Niedersachsen verpasst die Exzellenzrunde 2027 – Hochschulen halten an ihren Plänen fest
Für Niedersachsen platzt der Traum von einer neuen Exzellenzuniversität: Ab 2027 wird kein weiterer Standort aus dem Land in dieser Förderlinie berücksichtigt. Die Leibniz-Universität Hannover und die Medizinische Hochschule Hannover scheiterten mit ihren Bewerbungen. Auch die Universität Oldenburg blieb mit ihrem gemeinsamen Antrag mit der Universität Bremen ohne Erfolg.
Am Standort Uni Göttingen ist die Nachricht besonders bemerkenswert. Niedersachsen hatte zuletzt 2007 mit der Universität Göttingen den Status einer Exzellenzuniversität erhalten; 2012 verlor Göttingen ihn wieder. Wissenschaftsminister Falko Mohrs sagte nun, das Ziel einer erneuten Exzellenzuniversität in Niedersachsen sei nicht erreicht worden. Er zeigte sich enttäuscht, betonte aber zugleich die Qualität der niedersächsischen Bewerbungen.
Fünf neue Standorte ab Januar 2027
Die Exzellenzkommission wählte fünf neue Standorte aus: die Universitäten Freiburg, Jena und Köln, die Rhein-Main-Universitäten Darmstadt, Frankfurt und Mainz sowie das Ruhr Innovation Lab der Universitäten Bochum und Dortmund. Zusammen mit zehn bereits im März bestätigten Standorten werden ab Januar 2027 bundesweit 15 Exzellenzuniversitäten und -verbünde gefördert.
Für die Förderlinie „Exzellenzuniversitäten“ stehen ab 2027 insgesamt 208 Millionen Euro jährlich zur Verfügung. Dass Niedersachsen leer ausgeht, begründete der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Wolfgang Wick, nicht mit Größe, Herkunft oder politischer Geografie. Alle Bewerbungen seien überzeugend gewesen; Regionalproporz, die Größe einer Universität oder die Größe des Bundeslands hätten keine Rolle gespielt. Entscheidend sei ausschließlich die Überzeugungskraft der Gesamtstrategie gewesen.
Bundesforschungsministerin Dorothee Bär betonte ebenfalls, dass auch die nicht ausgewählten Standorte exzellente Arbeit geleistet hätten. Das klingt nach Trostformel, ist in diesem Verfahren aber nicht ganz nebensächlich: Über Antragsskizzen und Anträge entscheiden das Committee of Experts und die Exzellenzkommission.
Ein Verfahren mit vielen Gutachtern
Das Committee of Experts besteht aus 39 ausgewiesenen Forschenden aus verschiedenen Wissenschaftsgebieten und repräsentiert das gesamte Disziplinenspektrum. Seine Mitglieder bringen außerdem langjährige Erfahrungen unter anderem im Ausland, im Hochschulmanagement, in der Lehre und in der Wirtschaft mit. Der oder die Vorsitzende des Wissenschaftsrats sowie der Präsident oder die Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft gehören dem Committee of Experts ohne Stimmrecht an und führen gemeinsam den Vorsitz.
Das Gremium legt Förderbedingungen fest, bewertet Skizzen und Anträge auf Grundlage fachwissenschaftlicher Begutachtungen und gibt Förderempfehlungen an die Exzellenzkommission ab. Es entscheidet außerdem, welche Skizzen zur Antragstellung berechtigen, und bewertet die Evaluationsergebnisse der Exzellenzuniversitäten.
Die Exzellenzkommission besteht aus dem Committee of Experts sowie den für Wissenschaft zuständigen Ministerinnen und Ministern des Bundes und der Länder. Sie entscheidet auf Grundlage der Empfehlungen des Committee of Experts über die Förderung von Exzellenzclustern und Exzellenzuniversitäten. Weitere Informationen bietet die Webseite der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz zur Exzellenzstrategie.
Pläne bleiben auf dem Tisch
Niedersachsen will die im Bewerbungsverfahren entwickelten Vorhaben trotzdem weiterverfolgen. Leibniz-Präsident Volker Epping kündigte an, das Gutachten auszuwerten, die Zukunftsstrategie zu schärfen und geplante Maßnahmen fortzuführen. Wissenschaftsminister Mohrs sagte den Hochschulen weitere Unterstützung des Landes zu. Die Hinweise aus dem Verfahren bezeichnete er als Auftrag zur Weiterentwicklung.
Oldenburg und Bremen wollen ihre „Northwest Alliance“ gemeinsam mit der Universität Groningen weiterführen. Oldenburgs Präsident Ralph Bruder zeigte sich enttäuscht, aber zugleich stolz auf die gemeinsame Entwicklung. Die nächste Exzellenzrunde bleibe im Blick. Ein bisschen nach vorne schauen muss man ja, auch wenn die Enttäuschung noch ziemlich frisch ist.
Für die Endrunde hatten sich Oldenburg und Bremen qualifiziert, nachdem im Frühjahr 2025 vier gemeinsame Exzellenzcluster bewilligt worden waren. Der Sprung in die letzte Auswahlrunde war also kein Zufall, sondern Ergebnis einer bereits länger aufgebauten Zusammenarbeit.
Am Ende bleibt für die niedersächsischen Hochschulen vorerst der Blick auf die eigenen Konzepte, die Gutachten und die nächste Runde. In Hannover ebenso wie in Oldenburg liegen die Pläne nun nicht im Papierkorb, sondern wieder auf den Schreibtischen.
