Am 31. Oktober 2026 soll sich in 21 deutschen Städten etwas bewegen. Unter Namen wie „Gen Z regelt“, „Gen Z regelt das“ und „Gen Z steht auf“ rufen formal unverbundene Initiativen zu Jugendprotesten auf. Auch an der Freien Universität Berlin wird darüber gesprochen: Gianni Matheja, Student an der FU und Sprecher der Berliner Ortsgruppe, beschreibt das enge Organisationsteam als ungefähr sechs Personen groß. Mitorganisator ist außerdem Arda Akyol.

Auf der Liste stehen Bildung, ein bezahlbares Leben, Lebenshaltungskosten, Klimaschutz, weitere soziale und klimapolitische Forderungen – und die Ablehnung einer Wehrpflicht. Mobilisiert wird über Websites, Instagram, TikTok, Telegram, X und lokale Gruppen. „Generation Z“ meint üblicherweise Menschen, die zwischen Mitte der 1990er-Jahre und 2010 geboren wurden; derzeit sind sie etwa 15 bis 30 Jahre alt.

Viele Zusagen, klare Ansage an die Polizei

Die Initiative „Gen Z steht auf“ nennt für den 31. Oktober 21 deutsche Städte, darunter Köln, Düsseldorf, Bonn, Dortmund, Essen und Bielefeld. Nach Angaben der Initiativen-Website lagen die Teilnahmezusagen am 23. Oktober um 12:40 Uhr in Köln bei mehr als 5.000, in Bonn bei rund 3.700, in Bielefeld bei mehr als 2.300, in Düsseldorf bei knapp 1.600, in Dortmund bei 1.200 und in Essen bei mehr als 700. Für Aachen wurden etwa 130 Zusagen angegeben.

Akram Selo, einer der Mitinitiatoren, bezeichnete die geplanten Versammlungen gegenüber der dpa als friedlich. Gewalt gegen Menschen oder Sachen sei nicht der Weg, erklärte er; die Initiative distanziere sich von jeder Form von Gewalt. Im Telegram-Kanal wird eine „zu 100 % friedliche, demokratische und gewaltfreie“ Demonstration angekündigt. Wer zu Gewalt aufrufe, solle ausgeschlossen werden. Auf der Website steht zudem, dass die jeweiligen Anmelderinnen und Anmelder vor Ort für die einzelnen Versammlungen verantwortlich sind. Matheja betont den überparteilichen und gewaltfreien Charakter.

Ganz ruhig ist die digitale Begleitmusik allerdings nicht. Auf TikTok, Instagram, Telegram und X kursieren Beiträge, die Gewalt, Brände und sogenannte „französische Verhältnisse“ in Deutschland befürworten oder zumindest andeuten. Die Initiativen selbst beziehen sich auf Proteste in Frankreich, Belgien, Spanien und Italien, bei denen es laut dem zugrunde liegenden Artikel zu Brandstiftungen, Plünderungen und Angriffen auf Polizei und Staat kam.

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Der NRW-Landesverfassungsschutz berichtet, dass Akteure aus dem linksextremistischen und auslandsbezogenen extremistischen Spektrum für die Proteste mobilisierten. Auch der Verfassungsschutz in Hessen nennt Mobilisierung aus dem linksextremistischen Spektrum. Nach Einschätzung der NRW-Behörde gibt es neben Protestaufrufen eine Verbindung linksextremistischer Symbolik mit Gewalthandlungen; teilweise werde auf die Ausschreitungen in Frankreich Bezug genommen.

Jochen Kopelke, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, befürchtet, friedliche Versammlungen könnten von Krawallmachern und „Krawalltouristen“ unterwandert werden. Soziale Medien könnten dabei eine wichtige Rolle spielen, ebenso Szenarien ähnlich den Ausschreitungen in Frankreich. Deutsche Sicherheitskreise beobachten, dass die Ereignisse dort in Deutschland stark wahrgenommen und online teilweise positiv kommentiert werden. Linke Gruppen versuchten laut diesen Sicherheitskreisen, die französischen Proteste für eigene Mobilisierungen zu nutzen.

NRW-Innenminister Herbert Reul formuliert es knapp: Proteste seien legitim, Randale werde die Polizei stoppen. Falls Demonstrationen nicht friedlich blieben, kündigte Reul Konsequenzen an; gegen Gewalt, Hass und Chaos werde die Polizei konsequent vorgehen. Sicherheitsbehörden bereiten sich bundesweit auf größere Einsätze vor.

Was hinter der „Gen-Z-Mafia“ steckt

Parallel berichten Medien und Ermittler über die sogenannte „Gen-Z-Mafia“. Gemeint sind junge, hoch gewaltbereite kriminelle Gruppierungen, überwiegend mit Mitgliedern der Jahrgänge 1995 bis 2012. Eine einheitliche Organisation ist das laut Artikel nicht. Viele Beschuldigte seien zwischen 18 und Ende 20, manche minderjährig.

Die Gruppierungen sollen ihren Ursprung in ärmeren Vierteln Istanbuls haben und mit der dortigen „Mafia der neuen Generation“ verbunden sein. In Deutschland sind viele Beschuldigte türkische Staatsangehörige oder türkeistämmig; genannt werden außerdem syrische, afghanische, pakistanische sowie deutsche beziehungsweise deutsch-türkische Tatverdächtige. Die Namen klingen teilweise wie aus einem schlechten Actionfilm: „Daltons“ beziehungsweise „Daltonlar“, „Casperlar“ und „Caspers“, „Şirinler“, „Red Kits“, „Ezgins“ und „Skins“.

Anders als klassische Familienclans sind diese Netzwerke lose und flach organisiert, nicht familienbasiert und nicht streng hierarchisch. Mitglieder wechseln. Soziale Medien und Messenger halten die Gruppen zusammen, teilweise werden sie international gesteuert. Hintermänner sollen sich häufig im Ausland aufhalten, unter anderem in Russland, Dubai, Italien und Georgien. Der mutmaßliche Anführer der „Daltons“, Berat Can Gökdemir, soll Berichten zufolge in Russland sein.

Das Angebot lautet laut Artikel „Crime as a Service“ und „Violence as a Service“. Spezialisierte Schützen werden für einzelne Aufträge angeworben, eingeflogen oder vor Ort rekrutiert. Wichtigstes Geschäftsfeld ist demnach Schutzgelderpressung, vor allem gegenüber türkeistämmigen Geschäftsleuten: Betreiber von Imbissen und Dönerläden, Autohäusern, Shisha-Bars und Immobilienbüros sollen betroffen sein. Die Forderungen liegen häufig im fünf- oder sechsstelligen Bereich, teils darüber.

Wer nicht zahlt, muss laut den Berichten mit Schüssen auf Geschäfte, Wohnhäuser oder Fahrzeuge rechnen, mit Brandanschlägen oder Drohungen – teilweise liegt Munition in Briefumschlägen. In schweren Fällen kommen Handgranaten zum Einsatz oder es gibt versuchte Tötungen. Waffenhandel, Drogenhandel und Auftragsgewalt gehören ebenfalls zu den genannten Geschäftsfeldern.

Die Taten werden gefilmt und auf TikTok, Instagram oder anderen Plattformen veröffentlicht. Die Videos sollen Opfer einschüchtern, neue Mitglieder anwerben und der Selbstdarstellung dienen. In einem Beispiel sprechen Täter nach Schüssen beiläufig über einen Restaurantbesuch. Diese Mischung aus Gewalt und Alltagsplauderei wirkt gerade deshalb so kalt.

Schwerpunkte liegen in Deutschland in Städten und Regionen mit hohem türkeistämmigem Bevölkerungsanteil: Berlin, Köln und das Rhein-Ruhr-Gebiet, Mannheim sowie weitere Städte in Bayern und Baden-Württemberg. Das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen registrierte seit Anfang 2026 rund 20 einschlägige Fälle, darunter mehrere Schusswaffendelikte. In Berlin bestehen die Sondereinheiten „Ferrum“ und „Telum“. Behörden stufen die Gewaltbereitschaft der Gruppierungen als besonders hoch ein.

Zwei Milieus, eine offene Frage

Ob und in welchem Umfang sich die Milieus der politischen Proteste und der organisierten Kriminalität überschneiden oder gegenseitig verstärken, bleibt offen. Die Reaktionen auf die Aufrufe zum 31. Oktober könnten laut Artikel Hinweise auf mögliche Verbindungen zwischen extremistischen Strukturen und kriminellen Netzwerken liefern. Mehr lässt sich daraus im Moment nicht seriös ableiten.

In Düsseldorf ist für den 31. Oktober außerdem eine Demonstration unter dem Motto „Sozialkürzungen – Solidarität mit Frankreich“ mit 100 Teilnehmenden angemeldet. Ob diese Veranstaltung mit den Protesten von „Gen Z steht auf“ zusammenhängt, ist unklar. In Frankreich waren landesweite Proteste gegen hohe Lebenshaltungskosten von Ausschreitungen und Plünderungen begleitet worden; in mehreren Städten, darunter Paris, wurden anschließend Ausgangssperren verhängt.

Der Blick auf frühere und parallele Gen-Z-Proteste zeigt, wie unterschiedlich die Auslöser sein können. Beim „Estallido Social“ in Chile vom 7. Oktober 2019 bis 18. März 2020 ging es um höhere Preise im öffentlichen Verkehr, gestiegene Lebenshaltungskosten, Jugendarbeitslosigkeit, Privatisierungen und soziale Ungleichheit. Die Preiserhöhung wurde zurückgenommen, Kabinettsposten wurden neu besetzt und ein Referendum über eine neue Verfassung angesetzt. Gabriel Boric wurde später Präsident; Verfassungsvorschläge scheiterten 2022 und 2023.

In der Dominikanischen Republik führten der Abbruch und die Verschiebung der Kommunalwahlen wegen technischer Probleme sowie Misstra