NI-1801 zeigt in Phase-1b-Studie Langzeitüberleben bei platinresistentem Ovarialkarzinom
Med Berlin, 27. Oktober 2026 – Light Chain Bioscience hat aktualisierte Langzeitdaten zu NI-1801 vorgestellt. Untersucht wurde der bispezifische Antikörper in einer Phase-1/1b-Studie bei stark vorbehandelten Patientinnen mit platinresistentem Ovarialkarzinom (PROC), sowohl als Monotherapie als auch zusammen mit Pembrolizumab. Der Datenstichtag lag im September 2026; präsentiert wurden die Ergebnisse laut Artikel im Rahmen des ESMO-Kongresses.
NI-1801 richtet sich gegen Mesothelin und CD47. Der Antikörper soll den Immuncheckpoint CD47 gezielt auf Mesothelin-exprimierenden Krebszellen blockieren. Das klingt sperrig, ist für die betroffenen Patientinnen aber sehr konkret: Platinresistente Rezidive lassen sich oft nur noch mit begrenzten Behandlungsmöglichkeiten angehen.
Überlebensdaten nach zwei Jahren
In der Phase-1b-Kohorte mit Pembrolizumab wurden 21 Patientinnen behandelt. Nach 24 Monaten waren 40,2 Prozent am Leben, die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 27 Monate. Zum Datenstichtag lebten acht Patientinnen, eine war für die Nachbeobachtung nicht mehr erreichbar. Drei Patientinnen wurden über den Zwei-Jahres-Zeitpunkt hinaus weiterbehandelt.
Bei den Patientinnen, die mindestens acht Wochen behandelt worden waren, lebten nach zwei Jahren sieben von zehn – also 70 Prozent. Das mediane Gesamtüberleben war in dieser Untergruppe noch nicht erreicht. Eine Zahl, die nüchtern aussieht und doch viel offenlässt: Die Beobachtung läuft weiter.
In der Monotherapie-Phase-1-Studie erhielten ebenfalls 21 Patientinnen NI-1801. Nach 24 Monaten waren 16 Prozent am Leben. Die mediane Nachbeobachtungszeit lag hier bei 32,4 Monaten. Drei Patientinnen lebten zum Datenstichtag, eine war nicht mehr erreichbar; eine weitere wurde seit fast drei Jahren weiterbehandelt.
Verträglichkeit und Studienlage
Auch bei längerer Nachbeobachtung blieb NI-1801 als Monotherapie und in Kombination mit Pembrolizumab gut verträglich. Neue Sicherheitssignale wurden nicht festgestellt. Die behandlungsbedingten Nebenwirkungen waren überwiegend vorübergehende Ereignisse vom Grad 1 oder 2, darunter infusionsbedingte Reaktionen bei der ersten und/oder zweiten Verabreichung.
Bei der für Phase II empfohlenen Monotherapiedosis von 900 mg alle zwei Wochen wurden keine behandlungsbedingten Nebenwirkungen vom Grad 3 berichtet. Grad-3-Nebenwirkungen in Kombination mit Pembrolizumab waren beherrschbar und entsprachen dem bekannten Sicherheitsprofil von Pembrolizumab. Dosislimitierende Toxizitäten wurden in keiner untersuchten Dosierung gemeldet. Keine Patientin brach die Studie wegen einer behandlungsbedingten Nebenwirkung ab.
Die Studienteilnehmerinnen hatten mindestens vier vorherige Chemotherapielinien erhalten und gehörten damit zu einer besonders schwer behandelbaren PROC-Population. Zum Vergleich: Frühere Studien zur Standardchemotherapie bei PROC-Patientinnen mit mindestens einer vorherigen Therapielinie berichteten ein medianes Gesamtüberleben von neun bis zwölf Monaten.
Eine randomisierte Studie bei PROC-Patientinnen mit ein bis drei vorherigen Chemotherapielinien hat die Rekrutierung abgeschlossen. NI-1801 wird außerdem in einer randomisierten Phase-2-Studie bei dieser Patientinnengruppe untersucht. Parallel wird das Medikament weiterhin in einer Phase-1-Studie bei stark vorbehandeltem PROC geprüft.
Präsentation und wissenschaftlicher Hintergrund
Die Präsentation trug den Titel „NI-1801, a mesothelin x CD47 bispecific antibody: long-term survival as monotherapy and in combination with pembrolizumab…“. Sie lief unter der Präsentationsnummer 1334P. Vortragende war Kaïssa Ouali vom Gustave Roussy in Villejuif, Frankreich. Vorgesehen war die Poster-Session zu gynäkologischen Krebserkrankungen am 26. Oktober 2026 von 12:00 bis 12:45 Uhr MEZ.
Das Ovarialkarzinom verursacht weltweit jährlich rund 200.000 Todesfälle. Die Erkrankung umfasst unterschiedliche histologische Subtypen, deren Krankheitsverläufe und Behandlungsergebnisse variieren. Gerade beim platinresistenten Rückfall ist die Lage oft kompliziert – mehrere Therapielinien liegen hinter den Patientinnen, die Optionen werden weniger.
Light Chain Bioscience sitzt in Genf und entwickelt bispezifische Antikörper für die Onkologie sowie für immunvermittelte Erkrankungen. Zum weiteren Forschungsprogramm gehört NI-3201, ein bispezifischer PD-L1×CD28-Antikörper. Bei NI-1801 geht es nun darum, ob sich der beobachtete Überlebensvorteil in größeren, randomisierten Studien bestätigt. Noch ist das offen. Aber die Patientinnen, die nach zwei Jahren leben oder weiterbehandelt werden, geben der nächsten Studienphase immerhin ordentlich Rückenwind.
