Catumaxomab bei malignem Aszites: Ambulante Immuntherapie für sorgfältig ausgewählte Krebspatienten
Med Berlin, 28.10.2026 – Für Menschen mit weit fortgeschrittenen Krebserkrankungen kann maligner Aszites zu einer zusätzlichen, sehr konkreten Belastung werden: Der Bauch schwillt an, spannt und drückt, manchmal kommt Atemnot dazu. Wiederholte Parazentesen, also Punktionen zur Ableitung der Flüssigkeit, bringen oft vorübergehend Erleichterung. Sie sind aber nicht harmlos und bedeuten für die Betroffenen immer wieder Eingriffe, Wartezeiten und prozedurale Risiken.
Eine zugelassene Option ist Catumaxomab. Die intraperitoneale Immuntherapie kommt bei Patientinnen und Patienten mit EpCAM-positiven Karzinomen infrage, wenn keine weitere systemische Krebstherapie mehr geeignet ist. Professor Klaus Pietzner von der Charité – Universitätsmedizin Berlin erläutert im Podcast „O-Ton Onkologie“, wie der Wirkstoff funktioniert, welche Personen für die Behandlung ausgewählt werden und welche unerwünschten Ereignisse auftreten können.
Ein Antikörper mit mehreren Angriffspunkten
Catumaxomab ist ein bispezifischer und trifunktionaler Antikörper gegen EpCAM und CD3. Er verbindet EpCAM-tragende Tumorzellen mit T-Zellen und weiteren Immunzellen. So soll die körpereigene Abwehr möglichst direkt an den Tumorzellen im Bauchraum aktiv werden. Zugelassen war Catumaxomab in der Europäischen Union seit 2009 für EpCAM-positive epitheliale Tumoren mit malignem Aszites, wenn keine Standardtherapie verfügbar oder noch wirksam war.
Maligner Aszites entsteht häufig, wenn sich ein Tumor im Bauchfell ausbreitet. Beobachtet wird das unter anderem bei Eierstock-, Brust-, Gebärmutter-, Zervix- und Magen-Darm-Karzinomen sowie bei anderen Krebsarten. Für die Betroffenen kann sich das durch abdominale Schwellung und Druckgefühl, Atemnot, Beckenschmerzen, Blähungen, Darmfunktionsstörungen oder Probleme beim Wasserlassen bemerkbar machen. Diuretika, wiederholte Punktionen, peritoneovenöse Shunts sowie intravenöse oder intraperitoneale Chemotherapien gehören zu den üblichen palliativen Maßnahmen.
Was eine ambulante Behandlung leisten kann
Wie praktikabel Catumaxomab außerhalb des Krankenhauses ist, untersuchte eine 2015 im The Oncologist veröffentlichte Beobachtungsstudie. Zwischen 2010 und 2014 wurden 30 Erwachsene ambulant behandelt: 17 mit epithelialem Ovarialkarzinom, sieben mit metastasiertem Mammakarzinom und sechs mit anderen Malignomen. Zwei Menschen mit nichtgynäkologischen Tumoren hatten Metastasen im weiblichen Genitaltrakt.
Das mediane Alter lag bei 58,5 Jahren, die Altersspanne reichte von 39 bis 75 Jahren. Zwanzig Personen hatten einen Karnofsky-Performance-Status von 60 bis 70 Prozent, zehn erreichten mindestens 80 Prozent. Bei 16 Patientinnen und Patienten lagen ausschließlich intraperitoneale Tumoren vor; 14 hatten zusätzlich extraperitoneale Metastasen und/oder Leberbefall. Im Median waren bereits fünf systemische Therapien erfolglos gewesen, mit einer Spannweite von einer bis zwölf Behandlungen.
Für die ambulante Therapie galten strenge Ausschlusskriterien. Dazu zählten unter anderem eine schlechte Allgemeinverfassung, eine erwartete Lebenserwartung von unter acht Wochen, schwere Mangelernährung oder Hypoproteinämie, aktive Infektionen, relevante Organerkrankungen, Immundefizienz und unkontrollierte schwere Begleiterkrankungen. Vor Beginn musste der maligne Charakter des Aszites zytologisch bestätigt werden; EpCAM wurde, soweit möglich, immunhistochemisch bestimmt.
Unter Ultraschallkontrolle wurde ein dauerhaftes intraperitoneales Kathetersystem eingesetzt. Catumaxomab erhielten die Patientinnen und Patienten an den Tagen 1, 4, 7 und 10 in steigenden Dosen von 10, 20, 50 und 150 Mikrogramm. Die Infusion dauerte je nach damaligem Zulassungsstatus drei oder sechs Stunden. Vor jeder Gabe wurde der vorhandene Aszites abgelassen. Gegen Übelkeit, Fieber und Schmerzen kamen intravenöse und orale Medikamente zum Einsatz; bei niedrigem Albumin wurde Humanalbumin gegeben. Kortikosteroide waren nicht routinemäßig vorgesehen, konnten aber bei Bedarf verabreicht werden.
Nebenwirkungen, Punktionen und Zahlen
Alle 30 Behandelten blieben zunächst im ambulanten Setting. 19 Personen, also 63,3 Prozent, erhielten alle vier geplanten Instillationen. Zwei brachen wegen nicht tolerierbarer Toxizität ab. Bauchschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen, Müdigkeit und Fieber traten am häufigsten auf. Meist waren die Beschwerden beherrschbar und überschritten selten CTCAE-Grad 2.
Sieben Patientinnen und Patienten, 23,3 Prozent, mussten später doch stationär aufgenommen werden: fünf wegen einer allgemeinen Verschlechterung durch die Grunderkrankung, jeweils eine Person wegen Fieber oder Infektion beziehungsweise wegen Bauchschmerzen und Subileus.
Nur fünf Menschen, 16,7 Prozent, benötigten nach der Catumaxomab-Therapie wegen symptomatischem Aszites erneut eine Punktion. Bei ihnen lag die punktionsfreie Zeit im Median bei 15 Tagen, die Spannweite betrug acht bis 169 Tage. Bei den übrigen blieb der Aszites bis zum Tod oder bis zum Ende der Beobachtung ohne erneute Punktion kontrolliert.
Das mediane punktionsfreie Überleben, kurz PuFS, betrug 56 Tage. Das mediane Gesamtüberleben lag bei 79,5 Tagen. Nach drei, sechs und zwölf Monaten lebten noch 46,7, 33,0 beziehungsweise 14,7 Prozent der Patientinnen und Patienten. Beim punktionsfreien Überleben lagen die entsprechenden Werte bei 43,3, 25,9 und 14,7 Prozent.
Auch bei den messbaren Tumorläsionen zeigte sich ein bemerkenswerter Befund: Von elf Patientinnen und Patienten mit solchen Läsionen entwickelte während der Catumaxomab-Therapie niemand eine Progression. Zwei von ihnen, 18,1 Prozent, erreichten nach RECIST 1.1 eine partielle Remission. Nach der Behandlung konnten elf Menschen, 36,7 Prozent, erneut systemisch behandelt werden. Sie erhielten ein bis vier weitere Therapien, darunter Hormontherapie, Chemotherapie und zielgerichtete Medikamente.
Wer besonders profitieren könnte
Längeres punktionsfreies und Gesamtüberleben zeigte sich bei Personen mit einem Karnofsky-Status von 80 bis 100 Prozent, ohne extraperitoneale Metastasen beziehungsweise ohne Leberbefall, nach Abschluss aller vier Instillationen und bei anschließender Möglichkeit einer systemischen Therapie.
Die Unterschiede waren deutlich: Bei einem Karnofsky-Status von mindestens 80 Prozent betrug das mediane PuFS 326 gegenüber 33 Tagen, das mediane OS 326 gegenüber 41,5 Tagen. Ohne extraperitoneale Tumoren lag das mediane PuFS bei 169 gegenüber 29,5 Tagen und das mediane OS bei 181 gegenüber 37,5 Tagen. Nach Abschluss aller vier Instillationen wurden 110 gegenüber 32 Tagen beim PuFS und 176 gegenüber 34 Tagen beim OS erreicht. Wenn anschließend eine systemische Therapie möglich war, betrugen die Werte 326 gegenüber 27 Tagen beim PuFS und 326 gegenüber 41 Tagen beim OS.
Alter, ovarielle gegenüber nichtovarieller Tumorhistologie, die Zahl der Vorbehandlungen und eine relative Lymphozytenzahl von mindestens 13 Prozent waren in dieser Studie dagegen keine statistisch signifikanten Prognosefaktoren. Die Aussagekraft bleibt allerdings begrenzt: Die Patientenzahl war klein, das Studiendesign nichtinterventionell, die Gruppe stark vorbehandelt und häufig in reduziertem Allgemeinzustand. Eine multivariate Analyse wurde wegen der kleinen Subgruppen nicht durchgeführt.
Die Studiengruppe beschrieb die ambulante intraperitoneale Catumaxomab-Therapie bei sorgfältig ausgewählten Menschen als überwiegend durchführbar und sicher. Bei den meisten ließ sich der Aszites gut kontrollieren, bei einem Teil wurde danach sogar noch eine systemische Behandlung möglich. Als geeignete Kandidaten galten vor allem Patientinnen und Patienten mit gutem Allgemeinzustand, ohne extraperitoneale Tumorausbreitung und mit Aussicht darauf, alle vier Instillationen sowie eine weitere systemische Therapie zu bewältigen.
Ob die ambulante Behandlung gegenüber einer stationären Therapie tatsächlich Kosten spart, wurde nicht direkt untersucht. Dafür wäre eine prospektive Kostenanalyse nötig. Professor Klaus Pietzner ordnet im Podcast außerdem die klinischen Fragen ein, die bleiben, wenn systemische Therapieoptionen nicht mehr passen: Wem ist die Belastung zuzumuten, wie lassen
