An der Freien Universität Berlin liegen große Jubiläen und unbequeme Fragen dicht beieinander. Heute, am 17.10.2026, erinnert die Universität an Entwicklungen, die ihre Geschichte geprägt haben: Das Osteuropa-Institut wurde vor 75 Jahren gegründet, 1951 und heute war und ist es von Bedeutung. Zugleich wird das Margherita-von-Brentano-Zentrum für Geschlechterforschung zehn Jahre alt.

Ein Blick zurück führt zum 13. Oktober 2006. Damals verkündete der Wissenschaftsrat die ersten Förderentscheidungen der Exzellenzinitiative. Die Freie Universität Berlin erhielt die Graduate School of North American Studies. Gemeinsam mit der Technischen Universität Berlin und der Humboldt-Universität zu Berlin bekam sie außerdem die Berlin Mathematical School. Günter M. Ziegler war zu dieser Zeit Sprecher des Projekts und arbeitete noch an der TU Berlin.

Der Erfolg kam nicht aus dem luftleeren Raum. 2003/2004 war er von einer umfangreichen Sparrunde begleitet worden. 2007 erhielt die Freie Universität drei Exzellenzcluster und drei Graduiertenschulen. Sie wurde als erste Berliner Universität zur Exzellenzuniversität ausgezeichnet und verteidigte diesen Titel 2012. Seit 2019 trägt sie ihn als Teil des Verbunds von Freier Universität, HU, TU und Charité in der Exzellenzstrategie.

Wie aus Wettbewerb ein Profil wurde

Bund und Länder hatten die Exzellenzinitiative 2005 als Wettbewerb um Fördermittel unter den besten deutschen Universitäten gestartet. Dahinter stand auch das Ziel, den Wissenschaftsstandort Deutschland insgesamt zu stärken. In den Förderphasen 2006–2012 und 2012–2017 gab es drei Förderlinien: Graduiertenschulen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, Exzellenzcluster für die Spitzenforschung und Zukunftskonzepte zum projektbezogenen Ausbau universitärer Spitzenforschung.

Die Freie Universität war in allen drei Förderlinien erfolgreich. Als „Internationale Netzwerk Universität“ entwickelte sie sich zu einer weltweit sichtbaren Einrichtung der Spitzenforschung. Studierende und Forschende aus aller Welt kommen an die Universität; zugleich soll sie Bedingungen für die Ausbildung begabter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bieten. Interdisziplinäre Zusammenarbeit stärkte die Leistungsfähigkeit einzelner Disziplinen, was internationale Rankings regelmäßig bestätigen. Im Nachfolgewettbewerb „Exzellenzstrategie“ gibt es diese Dreiteilung nicht mehr.

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Bei alledem beruft sich die Universität weiterhin auf die Leitbegriffe ihrer Gründung von 1948: „Veritas“ – Wahrheit, „Iustitia“ – Gerechtigkeit und „Libertas“ – Freiheit. Diese Werte bildeten die ideelle Grundlage ihres Antrags in der Exzellenzinitiative. Klingt groß, ja. Aber an einer Universität zeigt sich so etwas eben auch im Alltag: in Forschung, Lehre und Transfer, wenn sie sich mit gesellschaftlich relevanten Themen befassen.

Jubiläen, die Zeit brauchen

Das Osteuropa-Institut steht dabei für eine lange wissenschaftliche Linie. Vor 75 Jahren an der Freien Universität gegründet, war es 1951 wichtig und ist es heute weiterhin. Das Margherita-von-Brentano-Zentrum für Geschlechterforschung blickt auf zehn Jahre zurück; die Anfänge der Geschlechterforschung an der Freien Universität reichen allerdings bis in die 1970er-Jahre zurück.

Exzellenz und Geschlechterforschung benötigen Zeit, Freiheit und verlässliche Finanzierung. Gerade beim Geld wird es derzeit ungemütlich. Nach der Sparrunde 2025/2026 sind deren politische, finanzielle und strukturelle Folgen noch nicht verarbeitet. Laut Artikel wurden die Hochschulverträge durch den Berliner Senat gebrochen. Universitäten lassen sich nicht ohne Weiteres um zehn Prozent verkleinern oder verbilligen – als wäre der Betrieb ein Regal, aus dem man einfach ein paar Fächer herausnimmt.

Trotz schwieriger Bedingungen sieht die Freie Universität weiterhin das Potenzial, zur Spitze des Wissenschaftssystems beizutragen. Der Rückblick auf die Jubiläen verbindet sich deshalb mit Erwartungen an ihre Zukunft: nicht als glatt polierte Erfolgsgeschichte, sondern mit den Bruchstellen, die dazugehören.

Berlin als gemeinsames Forschungsprojekt

Ab 2027 soll die Berlin University Alliance Vorbild für zwei neue Exzellenzverbünde sein. Die gemeinsame Entwicklung von Universitäten in Verbünden und die Einbindung ihres Forschungsumfelds werden als erfolgreiches Modell beschrieben. Zur BUA gehören die Freie Universität Berlin, die Humboldt-Universität zu Berlin, die Technische Universität Berlin und die Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Gefördert wird der Exzellenzverbund vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) und dem Land Berlin im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern. Die vier Partner erhielten die Förderung als erster universitärer Exzellenzverbund Deutschlands mit dem Antrag „Crossing Boundaries toward an Integrated Research Environment“. Die erste Förderperiode begann am 1. November 2019.

Am 11. März 2026 beschloss die Exzellenzkommission die Weiterförderung der BUA für sieben Jahre von 2027 bis 2033. Grundlage ist der Antrag „Beyond Boundaries: A Joint Agenda for Berlin as an Open Knowledge and Innovation Space“. In der Kommission sitzen Wissenschaftsminister*innen von Bund und Ländern sowie international profilierte Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Hochschulmanagement.

Voraussetzung für die Weiterförderung war ein Erfolg in der Förderlinie „Exzellenzcluster“ der Exzellenzstrategie. Am 22. Mai 2025 erhielten die Berliner Partner die Fördermitteilung für fünf Exzellenzcluster. Die interdisziplinären Forschungsprojekte werden seit 2026 zunächst sieben Jahre gefördert. Eine Verlängerung um weitere sieben Jahre ist auf Grundlage eines Fortsetzungsantrags möglich.

So reicht die Linie von den ersten Entscheidungen im Oktober 2006 über die drei Förderlinien der Exzellenzinitiative bis zur heutigen Verbundstruktur. Dazwischen liegen Sparrunden, neue Zentren, Forschungsverbünde und immer wieder die ziemlich praktische Frage, wie viel Freiheit Wissenschaft braucht – und wer sie finanziert.