Ein Hackerangriff auf die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg beschäftigt auch am 20. Oktober 2026 die Hochschulen und Bewerber. Wie groß der mögliche Datenabfluss tatsächlich ist, bleibt offen. Im Raum stehen rund 51.000 Bewerbungsdatensätze für das Sommersemester 2026 und das Wintersemester 2026/2027. Das heißt allerdings nicht automatisch, dass ebenso viele Menschen betroffen sind: Einzelne Personen können mehrere Bewerbungen eingereicht haben.

Unbefugte könnten Namen, Adressen und Anschriften, Telefonnummern, private E-Mail-Adressen, Geschlecht, Geburtsdaten und Geburtsorte eingesehen haben. Dazu kommen Angaben zum Bewerbungsverfahren – etwa Bewerbernummern, der gewünschte Studiengang, der angestrebte Abschluss, das Fachsemester und der Stand des Zulassungsverfahrens.

Welche Unterlagen betroffen sein könnten

Auch hochgeladene Bewerbungsdokumente waren möglicherweise zugänglich. Welche Dateien bei einzelnen Bewerberinnen und Bewerbern betroffen sind, hängt von den jeweils eingereichten Unterlagen ab; die Universität hat nicht mitgeteilt, welche Dokumente genau einsehbar waren. Die Co-Vorsitzende des Studierendenrats, Anna Zobler, hält es für möglich, dass darunter auch Lebensläufe und Abiturzeugnisse sind.

Noch ist nicht geklärt, welche Daten tatsächlich abgerufen, welche Dateien lediglich eingesehen oder tatsächlich kopiert wurden. Ebenso offen bleibt, ob Informationen veröffentlicht oder weitergegeben worden sind. Nach aktuellem Kenntnisstand wurden Daten wahrscheinlich auch abgerufen. Eine missbräuchliche Verwendung ist bislang aber nicht bestätigt.

Die Universität erhielt am 14. Oktober 2026 Kenntnis vom Angriff und bestätigte den Vorfall am 16. Oktober. Nach Bekanntwerden richtete sie einen Krisenstab ein, die IT-Abteilung leitete Gegenmaßnahmen ein, zuständige Behörden wurden informiert und die Hochschule erstattete Strafanzeige. Untersucht werden derzeit die betroffenen Systeme, mögliche Sicherheitslücken und die tatsächlichen Zugriffe. Welche technische Schwachstelle ausgenutzt wurde, ist öffentlich noch nicht bekannt. Auch die Identität der Angreifer, der genaue Zugriffsweg und der Umfang der tatsächlich kopierten Daten sind offen.

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Warnung vor falschen Nachrichten

Die Universität informiert betroffene Personen fortlaufend und hat dafür eine eigene Informationsseite eingerichtet. Bewerber sollten bei unerwarteten Nachrichten vorsichtig sein – vor allem, wenn erneut persönliche Daten verlangt werden, Unterlagen über eine unbekannte Webseite hochgeladen werden sollen oder kurzfristig Gebühren zu zahlen sind. Auch Drohungen mit einer angeblichen Ablehnung können Teil eines gezielten Betrugsversuchs sein.

Die offengelegten Angaben könnten genutzt werden, um Nachrichten zu angeblich fehlenden Unterlagen, Gebühren oder Problemen bei der Zulassung glaubwürdig aussehen zu lassen. Identitätsmissbrauch ist grundsätzlich möglich. Für die Kommunikation sollten deshalb die bekannten offiziellen Kontaktwege der Universität verwendet werden. Falls Passwörter möglicherweise betroffen oder mehrfach genutzt wurden, kann eine Änderung sinnvoll sein; bestätigt ist bislang nicht, dass Passwörter kompromittiert wurden.

Weitere Angriffe auf Hochschulen

Der Vorfall in Halle steht nicht allein. Mitte September wurde an der Ludwig-Maximilians-Universität München ein Datenschutzvorfall festgestellt, von dem bis zu 600.000 Datensätze betroffen sein könnten. Am 7. Oktober stellte das Hochschulservicezentrum Baden-Württemberg, kurz HSZ-BW, einen Cyberangriff fest und nahm sämtliche Systeme offline. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde Schadsoftware in das Netzwerk eingeschleust; es muss davon ausgegangen werden, dass Angreifende dadurch Daten erlangten.

Das HSZ-BW ist eine gemeinsame Einrichtung der Hochschule Reutlingen und der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Es unterstützt 38 nichtuniversitäre Hochschulen sowie weitere Kunst- und Kultureinrichtungen bei digitalen Verwaltungsprozessen, unter anderem beim Campus-Management. Universitäten in Baden-Württemberg seien nicht betroffen, weil sie keine technischen Dienstleistungen des HSZ-BW nutzen.

Für viele andere Einrichtungen ist der Ausfall trotzdem spürbar. Nicht verfügbar sind zentrale Campus-Management-Systeme für Vorlesungspläne, Immatrikulations-, Studien- und BAföG-Bescheinigungen sowie Notenspiegel. Auch Systeme für Finanz- und Personalleistungen und weitere IT-gestützte Verwaltungsprozesse stehen derzeit nicht zur Verfügung. Betroffen sind Hochschulen für angewandte Wissenschaften, Pädagogische Hochschulen, Kunst- und Musikhochschulen, die Duale Hochschule Baden-Württemberg sowie Kunst- und Kultureinrichtungen.

Verwaltung im Notbetrieb

Die Hochschulen basteln deshalb an Ersatzlösungen. Die Hochschule für Musik Karlsruhe ändert das Bewerbungsverfahren für das Sommersemester 2027; Bewerbungsunterlagen sollen per E-Mail eingereicht werden. An der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen kommt es zu Zahlungsverzögerungen, alternative Zahlungsmöglichkeiten werden geplant. Die Hochschule Pforzheim kann derzeit keine elektronischen Rechnungen verarbeiten und bittet dafür um Einreichung per E-Mail.

Das HSZ-BW arbeitet im Notfallmodus. Die Systeme werden gesichert, untersucht und schrittweise wiederhergestellt. Ein Krisenstab kümmert sich um die Aufarbeitung und Bewältigung; das Polizeipräsidium Reutlingen ermittelt gemeinsam mit der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe. Wer hinter dem Angriff steckt, ist weiterhin unklar. Ob eine Geldforderung vorliegt, wurde nicht beantwortet.