Zeit, in der der Weg ruhig ein bisschen ungerade sein darf.
