JMU ersetzt Klammerlogo durch kreisförmige Dachmarke
Die Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) hat ihr visuelles Erscheinungsbild modernisiert. Nach mehr als 20 Jahren wird das bisherige Logo in Klammerform durch ein kreisförmiges Zeichen ersetzt. Dazu kommen ein neu gezeichnetes Universitätssiegel, eine erweiterte Farbpalette, neue Schriften und – angekündigt ist er ebenfalls – ein überarbeiteter Webauftritt.
Für die JMU in Bayern ist das kein bloßer Austausch auf Briefpapier. Die öffentliche Forschungsuniversität zählt rund 25.000 Studierende, etwa 470 Professorinnen und Professoren sowie rund 4.500 Beschäftigte. 15 Nobelpreisträger forschten oder lehrten dort; Wilhelm Conrad Röntgen entdeckte 1895 in Würzburg die Röntgenstrahlen. Künftig soll die Universität über Medien, Einrichtungen und Kommunikationskanäle hinweg klarer als eine gemeinsame Marke erkennbar sein.
Historie als Ausgangspunkt
Dem Gestaltungskonzept ging ein Markenstrategieprozess voraus, der Ende 2024 begann. Hochschulangehörige wurden durch Interviews, Workshops und Online-Befragungen einbezogen. Außerdem flossen Perspektiven aus Stadt und Region, Wirtschaft, Medien und Universitätsklinikum ein. Erarbeitet wurden ein Leitbild mit Vision, Mission, Leitprinzipien und Werten sowie das Motto „Wahrheit. Wissen. Wandel. Seit 1402“.
Der Titel des Markenkonzepts lautet „Heritage – Herkunft mit Zukunft“, verkürzt auch „Heritage“. Gemeint ist die Verbindung historischer Bezüge mit einer zeitgemäßen visuellen Systematik. Das Leitbild steht für eine Universität, die verbindend, ermöglichend und wertschätzend auftritt und sich der Wahrheit verpflichtet sieht. Das Motto verweist auf die Suche nach Wahrheit, die Erweiterung von Wissensgrenzen und die verantwortungsvolle Mitgestaltung gesellschaftlichen Wandels durch bidirektionalen Austausch.
Die Jahreszahl 1402 ist dabei historisch nicht ganz geradlinig. In diesem Jahr wurde die Vorgängerinstitution, die „Hohe Schule zu Würzburg“, gegründet; ihr Lehrbetrieb endete 1415. Die heutige Universität entstand erst 1582. Das ursprüngliche Siegel der ersten Universitätsgründung ist nicht erhalten. Bis 2006 diente deshalb das Rektoratssiegel der 1582 neu gegründeten JMU als sekundärer Logoabsender. Die Universität stellt 1402 dennoch als historischen Ausgangspunkt ihrer Universitätsidee heraus.
Grundlage des neuen Logos ist das erste Rektoratssiegel der „Hohen Schule zu Würzburg“ von 1410. Vier Säulen des Lehrstuhls, eine menschliche Figur als Magistra oder Magister und ein Buch wurden vereinfacht und zu einem kompakten, kreisförmigen Zeichen zusammengeführt. Neben der Bildmarke steht zweizeilig die Wortmarke „UNIVERSITÄT WÜRZBURG“ in Versalien. Verwendet wird die geometrische Linear-Antiqua Axiforma von Galin Kastelov (Monotype).
Siegel, Farben und Schriften
Auch das Universitätssiegel wurde neu gezeichnet. Es zeigt einen auf einem Lehrstuhl sitzenden Magister mit Buch und die Devise „rectoratus studii Herbipolensis“. In umlaufender Schrift steht „✚ : s : rectoratus • s tudii • herbipolensis“, sinngemäß „Siegel des Rektorats der Universität Würzburg“. Für die gebrochenen Lettern der neu interpretierten Fassung kommt „Old London“ von Dieter Steffmann zum Einsatz.
Der historische Charakter soll erhalten bleiben, zugleich verlangt der Hochschulalltag eine klare Formensprache, die auf Bildschirmen, Fahnen oder einem kleinen Aufsteller nicht auseinanderfällt. Blau bleibt die zentrale Universitätsfarbe. Jede Fakultät bekommt zusätzlich eine eigene Farbzuordnung, damit die Vielfalt der Universität sichtbar wird. Neben dem Logo wurden auch Farben, Schriften und weitere Gestaltungselemente für digitale Anwendungen und den Printbereich überarbeitet.
Als Hausschrift dient die lizenzkostenfreie „Inclusive Sans UW“ von Olivia King. Sie ist auf einen möglichst barrierearmen Einsatz ausgerichtet und soll die Lesbarkeit verbessern. Das neue Design soll der Universität einen eigenständigen Charakter geben, Orientierung schaffen, die Kommunikation in verschiedenen Bereichen unterstützen und den Zugang zu ihren Inhalten erleichtern.
Entwickelt wurde das Erscheinungsbild von der Münchner Agentur INTO beziehungsweise INTO Branding. Mehrere Agenturen waren eingeladen worden, die Vergabe erfolgte nach den Vergaberegeln der JMU. Die Agentur war sowohl für die Markenstrategie als auch für das Corporate Design verantwortlich.
Start am 8. Oktober – und noch einiges an Übergang
Die Einführung des neuen Corporate Designs beginnt am 8. Oktober 2026. Seit diesem Zeitpunkt werden Materialien wie Briefpapier, Visitenkarten, Studiengangsflyer und Poster im neuen Auftritt bereitgestellt. Bis zum Jahresende 2026 soll überwiegend das neue Design verwendet werden. Bestehende Briefpapiere, Visitenkarten, PowerPoint-Präsentationen und Fahnen werden bis dahin angepasst.
Ganz abrupt geht es nicht. Während einer Übergangsphase dürfen altes und neues Design parallel genutzt werden. Vorhandene Restbestände sollen aus wirtschaftlichen und Nachhaltigkeitsgründen aufgebraucht werden, sofern sie keine falschen Inhalte oder veralteten Botschaften enthalten. Gebäudebeschriftungen und Fahrzeugbeklebungen brauchen wegen des größeren Aufwands länger.
Vorrang haben öffentlich sichtbare und extern eingesetzte Medien: Briefpapier, Flyer, Poster, Marketingmaterialien, E-Mail-Signaturen und die offiziellen Social-Media-Kanäle. Die Website soll ab Ende November 2026 schrittweise umgestellt werden. Der Wechsel zum neuen Logo soll innerhalb von zwei Jahren abgeschlossen sein. Eingesetzt wird das Corporate Design unter anderem auf Logos, Apps, Aufstellern, Fahnen und Kleidung.
Standardmäßig kommt das Logo im Querformat zum Einsatz. Alle Varianten sind in Marineblau und als weiße Negativvariante verfügbar; für Sonderfälle gibt es eine monochrome schwarze Version. Auf der Corporate-Design-Landingpage stehen verschiedene Logo-Varianten und ein Logo-Baukasten für unterschiedliche Anwendungsfälle und Formate bereit. Die flexiblen Einsatzregeln sind dort ebenfalls vorgesehen. Bis Ende Oktober sollen außerdem FAQ und Corporate Design Manual mit Erläuterungen und Anwendungsbeispielen veröffentlicht werden. Die verbindlichen Nutzungsvorgaben stehen im ab Ende Oktober verfügbaren Manual.
Eine Dachmarke statt vieler Einzelzeichen
Mehr als 140 verschiedene Sub-Logos wurden in der Vergangenheit auf unterschiedlichen Ebenen der JMU verwendet. Diese eigenständigen Logos sollen künftig nicht mehr genutzt werden. Die Marke „Universität Würzburg“ soll dadurch gestärkt und Zielgruppen sollen sich leichter orientieren können. Das dafür nötige Dachmarkenkonzept und seine Umsetzung befinden sich allerdings noch in Bearbeitung.
Logos von Verbundprojekten und Netzwerken dürfen weiterhin erscheinen. Ihre Platzierung muss den Vorgaben des Corporate Designs entsprechen und mit der Pressestelle abgestimmt werden. Das gilt auch dann, wenn Fördergeber die Verwendung bestimmter Logos vorschreiben. Für Drucksachen im neuen Design ist die Pressestelle unter corporatedesign@uni-wuerzburg.de zuständig; sie unterstützt weiterhin bei der Gestaltung von Printmedien.
Ab dem 15. Oktober 2026 findet donnerstags von 9 bis 10 Uhr eine offene Designsprechstunde per Zoom statt. Das dürfte für manche Einrichtung beruhigend sein – ein neues Logo wirkt auf dem Bildschirm schnell simpel, bis es plötzlich auf einer Fahne, einer Präsentation und einem Flyer gleichzeitig funktionieren muss.
Mit der optischen Dachmarke verbindet die JMU mehrere Ziele: mehr Wiedererkennung, bessere Orientierung und ein stärkeres Wir-Gefühl unter den Mitarbeitenden. Der Auftritt soll wissenschaftliche Exzellenz, internationale Vernetzung und Zukunftsorientierung sichtbar machen, die Universität als attraktive Arbeitgeberin positionieren und die Gewinnung von Fachkräften unterstützen. Auch im Wettbewerb um Studierende, Forschende, Mitarbeitende und Fördermittel soll die Sichtbarkeit steigen.
Der Schritt kommt nicht aus dem Nichts. Das alte Corporate Design war rund 20 Jahre alt, blieb weitgehend unverändert und war ursprünglich ohne übergeordnete Markenidentität, definierte Werte oder strategische Markenpositionierung entwickelt worden. Für moderne Anforderungen galt es als nicht mehr zeitgemäß und nicht ausreichend wettbewerbsfähig. Das neue System soll nun analoge und digitale Anwendungen zusammenbringen – von der App bis zur Kleidung, vom Social-Media-Kanal bis zum Universitätssiegel.
Der Artikel erscheint am 15. Oktober 2026 im lokalen Studenten- und Wissenschaftskontext aus Uni Marburg – und damit an einem Ort, an dem Hochschulgeschichte ebenfalls nicht nur im Archiv liegt. In Würzburg wird sie jetzt jedenfalls sichtbar: als Kreis, als Siegel, in Blau und mit einer Jahreszahl, über die man vermutlich noch ein paar
