Wer in Marburg für ein Wochenende ein Zelt braucht, eine Bohrmaschine nur einmal im Jahr benutzt oder spontan einen Bierpong-Tisch sucht, muss das Zeug nicht gleich kaufen. Im MaterialZentrum in der Biegenstraße 17 gibt es die „AusleihBar“: Rund 1.000 Alltagsgegenstände und Werkzeuge können dort kostenlos oder gegen einen kleinen Obolus für kurze Zeit ausgeliehen werden.

Das Sortiment reicht von Zelten und Schlafsäcken über Fondue-Töpfe und -Gabeln bis zu Brettspielen, Bohrmaschinen, Schraubendrehern und Äxten. Auch ein Beamer, Kindersitze, Nähmaschinen und Küchengeräte gehören dazu. Einer der meistgefragten Artikel ist ausgerechnet ein Bierpong-Tisch, den ein Gründungsmitglied gestiftet hat.

Vom Kiosk in größere Räume

Begonnen hat das Projekt 2021 mit fünf Engagierten im „Pilgrimmstein-Kiosk“. Die Stadt Marburg übernahm zunächst die Mietkosten, die „AusleihBar“ musste nur die Nebenkosten tragen. Anfangs standen ungefähr 100 Gegenstände zur Verfügung. Der Platz wurde schnell knapp, deshalb zog das Projekt vor mehr als drei Jahren in das MaterialZentrum in der Biegenstraße.

Auch dort reicht der Raum inzwischen kaum noch. Die Nachfrage ist hoch, der Katalog soll weiter wachsen, und dafür wären größere Räumlichkeiten nötig. Unangemeldete Sachspenden werden derzeit nicht angenommen. Nach vorheriger Anfrage können Spenden jedoch möglich sein; für Großspenden ist eine Terminvereinbarung unter 0176 49111781 erforderlich.

Seit der Haushaltssperre der Stadt Marburg finanziert sich die „AusleihBar“ hauptsächlich durch Zahlungen des Allgemeinen Studierendenausschusses der Universität Marburg. Rund 3.400 Menschen aus dem gesamten Landkreis Marburg-Biedenkopf sind angemeldet. Pro Jahr kommen durchschnittlich etwa 14.000 Ausleihen zusammen – Zelt raus, Zelt wieder rein, nächster Termin.

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Ausleihen, reparieren, weiterverwenden

Das Materialzentrum Marburg, kurz MaZe, ist ein nachbarschaftlicher Treffpunkt von Solidarburg e.V. für nachhaltige Ideen. Offen steht es Menschen jeden Alters und jeder Herkunft. Neben der „AusleihBar“ gehören die „ReparierBar“ und die „VerwertBar“ zu den Kernprojekten. Außerdem gibt es Workshops mit Expertinnen und Experten zu Nachhaltigkeit, Vorträge und gemeinsames Basteln.

Die Idee hinter dem Ausleihen ist schlicht: Niemand soll teure Produkte kaufen müssen, die anschließend monatelang im Keller stehen. Über die Internetseite des MaterialZentrums können sich Interessierte registrieren, den Katalog einsehen und Gegenstände vormerken. Die reservierten Artikel werden abgeholt, genutzt und danach zurückgebracht.

In der „ReparierBar“ helfen Expertinnen und Experten dabei, Kleidung, Elektronikgeräte und andere Gegenstände wieder flottzumachen. Besucherinnen und Besucher können dabei praktische Reparaturerfahrung sammeln; Termine lassen sich über die Website vereinbaren.

Die „VerwertBar“ sammelt Materialien, die zu schade zum Wegwerfen sind. Dazu zählen Kronkorken und Naturkorken, Schrauben, Nägel und Muttern, Farbreste und Bastelmaterial, Büro-, Schreibtisch- und Ausbildungsmaterial sowie Nähutensilien wie Stoffe, Nähgarn, Wolle und Reißverschlüsse. In Workshops werden die Dinge weiterverwendet oder kostenlos an Menschen abgegeben, die sie benötigen. Eine aktuelle Sammel- und Bestandsliste steht online.

Ein Haus mit mehreren Nutzungen

Die „AusleihBar“ ist inzwischen Teil des Vereins „Solidarburg“. Sabine Schock gehört dem Vereinsvorstand an. Solidarburg organisiert seit der Corona-Pandemie verschiedene Nachbarschaftsprojekte und unterstützt Hilfe zur Selbsthilfe.

Im selben Gebäude arbeiten auch die „Lahntaucher“, die die Lahn entmüllen, und der Marburger „Hackspace“. Geplant ist außerdem Unterstützung durch den Landkreis, weil weitere Projekte dieser Art in Marburg-Biedenkopf entstehen sollen. Dafür braucht es Platz – und zwar nicht nur für noch mehr Werkzeugkisten.

Die Räume sind montags, dienstags, donnerstags und freitags jeweils von 15:00–18:00 Uhr geöffnet. Mittwochs sowie samstags und sonntags bleibt das Materialzentrum geschlossen. Zu erreichen ist es unter 06421 8857154 oder per E-Mail an kontakt@solidarburg.de.

Bei der Online-Recherche kann allerdings eine technische Hürde auftauchen: Die Website digital.zlb.de wird durch Anubis vor automatisiertem Scraping durch KI-Unternehmen geschützt. Anubis nutzt dafür ein Proof-of-Work-Verfahren nach dem Vorbild von Hashcash, das ursprünglich zur Bekämpfung von E-Mail-Spam vorgeschlagen wurde. Für einzelne Nutzer soll die zusätzliche Rechenlast gering bleiben, umfangreiches Scraping aber teurer werden.

Das Verfahren gilt als Übergangslösung, bis fortgeschrittenere Methoden zur Erkennung von Headless-Browsern verfügbar sind – etwa anhand der Schriftartdarstellung. Wer vermutlich legitim unterwegs ist, soll künftig möglichst keine Proof-of-Work-Prüfung sehen. Anubis benötigt moderne JavaScript-Funktionen; Erweiterungen wie JShelter können diese deaktivieren und sollen für die Website abgeschaltet werden.