Dr. Andre Karius, Medizinphysikexperte an der Strahlenklinik des Uniklinikums Erlangen, ist bei den FAU Awards mit dem Thiersch-Preis ausgezeichnet worden. Die Medizinische Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) vergibt ihn für die beste und prägnanteste Habilitationsschrift des Jahres.

Karius erhielt die Auszeichnung für seine Forschung zur Weiterentwicklung der bildgestützten adaptiven Brachytherapie. Bei dieser Behandlung werden Tumoren gezielt von innen bestrahlt, während das umliegende Normalgewebe möglichst geschont wird. Eingesetzt wird die Methode unter anderem bei Brustkrebs, Prostatakrebs, gynäkologischen Tumoren wie Gebärmutterhalskrebs, Kopf-Hals-Tumoren und Hautläsionen.

Mehr Präzision durch Bildgebung und Navigation

Im Mittelpunkt von Karius’ Arbeit stehen innovative Bildgebung und Navigation, mit denen sich die Bestrahlung präziser ausrichten lässt. Hinzu kommen moderne Verfahren zur Berechnung der Strahlendosis und die Untersuchung ihres klinischen Wirkungsprofils. Künftig sollen dadurch Behandlungen möglich werden, die genauer auf einzelne Patientinnen und Patienten zugeschnitten sind.

„Die Auszeichnung freut mich sehr“, erklärte Karius. Seine Arbeit sei ohne die Unterstützung des interdisziplinären Teams der Strahlenklinik nicht möglich gewesen. Die FAU Awards würdigen herausragende Leistungen in Forschung, Lehre und Innovation sowie besonderes Engagement für die Universität.

Der Universitätsbund stiftet den nach dem Chirurgen Carl Thiersch benannten Preis seit 1967 jährlich für die herausragendste Habilitationsschrift. Er soll wissenschaftliche Leistungen auszeichnen und Nachwuchsforschende in der Medizin fördern.

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Auch für die Dissertation ausgezeichnet

Bei der Feier der FAU Erlangen-Nürnberg für Promovierte und Jubilare erhielt Karius außerdem den Karl Giehrl-Preis der Erika Giehrl-Stiftung. Diese Auszeichnung wird jedes Jahr für eine herausragende Dissertation vergeben, die an der FAU abgeschlossen wurde.

Seine Dissertation schloss Karius 2023 in der Arbeitsgruppe Medizinische Strahlenphysik der Strahlenklinik des Uniklinikums Erlangen ab. Geleitet wird die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Christoph Bert, die Strahlenklinik von Prof. Dr. Rainer Fietkau. Karius arbeitet weiterhin am Uniklinikum Erlangen – in der Patientenversorgung und in der Forschung.

In der Dissertation ging es um die Weiterentwicklung und klinische Implementierung der Kegelstrahl-Computertomographie, kurz CBCT, für die bildgestützte Brachytherapie. Dabei werden Bestrahlungsquellen über Applikatoren direkt in das betroffene Gewebe eingebracht. Karius untersuchte, wie CBCT zur Optimierung und Qualitätssicherung der Positionierung dieser Applikatoren eingesetzt werden kann.

Außerdem entwickelte er Verfahren, um die geometrische Stabilität der Applikatoren im behandelten Körperbereich zu verbessern. Das ermöglichte Fortschritte bei der Durchführung der Brachytherapie. Im Fokus standen Behandlungen gynäkologischer Tumoren, darunter Gebärmutterhalskrebs, sowie von Prostata- und Brustkrebs.

Kontakt zu Prof. Dr. Christoph Bert: Telefon 09131 85-33405, E-Mail christoph.bert(at)uk-erlangen.de.

Ein weites Feld der Radioonkologie

Die Arbeitsgruppe Brachytherapie, auch Interventionelle Strahlentherapie genannt, gehört zur Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO). Dort arbeiten Experten an der Weiterentwicklung und Anwendung der Methode. Eine Strahlenquelle wird direkt im oder am Tumor beziehungsweise im ehemaligen Tumorbett platziert. So soll das betroffene Areal gezielt behandelt werden, während gesundes Gewebe in der Umgebung möglichst wenig abbekommt.

Zum Aufgabenfeld gehören Indikationen und Anwendung, Operationstechniken, technische Ausstattung und Applikatoren, medizinische Physik sowie Qualitätssicherung. Die Arbeitsgruppe bietet Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen an und führt wissenschaftliche Studien durch. Sie sammelt Daten zur HDR-, LDR- und PDR-Brachytherapie und initiiert multizentrische Studien zur Behandlung bösartiger Tumoren mit interventioneller Strahlentherapie.

Die klinischen und wissenschaftlichen Schwerpunkte reichen von Prostatakarzinomen, Brustkrebs und gynäkologischen Malignomen über HNO-Tumoren und Hauttumoren bis zu Peniskarzinomen, Lebertumoren, Speiseröhrenkarzinomen, Rektumkarzinomen, Analkarzinomen, Sarkomen und Aderhautmelanomen. Auch gutartige Erkrankungen wie Keloide und Pterygium gehören zum Tätigkeitsbereich.

Gemeinsam mit der DEGRO-Arbeitsgruppe „Junge DEGRO“ hat die Brachytherapie-Arbeitsgruppe zudem ein Hospitationsprogramm entwickelt. Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung können dabei Einblicke in die Brachytherapie gewinnen und Techniken erlernen. Eine laufend aktualisierte Datenbank informiert über teilnehmende Kliniken und lokale Kontaktpersonen.

Dem Vorstand gehören Prof. Dr. med. Vratislav Strnad als Vorsitzender am Universitätsklinikum Erlangen, Strahlenklinik, sowie Prof. Dr. med. Peter Niehoff als Stellvertreter am Sana Klinikum Offenbach, Klinik für Strahlentherapie und interdisziplinäre Onkologie, an. Beisitzerinnen sind Prof. Dr. med. Katja Lindel vom Städtischen Klinikum Karlsruhe, Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie mit MVZ, und Prof. Dr. med. Stefanie Corradini vom Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München, Campus Großhadern, Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie.

Erreichbar sind Vratislav Strnad unter vratislav.strnad@uk-erlangen.de, Peter Niehoff unter peter.niehoff@sana.de, Katja Lindel unter katja.lindel@klinikum-karlsruhe.de und klindel@gmx.de sowie Stefanie Corradini unter stefanie.corradini@med.uni-muenchen.de.