Ein gelber Kleinbagger ist in Scheßlitz im Landkreis Bamberg spurlos von einer Baustelle verschwunden. Unbekannte stahlen die Baumaschine samt Zubehör in der Nacht auf Dienstag. Der Gesamtwert: rund 40.000 Euro.

Die Tat ereignete sich zwischen Montag, 17 Uhr, und Dienstag, 7.30 Uhr. Der Caterpillar-Kleinbagger vom Typ 302 CR stand auf dem Gehweg neben einer Baustelle in der Straße „Altenbach“. Zusätzlich nahmen die Täter zwei Baggerlöffel mit – kein Kleinkram, den man mal eben unter den Arm klemmt.

Abtransport vermutlich mit Anhänger

Nach bisherigen Ermittlungen verluden die Unbekannten den Bagger vermutlich gemeinsam mit dem Zubehör auf einen Anhänger und transportierten ihn ab. Welches Fahrzeug dafür verwendet wurde, ist unklar. Auch steht nicht fest, ob weitere Personen beteiligt waren und wo sich der Bagger derzeit befindet.

Die Kriminalpolizei Bamberg ermittelt wegen eines besonders schweren Falls des Diebstahls. Gesucht werden Hinweise zu verdächtigen Personen oder Fahrzeugen sowie zu möglichen Verladearbeiten im Tatzeitraum. Wer etwas beobachtet hat oder Angaben zum Verbleib des gelben Caterpillar machen kann, erreicht die Kriminalpolizei Bamberg unter 0951/9129-491.

Baustellenkriminalität nimmt laut Studie zu

Der Fall aus Scheßlitz passt in ein größeres Bild. Laut dem „Crime Report 2025“ von BauWatch erlebt mindestens ein Drittel der Baustellenverantwortlichen in Deutschland mindestens einmal jährlich einen Diebstahl; 80 % der Befragten meldeten entsprechende Vorfälle. Für die Studie wurden 500 Baustellenverantwortliche in Europa befragt.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Zwei Drittel der Befragten nahmen eine Zunahme der Baustellenkriminalität im Jahr 2024 wahr. Knapp 20 % berichteten von mehreren Diebstählen pro Jahr. Die Vorgehensweisen der Täter würden zunehmend ausgereifter und professioneller. Teure Maschinen machten 8 % der häufigsten Diebstahlsobjekte aus, Fahrzeuge wie Autos und Lieferwagen 7 %. Kleine Werkzeuge wurden deutlich häufiger gestohlen.

In 53 % der Fälle lag der Wert der gestohlenen Gegenstände zwischen 585 und 4.650 Euro. Gerade wiederholte kleinere Diebstähle können sich zu erheblichen Gesamtschäden summieren. Für die deutsche Bauindustrie schätzen Experten die jährlichen Schäden durch Diebstähle auf mehr als 80 Millionen Euro – Tendenz steigend.

Wenn Baustellen stillstehen

Die Folgen reichen über den unmittelbaren Verlust hinaus. 43 % der Befragten gaben an, dass Projekte durch Diebstahl, Vandalismus oder andere Baustellenkriminalität verzögert wurden. Fast ein Viertel meldete Verzögerungen von bis zu vier Wochen. In einem von acht Fällen konnten Bauprojekte überhaupt nicht fortgesetzt werden. Höhere Kosten und Imageschäden für Unternehmen kommen dazu.

Neben Maschinen geraten vor allem Metalle ins Visier. 46 % der Befragten nannten Kupfer als besonders beliebtes Diebesgut. Kabel machten laut BauWatch 47 % der Diebstähle aus, insbesondere an Eisenbahn- und Telekommunikationsanlagen. Kupferdiebe schlugen im vergangenen Jahr rund 450-mal bei deutschen Eisenbahnen zu; der Schaden betrug insgesamt 7 Millionen Euro.

Mehr als ein Drittel der befragten Bauexperten stufte die Sicherheit auf den eigenen Baustellen als „niedrige Priorität“ ein. 48 % forderten deshalb, dass Sicherheitsmaßnahmen bereits vor Baubeginn geplant werden. BauWatch bezeichnet die Prävention von Diebstahl und Vandalismus als gemeinsame Aufgabe von Geschäftsführungen, Baustellenverantwortlichen und Subunternehmern.

Sichtbarkeit, Schulung und ein Ampelsystem

Empfohlen werden sichtbare Kameratürme und temporäre Zäune, um Gelegenheitstäter abzuschrecken. Baustellen sollten ausreichend beleuchtet sein; Mitarbeiter müssten klar informiert und regelmäßig geschult werden. Schulungsunterlagen könnten digital und in gedruckter Form bereitliegen. Zu den einfachen Best Practices gehört es, Maschinenschlüssel abzuziehen und Tore zu verschließen.

Darüber hinaus rät BauWatch zu leistungsfähigen Sicherheitssystemen zum Schutz von Material und Mitarbeitern. Die Bedrohungslage sollte für jedes Projekt individuell bewertet und die Sicherheitsmaßnahmen flexibel angepasst werden. Auch Feiertage, an denen Baustellen besonders angreifbar sein können, sollten in die Planung einfließen. Zur Darstellung der Gefährdungslage kann ein Ampelsystem dienen: Rot steht beispielsweise für eine hohe Bedrohung.

Während in Scheßlitz nun die Suche nach dem Bagger und den beiden Baggerlöffeln läuft, bleibt eine praktische Frage offen: Wer hat in der Nacht zwischen 17 Uhr und 7.30 Uhr etwas an der Straße „Altenbach“ bemerkt?