Die Universität Leipzig ist auch am Donnerstagmorgen nach einem Hackerangriff weiterhin offline. Der Universitätsbetrieb ist dadurch beeinträchtigt. Rund 30.000 Studierende sowie die Beschäftigten der Hochschule sind betroffen – und plötzlich wird aus einer digitalen Selbstverständlichkeit eine ziemlich konkrete Alltagshürde.

Am Mittwoch nahm die Universität vorsorglich alle mit dem Internet verbundenen Server vom Netz. Damit sollte weiterer Schaden verhindert werden. Die Hintergründe des Angriffs sind bislang unklar. Ebenso offen ist, ob Daten abgeflossen sind, wie die Angreifer in die Systeme gelangten und welches Motiv hinter der Attacke steckt.

Server abgeschaltet, E-Mail ausgefallen

Betroffen sind unter anderem die Internetseite der Universität und das E-Mail-System. Studierende und Mitarbeitende konnten vorerst keine E-Mails senden oder empfangen. Die Universität führt umfangreiche Analysen durch, während ein Krisenstab an der Behebung der Störung arbeitet.

Zusätzlich wurde ein IT-Notfall-Dienstleister hinzugezogen. Vorrang hat zunächst die Sicherheit der Daten. Die Universitätsleitung will den regulären Betrieb möglichst bald zumindest teilweise wieder aufnehmen – aber eben nicht um jeden Preis und schon gar nicht, bevor die Systeme ausreichend geprüft sind.

Für Informationen zum Angriff und zu möglichen Auswirkungen auf den Hochschulbetrieb richtete die Universität eine Ersatz-Webseite ein. Sie war unter www.uni-leipzig.de erreichbar; dort wurden fortlaufend aktuelle Informationen veröffentlicht. Über die Seite standen außerdem Kontaktmöglichkeiten, eine Telefonnummer und eine E-Mail-Adresse zur Verfügung. Weitere Hinweise gab die Universität über ihren Instagram-Kanal bekannt.

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Lehre vor Ort läuft weiter

Die Präsenzlehre findet weiterhin wie geplant in den vorgesehenen Räumen statt. Digitale Lehrveranstaltungen können dagegen verschoben oder über externe Server durchgeführt werden. Für viele dürfte das heißen: Rucksack packen, ins Seminar gehen – und beim digitalen Teil erst einmal schauen, was überhaupt funktioniert.

Auch die öffentliche Vorstellung der Kandidatin für die Rektorenwahl am Freitag soll stattfinden. Wegen des IT-Angriffs wird es allerdings keinen Livestream geben. Wer dabei sein will, muss also vor Ort in Leipzig sein.

Angriffe auf Hochschulen nehmen zu

Der Vorfall passt in eine Entwicklung, die das HIS-Institut für Hochschulentwicklung in seiner Veröffentlichung Forum 3|2025 – Cybersicherheit an Hochschulen beschreibt. Cyberangriffe auf Hochschulen haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Das Spektrum reicht von Phishing- und Spam-Attacken bis zu mutmaßlich staatlich gesteuerten Operationen.

Die Studie wurde am 1. Oktober 2025 veröffentlicht. Autor:innen sind Mathias Stein, Maren Lübcke und Harald Gilch. Erstmals untersucht das HIS-Institut systematisch, wie die Bundesländer die Cybersicherheit an Hochschulen fördern. Grundlage waren eine Dokumentenanalyse sowie Befragungen von Wissenschaftsministerien und Computer Emergency Response Teams, kurz CERTs, im Sommer 2024.

Die Länder gehen dabei unterschiedlich vor: Einige verfügen über umfassende Strategien und zentrale Anlaufstellen, andere setzen stärker auf eigenständige Lösungen der Hochschulen. Unterschiede gibt es vor allem bei der Festlegung von Zuständigkeiten, der Ausgestaltung von Unterstützungsleistungen und der Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Landesstrukturen.

CERTs sind häufig für Hochschulen zuständig, werden von diesen aber nur in geringem Umfang genutzt. Den Handlungsrahmen prägen unter anderem die NIS-2-Richtlinie, Landes-IT-Gesetze und die föderale Verteilung von Zuständigkeiten. Die Leipziger Notfallarbeit zeigt derweil ganz praktisch, was passiert, wenn Server abgeschaltet werden müssen und selbst E-Mails nicht mehr rausgehen.

Die Studie ordnet Cybersicherheit als strategisches und nicht ausschließlich technisches Handlungsfeld ein. Hochschulen sollen Krisenmanagementprozesse etablieren und Zuständigkeiten eindeutig regeln. Ministerien sollen Unterstützungsstrukturen bereitstellen und den institutionellen Rahmen schaffen. Als wichtige Voraussetzungen für mehr Resilienz nennt die Untersuchung außerdem länderübergreifende Kooperation und systematischen Wissenstransfer.

Behandelt werden Ziele, Bedrohungslage und Methodik, die Erhebungsmethodik, rechtliche Grundlagen und föderale Zuständigkeiten, die Ergebnisse der Befragungen von Ministerien und CERTs sowie die Situation in allen 16 Bundesländern. Hinzu kommen abschließende Erkenntnisse und eine Bewertung. Der Download ist beim HIS-HE unter dem Titel Forum 3|2025 – Cybersicherheit an Hochschulen verfügbar: Cybersicherheit an Hochschulen.