Am 28. September 2026 wird es im Forum der Universität Würzburg früh und ruhig: Von 08:30 bis 09:15 Uhr lädt das Büro der Universitätsfrauenbeauftragten zur Veranstaltung „Flow durch die Kunst – Kunstvolle Yoga-Session 1“ ein. Treffpunkt ist das Forum, Wittelsbacherplatz 1.

45 Minuten lang praktizieren die Teilnehmenden Yoga mitten in der Wanderausstellung „Versäumte Bilder“. Geleitet wird die Session von der Würzburger Yoga-Lehrerin Lidia Encheva. Kunstimpulse sollen dabei eine achtsame Auszeit ermöglichen und den Blick auf die ausgestellten Arbeiten lenken. Danach bleibt Zeit, die Ausstellung in Ruhe anzusehen.

Yoga zwischen Porträts

Yoga-Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Das Angebot richtet sich an Einsteiger*innen ebenso wie an Fortgeschrittene. Eine eigene Yogamatte muss mitgebracht werden, bequeme Kleidung wird empfohlen. Wer dabei sein möchte, meldet sich per E-Mail an natalie.nikolaus@uni-wuerzburg.de an; die Teilnehmendenzahl ist auf 10 Personen begrenzt. Die Session ist den Kategorien Gesundheit und Veranstaltung zugeordnet.

Die Ausstellung „Versäumte Bilder“ ist vom 17. September bis 26. Oktober 2026 im Forum des Universitätsgebäudes am Wittelsbacherplatz 1 zu sehen. Im Mittelpunkt stehen übersehene Pionierinnen aus Wissenschaft und Innovation. Ihre Porträts wurden mithilfe generativer Bild-KI neu visualisiert – auf Grundlage historischer Informationen und überlieferter Bildquellen.

In Würzburg sind 17 Porträts ausgestellt: 16 bereits vorhandene Bildnisse und ein neues Porträt der Naturforscherin Barbara Thein (1775–1842). Sie gilt als erste Frau, die an der Universität Würzburg nachweisbar wissenschaftlich tätig war. Von vielen Wissenschaftlerinnen und Innovatorinnen sind keine Bildnisse überliefert – oder keine Porträts, die ihrer Bedeutung entsprechen.

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Erinnerung per Bild-KI

Entwickelt wurde das Konzept der „versäumten Bilder“ von der Fotografin und Wissenschaftskommunikatorin Gesine Born. Gemeinsam mit den beteiligten Einrichtungen entwickelt sie die KI-Porträts. Die neuen Bildnisse sollen historische Bilder nicht ersetzen, sondern die Lebensleistungen der Frauen sichtbar machen. Zugleich geben sie Anlass, über die heutige Sichtbarkeit innovativer Frauen und über strukturelle Bedingungen gesellschaftlicher Anerkennung nachzudenken.

Die Ausstellung tourt in den kommenden eineinhalb Jahren durch Universitäten und Forschungseinrichtungen in Deutschland. Jede Station ergänzt die Sammlung um das Porträt einer Frau aus der eigenen Institutionsgeschichte, deren Beitrag bisher wenig erinnert oder gewürdigt wurde. Zu den bisher porträtierten Frauen gehören die Astronomin Maria Margareta Winkelmann-Kirch (1670–1720) und die Parasitologin Maria von Linden (1896–1936). Winkelmann-Kirchs Porträt wurde vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt beauftragt, das Porträt von Maria von Linden von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

Weitere Informationen zu den porträtierten Frauen und zur Entstehung der KI-Bildnisse bietet die digitale Ausstellung unter wanderausstellung-versäumte-bilder.de. Die Website soll außerdem Material zu Gleichstellung, sozial verantwortungsvoller KI sowie zur Sichtbarkeit von Frauen in Wissenschaft und Innovation bereitstellen. Das Projekt gehört zum Metavorhaben der Förderrichtlinie „Innovative Frauen im Fokus“. Die geförderten Projekte sollen durch Forschung, Transfer und Kommunikation die Sichtbarkeit und Anerkennung von Frauen in Wissenschaft und Innovation stärken.

Der lange Schatten des Matilda-Effekts

Dass Frauen die Wissenschaft maßgeblich geprägt haben, ihre Leistungen aber häufig ignoriert oder Männern zugeschrieben wurden, ist kein Randthema. Rosalind Franklin, Lise Meitner und Mileva Marić stehen dafür exemplarisch. Der „Matilda-Effekt“ bezeichnet die strukturelle Unsichtbarkeit von Frauen in der Forschung.

Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass diese Benachteiligung fortbesteht: bei der Vergabe von Nobelpreisen, bei der Besetzung von Professuren, in wissenschaftlichen Publikationen und in öffentlichen Diskursen. Dabei geht es auch um die Mechanismen, die diese Ungleichheit aufrechterhalten – und um die Frage, wie sich Wissenschaftsgeschichte vervollständigen lässt.

Die Journalistin Kristina Appel spricht darüber mit Gesine Born, die mithilfe KI-generierter Porträts vergessene Wissenschaftlerinnen sichtbar macht, und mit der Bildungssoziologin Lena Weber, die zu Geschlechterverhältnissen in der Wissenschaft forscht. Die Veranstaltung gehört zur Reihe „Female Futures“, die sich mit den Folgen anhaltender Geschlechterungleichheit für Frauen befasst.